Widersprüchliche Botschaften und das damit verbundene Dilemma

09 November, 2020
Das wahrscheinlichste Ergebnis des Sendens widersprüchlicher Botschaften ist, dass sich weder der Sender noch der Empfänger gut dabei fühlen werden. Wenn du mehr über dieses Dilemma erfahren möchtest, solltest du einfach weiterlesen. Wir erklären es dir.

Hast du jemals über die Diskrepanz zwischen deinen Äußerungen und deinen Handlungen nachgedacht? Warum würde jemand eine Aussage treffen, die das Gegenteil von dem ausdrückt, was dieser Mensch wirklich fühlt? Widersprüchliche Botschaften sind verwirrend. In unserem heutigen Artikel werden wir sie aus einer psychologischen Perspektive genauer beleuchten.

Was genaus sind widersprüchliche Botschaften? Wir werden dir heute einige Schlüsselaspekte aufzeigen, mit denen du diese Art der Kommunikation besser verstehen kannst und dir dies anhand von Beispielen verdeutlichen. Darüber hinaus erfährst du mehr über die aktuelle Forschung zu diesem Thema, insbesondere über die Studien des Sozialwissenschaftlers Gregory Bateson.

“Sprache bezieht sich gewöhnlich nur auf eine Seite der Kommunikation.”

-Gregory Bateson-

Widersprüchliche Botschaften - zwei Menschen streiten

Widersprüchliche Botschaften: Was ist das eigentlich?

Widersprüchliche Botschaften sind jene, die dissonante Informationen von derselben Quelle übermitteln. Daher sind sie paradoxer Natur. Über sie gab es bereits verschiedene Studien und Untersuchungen, beispielsweise von:

  • Psychoanalytikern. Sie betonen die Logik des Widerspruchs. Dies liegt daran, dass sie die Aussagen überprüfen, die antagonistisch oder ambivalent wirken, einige unbewusst, andere weniger.
  • Die Palo Alto Schule. Laut Watzlawick wurde die Doppelbindungstheorie erstmals in dieser Schule entwickelt. Sie ist eine kommunikationstheoretische Vorstellung zur Entstehung schizophrener Erkrankungen.
  • Anzieu. Er geht davon aus, dass Paradoxien den Drang des Empfängers zur Selbstzerstörung erhöhen können. Darüber hinaus fördern sie Misstrauen und untergraben den Sinn für Wahrheit und das Sein des Subjekts, zumindest laut Dr. Miguel Cherro Aguerre.

Gregory Bateson, ein Anthropologe und Sprachwissenschaftler, befasste sich ebenfalls mit widersprüchlichen Botschaften. Dabei konzentrierte er sich auf das systemische Modell. Er entwickelte die Doppelbindungstheorie und betonte die Verbindung zwischen Mitgliedern eines Systems. Außerdem tat er dies, um die psychologischen Ursachen der Schizophrenie zu erklären. Ein Zustand, der mit verschiedenen Kommunikationsmustern in Zusammenhang steht.

Doppelbindungen oder double binds sind Kommunikationsdilemmata, die sich aus dem inhaltlichen Widerspruch verschiedener Botschaften von derselben Quelle ergeben. Daher erzeugen sie Verwirrung bei denen, die sie empfangen.

Allerdings wurde diese Theorie zwischenzeitlich überarbeitet und erweitert, wodurch sie nicht mehr nur auf die Schizophrenie begrenzt ist. Darüber hinaus wenden die Wissenschaftler diese Theorie auch in anderen Kontexten an. Sie gehen beispielsweise davon aus, dass Doppelbindungen von einigen als Mittel zur Kontrolle oder Manipulation verwendet werden.

Widersprüchliche Botschaften: Merkmale

Wenn widersprüchliche Botschaften ausgesendet werden, könnte der Sender sagen, dass sich negative Konsequenzen ergeben werden, wenn der Empfänger sich nicht in bestimmter Weise verhält. Darüber hinaus übermitteln sie abstrakte Anweisungen, die dieser Aussage widersprechen. Hier findest du einige Beispiele für derartige Botschaften:

  • Interaktion. Sie kann durch jede Form der Kommunikation erfolgen.
  • Ein wiederkehrendes Muster. Es handelt sich nicht um ein punktuelles Muster, es wiederholt sich.
  • Eine oder mehrere Botschaften. Obwohl normalerweise zwei widersprüchliche Botschaften existieren, können es auch mehrere sein.
  • Macht. In den meisten Fällen entsteht dies zwischen einem Menschen, der eine gewisse Autorität repräsentiert und einem anderen, der dies nicht tut.
  • Verwirrung. Die Person, die widersprüchliche Botschaften empfängt, könnte sich verwirrt oder sogar blockiert fühlen.
  • Kommunikationsmuster. Sowohl deine als auch die anderer Menschen beeinflussen deine Gesundheit.

Darüber hinaus gibt es einige Forscher, die sogar davon ausgehen, dass widersprüchliche Botschaften der Ursprung einiger Pathologien sind. Das bedeutet aber nicht, dass sie die Ursache dafür sind, sondern vielmehr einer der Faktoren, die deren Entstehung fördern oder auslösen (sogenannte Trigger oder Auslöser).

Momentan gibt es verschiedene Untersuchungen zu diesem Thema. Beispielsweise zeigt der Artikel von Leonardo Gabriel und Paula Gabriela Rodríguez-Zoya, der in der Fachzeitschrift Palabra Clave (auf Deutsch: Schlagwort oder Stichwort) veröffentlicht wurde, wie Kommunikationsprozesse und soziale Interaktionen soziale Repräsentationen und soziale Kommunikationen in der Doppelbindungstheorie verzerren oder behindern können.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Ansätze. Beispielsweise jene, die sich auf Interventionsvorschläge für Doppelbindungssituationen bei der Interaktion zwischen Lehrern und Schülern konzentrieren. Dieser Vorschlag stammt von García-Castro, Saneleuterio und García Ramos und wurde in der Fachzeitschrift Psicología y Educación: Presente y Futuro (auf Deutsch: Psychologie und Erziehung: Gegenwart und Zukunft) publiziert.

Widersprüchliche Botschaften - Mann, der etwas hört, was er nicht mag

Widersprüchliche Botschaften und die Konsequenzen

Jeder kann toxische widersprüchliche Botschaften erhalten. Daher solltest du daran denken, dass sie wiederkehrend sein können. Außerdem beinhalten sie implizite Inhalte, die verwirren, blockieren und zu nachfolgenden Auswirkungen führen können:

  • Gefühle von Gefahr oder Bedrohung. Widersprüchliche Botschaften verwirren den Empfänger und das führt dazu, dass er nie genau weiß, wo er steht. Denn er ist zwischen den beiden Botschaften hin- und hergerissen.
  • Schuldgefühle. Aufgrund der Annahme des Empfängers, er würde sich nicht richtig verhalten.
  • Angststörungen. Weil der Betroffene nicht weiß, was er tun soll und die Zukunft antizipiert.
  • Toxische Beziehungen. Wenn der Betroffene bei der Konfrontation mit Machthabern passiv geblieben ist und nicht erkannt hat, dass Doppelbindungen erfolgt sind.

Allerdings wirken sich widersprüchliche Botschaften auch auf diejenigen aus, die sie aussenden. Und zwar unabhängig davon, ob ihre Bedürfnisse oder ihre Absichten befriedigt wurden oder nicht. Darüber hinaus muss eine Beziehung von Bedeutung sein, damit die Doppelbindung erfolgen kann. Das liegt daran, dass in diesen Fällen die Enttäuschung über die nicht erfüllten Erwartungen tiefer ist.

Ein Beispiel für eine derartige Botschaft entsteht, wenn eine Mutter ihrem Kind Liebe kommuniziert und es gleichzeitig auf andere Weise ablehnt. Ein weiteres Beispiel für widersprüchliche Botschaften ist, wenn ein Partner zu seinem Lebensgefährten etwas sagt wie “Mache was du willst” oder “Alles wunderbar” und damit eine weitere Nachricht zwischen den Zeilen übermittelt. Oder wenn du zu jemandem sagst, dass du ihm vertraust, ihn aber gleichzeitig permanent beobachtest und überwachst.

Abschließende Gedanken

Kurz gesagt, die Forderung, die sich in der Aussage manifestiert, macht es unmöglich zu wissen, wie man sich in dieser Situation verhalten soll. Daher bereiten widersprüchliche Botschaften beiden Parteien Unbehagen, insbesondere aber der Person, die diese sendet. Dies liegt daran, dass es für sie sehr schwierig sein wird, die gewünschte Antwort oder Reaktion zu erhalten. Denn der Empfänger weiß einfach nicht, was er tun oder wie er sich verhalten soll.

Aguerre, M. C. (s.f). Mensaje Contradictorio.

Bateson, G. (1984). La nueva comunicación. Barcelona: Kairós.

Bateson, G., & Ruesch, J. (1984). Comunicación: la matriz social de la psiquiatría. Barcelona: Paidós.

Gracía-Castro A., Saneleuterio, e., & García-Ramos, F. (2016). Descripción y propuesta de intervención en las situaciones de doble vínculo en las interacciones metalingüísticas entre profesor y alumnno. Revista Psicología y Educación: Presente y Futuro, de Alicante.

Rodríguez-Zoya, L.G, & Rodríguez Zoya, P.G. (2015). El doble vínculo entre representaciones sociales y comunicación social. Palabra clave, 18 (3), 905-937.