Wenn du mir die Flügel kürzt, werde ich einen Besen verwenden – doch ich werde fliegen!

22. Dezember 2018

Es gibt Situationen, in denen wir Menschen das Gefühl haben, dass wir andere Talente entwickeln wollen oder unsere Zeit anderen Aktivitäten widmen möchten. Wenn wir dann sagen „Ich werde fliegen“  oder „Ich brauche eine Veränderung“  mögen uns neben den Widerständen, die der Herausforderung innewohnen, auch unsere Mitmenschen in den Weg stellen.

Dies kann in einer Paarbeziehung geschehen, obwohl solche Fälle auch in der häuslichen Umgebung, innerhalb der Familie, auftreten. Jeder Prozess der persönlichen Entwicklung und Veränderung geht mit seinen eigenen Schwierigkeiten einher. Und diese, über die wir heute sprechen, ist eine derjenigen, die am häufigsten auftritt.

Das Leben ist nicht statisch. Die Dinge ändern sich und die Menschen entwickeln sich weiter, auch wenn dies nicht immer im gleichen Tempo oder in dieselbe Richtung geschieht. Darum ist es wichtig, zu verstehen, warum die Menschen, die uns nahestehen, nicht alle Pläne unterstützen können, die wir schmieden, während wir nach unserer persönlichen Entwicklung suchen. Allerdings können sie durchaus einen wichtiger Beitrag zur Überwindung von Hindernissen leisten.

Frau spaziert ohne Schuhe eine Straße entlang

Wir alle sind Teil vieler Leben

Als Erstes müssen wir berücksichtigen, dass ein Prozess der Veränderung oder der persönlichen Entwicklung nicht nur denjenigen betrifft, der diesen aktiv umsetzt, es sei denn diese Person lebt allein und völlig isoliert. Wir sind immer auch Teil der Welt von anderen und in vielen Fällen sogar ein sehr wichtiger Teil. Wenn wir uns also verändern, wenn wir uns dazu entscheiden „zu fliegen“, werden wir damit auch des Leben der Menschen beeinflussen, die uns nahestehen. Diese Personen können so das Gefühl bekommen, dass auch sie Veränderungen in ihrem Leben vornehmen müssen, Veränderungen, die Kosten verursachen könnten, die sie nur ungern zahlen möchten.

Ein Prozess der Veränderung geht auch immer mit ein wenig Angst einher, insbesondere wenn es sich um einen großen Wandel handelt. Doch wenn dieser Wandel notwendig ist, sollten unsere Wünsche diesen unbequemen Aspekt, die Komfortzone zu verlassen, überwiegen. Es ist mit Sicherheit von Vorteil, schon im Vorhinein darüber nachzudenken, was andere von unserem Vorhaben denken könnten, wie es sie betrifft.

Jeder Prozess der Verbesserung und der persönlichen Entwicklung wird damit auch zu einer natürliche Selektion der Beziehungen, die wir zu anderen Menschen pflegen. Denn es sind Momente wie diese, in denen die Motivation, dir nahe zu sein und zu bleiben, klar ersichtlich wird. Obwohl dies nicht unbedingt notwendig ist: Sei vorsichtig mit Interpretationen, denn diese sind immer noch deine eigenen Annahmen, die du aus den Informationen kreierst, die dir zur Verfügung stehen – und diese sind selten vollständig.

Die Situationen, in denen dieses „Ich werde fliegen“ stattfinden kann, sind sehr unterschiedlich, ebenso wie die Widerstände, mit denen wir uns konfrontiert sehen. Vielleicht geht es darum, ein bisschen früher ins Fitnessstudio zu gehen und somit die Person, die dieses in der Früh aufschließen muss – die es gewohnt ist, immer fünf Minuten später zur Arbeit zu kommen – zu ärgern, bis hin zum Effekt auf unseren Partner, weil wir uns für einen Kurs angemeldet haben und darum nun später nach Hause kommen und er sich sein Abendessen selbst zubereiten muss.

Der Prozess der Veränderung

Die Veränderung ist ein komplexer Prozess, in dem wir uns oft mit persönlichen Mängeln konfrontiert sehen. Es kommen verschiedene Elemente ins Spiel, wenn wir beschließen, einen Aspekt unseres Lebens zu verändern. Die Selbsterkenntnis ist hierbei ein sehr wichtiger Part. Wir analysieren dabei unsere Qualitäten, sowie auch unsere Schwächen.

Mann mit in den Himmel ausgestreckten Armen

Prozesse der Veränderung und der persönlichen Entwicklung werden häufig durch mehr oder weniger schwere Krisen eingeleitet, die uns dazu veranlassen, einen Sinn in unserem Leben zu finden. Ein „Ich werde fliegen“ ist oft eine Begegnung mit unserem eigenen, begrenzten Glauben. Es zwingt uns, unseren Ängsten ins Auge zu blicken. Dies versetzt die Menschen in unserer Umgebung meist in eine Situation der Unsicherheit, in der sie nicht wissen, inwieweit auch sie von diesem Wandel betroffen sein werden.

In diesen Fällen mögen wir uns auch mit den Projektionen der Ängste unserer Mitmenschen auseinandersetzen müssen. Unser Partner mag Angst davor haben, dass uns auf dem Rückweg nach Hause etwas zustoßen könnte. Wir sprechen hierbei von einer Angst, die mit uns im Zusammenhang steht. Dasselbe gilt auch für die Eltern, deren Sohn ihnen mitteilt, dass er seiner Karriere eine neue Richtung geben wolle. Auf der anderen Seite glauben viele Menschen fälschlicherweise, dass sie sich nicht ändern könnten, und gehen sogar davon aus, dass auch andere dies nicht tun könnten.

Wenn du dich in deinem Leben in einem Moment befindest, in dem du dir eine Veränderung wünschst, in dem du dich überzeugt hast, dass du einen Aspekt an dir selbst verbessern möchtest, dann konzentriere dich genau darauf. Die Menschen in deinem Umfeld können dich unterstützen, oder auch nicht. Dies ist sowohl eine Chance als auch eine Unsicherheit des „Ich werde fliegen“. Wenn sich diese Personen dazu aufgerufen fühlen, Teil deines neuen Leben zu sein, werden sie auch weiterhin an deiner Seite sein, und wenn dies nicht der Fall ist, sind sie eben ein Teil der Veränderung.