Wenn es dir keine Angst einjagt, ist es der Mühe wahrscheinlich nicht wert

· 15. Juni 2017

Wenn du willst, das deine Träume wahr werden, musst du manchmal mit der Angst verhandeln. Du musst mit deinen Ängsten leben. Doch nicht alle Ängste blockieren oder schränken dich ein und bringen dich dazu, deine Ziele aufzugeben. Einige lösen ein Schwindelgefühl aus. Das zeigt dir an, dass du gerade über den Rand einer hohen Klippe schielst. Angst lässt dich wissen, dass du voller Adrenalin und unbekannter Gefühle bist.

Dieses Gefühl von Ungewissheit und Unruhe taucht auf, wenn uns etwas wirklich motiviert. Angst schüttelt uns vom Sofa unserer Routine herunter. Denn sie hat die Absicht, unser Leben in etwas Sinnvolles zu verwandeln. Sie zeichnet den Weg vor, dem wir folgen sollen. Und teilt dir eindringlich mit, dass du nicht aufgeben sollst, die Grenze zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen auszuloten. Damit du das Unmögliche möglich machst.

Angst ist ein Gefühl, das uns ängstigt

Gerald Hüther, erklärt in seinem Buch Biologie der Angst,  wie wir nichts so sehr fürchten wie unsere Ängste. Angst ist aber genau die Emotion – in allen ihren Facetten – die unsere intellektuelle und emotionale Entwicklung in Gang setzt. Sie erzeugt eine Stressreaktion im Gehirn. Das schafft die geeigneten Bedingungen für intellektuelles, emotionales und körperliches Verhalten.

Wir sollten in der Lage sein, die Grenze zwischen „freundlicher“ und „schützender“ Angst und pathologischer Angst auszumachen. Diese führt zu Panikattacken und Angstzuständen.

Die Quantenphysik sagt uns, dass der Körper und die Emotionen Folgendes nicht unterscheiden können: was in der realen Welt oder in einer Welt unserer Vorstellung passiert. Deshalb zeigt unser Gehirn in beiden Fällen dieselbe Reaktion. Wir leiden also in beiden Fällen gleich unter den Auswirkungen von Stress und anderen biologischer Mechanismen. Und dabei ist es nicht wichtig, ob wir etwas wirklich erfahren, es gedanklich vorwegnehmen oder es uns nur vorstellen.

Der komplexe Kreislauf der Angst in unserem Körper: eine Mischung aus Stress und Genuss

Wie wir gerade ausführten, scheint Angst ein Gefühl der völligen Fehlanpassung zu sein. Besonders wenn sie zu einem emotionalen Dauerzustand mit Erstickungsgriff am Hals wird. Denn eigentlich sollte sie uns als Alarmsignal für potenziell bedrohliche Stimuli aus der Außenwelt dienen. Die Angst setzt Menschen im Teufelskreis ihrer eigenen unangenehmen Gefühle zu. Und zwar dann, wenn sie – durch aktive Anpassung – nicht mehr unterscheiden kann, ob es sich um einen warnenden Impuls oder einen Moment der Entspannung handelt.

Der komplexe Vorgang des körperlichen und hormonellen Stresskreislaufs wird durch sensorische Stimuli aktiviert. Zum Beispiel durch den Seh- oder Hörsinn. Dieser schickt eine Information an den Teil des Gehirns, der Amygdala heißt. Diese ist mit dem Hypothalamus verbunden, um auf das Gedächtnis zuzugreifen und in Erfahrung zu bringen, was in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen passiert ist. Die Amygdala ist auch dafür verantwortlich, elektrische Impulse an unsere Muskeln zu schicken, um eine Handlung auszulösen.

Was passiert auf der emotionalen Ebene? Die Hirnanhangsdrüse gibt Stresshormone ab, die uns aktivieren und zur Bildung zweier anderer Hormone anregen: Cortisol und Adrenalin. Adrenalin erweitert deine Pupillen und erhöht die Atemfrequenz. Cortisol dagegen erhöht den Glukosespiegel im Blut. Damit steht den Muskeln mehr Energie zur Verfügung.

Das Interessante an diesem komplexen Kreislauf ist, dass schlussendlich Dopamin produziert wird. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der mit Genuss assoziiert wird. Ein Gefühl des Genusses wiederum ist eine Begleiterscheinung, wenn man Angst empfindet, ein Risiko eingeht oder Befriedigung über einen errungenen Sieg fühlt.

Wenn die Angst nicht mehr funktioniert, bahnt sich eine Katastrophe an

Wenn man diesen komplexen Angstkreislauf und seinen Nutzen kennt – nicht nur für unser Überleben, sondern auch für unser emotionales Gleichgewicht – ist Folgendes normal: Menschen, denen nach dem Auftreten eines Angstgefühls Schaden zugefügt wurde, sind der Ansicht, dass dieses Alarmsignal nicht sehr hilfreich ist. Sie hatten zwar sehr wohl die Gefahr vorausgesehen, waren aber dennoch unfähig, etwas dagegen zu tun.

Das trifft zum Beispiel auf Personen zu, die Opfer eines Überfalls geworden sind. Wenn der Schaden, den sie erlitten haben, emotional nicht verarbeitet werden kann, bleibt die Angst dauerhaft „aktiviert“. Selbst in Situationen, die keine Gefahr darstellen. Menschen, die Zeugen eines Angriffs wurden, in denen die Fluchtmittel versagt haben, können dies ebenfalls verspüren.

Die Angst zur Verbündeten machen, um Genuss zu erlangen

Falls Angst als adaptives Signal nicht mehr funktioniert, sondern als allgemeine Stimmung wahrgenommen wird, die ein gewaltiges Unbehagen auslöst, sollte sie dementsprechend behandelt werden. Wenn sich herausstellt, dass ein Mensch ein Trauma erlitten hat, können Maßnahmen wie EMDR unter Zuhilfenahme anderer Techniken vielversprechende Resultate liefern. Den besten Rat, den wir für einen solchen Fall geben können, ist, einen Spezialisten heranzuziehen.

Angst dient dem Menschen dazu, Gefahren vorauszusehen, sollte aber niemals zur Lebensweise werden. Wie wir zu Beginn des Artikels erwähnt haben, sollte Angst idealerweise eine Empfindung sein, die uns den Abgrund oder nicht befahrene Straßen zeigt. Wir sollen aber nicht einfach einem Pfeil folgen, den wir nicht hinterfragen.

Ähnlichkeiten gibt es mit der Angst, die wir angesichts von Zielen empfinden, die unerreichbar scheinen, von denen wir aber wissen, dass sie erreichbar sind. Diese Angst fühlt man zum Beispiel, bevor man einen Karriereweg einschlägt, der ein jahrelanges Studium erfordert. Oder ein Läufer fühlt sie, der versucht, den von ihm aufgestellten Geschwindigkeitsrekord zu brechen. Cortisol aktiviert, aber blockiert oder begrenzt die Ängste nicht.

Darum kann es eine wunderbare Errungenschaft sein, die Angst in einen Verbündeten zu verwandeln, wenn du dazu in der Lage bist. Du wirst fähig sein, die Alarmsignale, die die Angst dir gibt, zu schätzen, ohne ihnen blind zu gehorchen. Die Angst als präsent und wirklich einzustufen – sich aber zu stellen und zu wissen, wie man hindurchgeht. Es mag durchaus vorkommen, dass du nicht vermeiden kannst, was du fürchtest. Vielleicht bist du nicht in der Lage, dich der Gefahr zu stellen. Aber du musst die Erfahrung anders „belegen“, um alle anderen Erfahrungen in ihrer Fülle und Gänze zu erleben.

Gäbe es die Angst nicht, hättest du am Ende nie das Gefühl, einen Erfolg errungen oder etwas erreicht zu haben. Wenn du das Eine vermeidest, vermeidest du auch das Andere. Das Ergebnis bleibt das Gleiche: Du vermeidest das Leben. Gestatte dir, dieses Gefühl zu erfahren und es zuzulassen. Du kannst sicher sein, dass es interessante Dinge in dein Leben bringen wird.