Wer schüchtern ist, ist nicht gleich langweilig

· 1. März 2016

Ich nehme an, dass viele von uns irgendwann in ihrem Leben mal schüchterne Momente hatten. Aber Schüchternheit ist in den meisten Fällen kein Problem von besonderer Bedeutung und erst recht keine Krankheit.

Vielmehr ist die Schüchternheit ein Schutzschild, das uns in uns selbst verschließt, um zu versuchen, nicht zu verletzt zu werden. Obwohl dies manchmal genau den gegenteiligen Effekt haben kann.

 „Schüchternheit reflektiert einen Mangel an Selbstliebe, den Wunsch, zu gefallen, aber es aus Angst, erfolglos zu sein, wird der Versuch nicht unternommen.“

Molière

Schüchtern sein bedeutet nicht, langweilig zu sein. Schüchternheit ist lediglich eine Art zu sein, mit ihren Besonderheiten und Merkmalen.

Die Entwicklung von Schüchternheit

Die Entwicklung der Schüchternheit im Laufe des Lebens ist sehr interessant, und ihre Analyse führt zur Selbsterkenntnis.

Viele von uns erleben eine Verlagerung von der Offenheit der Kindheit zu einer wachsenden Scheu im Erwachsenenalter. Oder umgekehrt.

Diese Änderung wird manchmal von Ereignissen bzw. Auftritten in der Öffentlichkeit verursacht, die  uns Angst machen oder nehmen oder die in uns ein Gefühl von (Un-)Wohlsein verursachen.

„Die häufigste Ursache von Schüchternheit ist eine Fehleinnschätzung der eigenen Wichtigkeit.“

Samuel Johnson

Schüchternheit ist somit nicht erblich, sondern vielmehr ein Bestandteil der Persönlichkeit, welche, auch wenn sie durch das biologische Temperament beeinflusst wird, stark durch soziale Interaktionen bedingt ist. Deshalb müssen wir diese Aspekte und deren Evolution beachten, um unsere Scheu zu verstehen.

Mädchen mit Herz im Arm

Sich unter Menschen zu begeben bedeutet immer, unsere Fähigkeiten und Kompetenzen der Meinung anderer auszusetzen. Und in der Pubertät und der Jugend haben wir mehr Angst, bewertet, beurteilt und kritisiert zu werden.

Wenn wir in dieser sensiblen Phase zudem eine Situation erleben, in der wir der Öffentlichkeit ausgesetzt sind und in der andere wenig mitfühlend und sogar respektlos zu uns sind, kann unser soziales Ich ein Gefühl von enormer Verwundbarkeit erfahren und uns für künftige ähnliche Situationen konditionieren.

Zum Schutz vor dieser Verwundbarkeit schließen wir uns in uns ein.

Stört uns die Schüchternheit?

Schüchternheit ist ein Merkmal unseres Charakters, das nicht besonders problematisch sein sollte. Und wenn doch, wann würde sie wirklich zu einem Problem werden?

  • Wenn die Schüchternheit uns große psychische Angst verursacht.
  • Wenn berufliche Ziele aus Angst vor der Teamarbeit verhindert werden.
  • Wenn sie uns daran hindert, um Hilfe zu bitten, wenn es nötig ist.
  • Wenn wir eine andere Person wirklich gern kennenlernen würden, und es aus Ängstlichkeit nicht tun.
Frau guckt über einer Wand hervor

Als schüchterne Person können uns unfreundliche, simple oder unsichere Menschen begegnen, aber es können auch sehr geheimnisvolle, kluge und angenehme Menschen darunter sein.

Wenn dir bewusst wird, dass Schüchternheit kein Fehler in deiner Persönlichkeit ist, wirst du feststellen, dass du viel weniger psychischen Druck fühlst, und die Dinge werden auf natürlichere Weise ablaufen.

Das Wichtigste ist, dass du auch mit deinem introvertierten Charakter mit anderen herzliche Beziehungen aufbauen kannst.

Ein kleines Lächeln, ein kurzer und direkter Satz in einer geeigneten Situation können die perfekte Einleitung sein, um nach ein paar Notizen zu fragen oder ein Gespräch zu beginnen. Manchmal kommt es gar nicht so sehr auf die Offenheit an, sondern eher auf Gezieltheit oder Tauglichkeit.

Aspekte, die dir helfen, die Schüchternheit zu überwinden:

  • Ein besseres Verständnis von dir selbst zu bekommen, um herauszufinden, welche Situationen es sind, die dich am meisten ängstigen bzw. unwohl fühlen lassen, um dann Gemeinsamkeiten zu finden und darüber zu reflektieren.
  • Lerne, Angst und Stress durch Atem- und Entspannungstechniken zu handeln.
  • Üben, üben, üben. Es wird das beste Heilmittel sein.
  • Sich in Situationen begeben, in denen man mit anderen interagiert. Und wenn etwas schief geht, gib dem nicht zu viel Bedeutung. Du lernst gerade eine Fertigkeit, nur darum geht es.
  • Wähle ein angenehmes Umfeld in deiner Nähe, um das Reden mit anderen zu üben, bevor du auch vor unbekanntem oder dir unangenehmen Publikum sprichst. So kannst du dich erstmal mit so einfachen Dingen wie Stimmmodulation, Gestik, Aussprache, Lautstärke oder Ton vertraut machen.

Die Schüchternheit, die uns unangenehm ist, kann verbessert werden, aber vergiss nicht, dass Schüchternheit eine liebenswerte Qualität sein kann, die dich nicht langweilig, einfach, oder gar zu jemanden ohne soziale Fähigkeiten macht. Es ist nur eine andere Art von kommunikativem und sozialem Stil.