Welche Ausreden hast du, um nicht zum Psychologen gehen zu müssen?

6. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Eine Frau will nicht zum Psychologen gehen und vergräbt verzweifelt ihren Kopf in ihrer Hand

Ich muss nicht zum Psychologen gehen, ich bin nicht verrückt.“  Wie oft wurde dieser Satz schon gesagt? Vielleicht hast du ihn in einem Gespräch mit einem Freund oder einer Freundin gehört. Vielleicht hast du ihn auf der Straße vernommen. Die Leute bringen ihn oft als Entschuldigung vor, nicht zu einem Psychologen zu gehen. Und das könnte falscher nicht sein.

Du gehst zu einem Anwalt, um dich in rechtlichen Angelegenheiten beraten zu lassen. Du gehst zum Arzt, wenn du hustest. Warum also nicht einen Psychologen aufsuchen, wenn du bestimmte Situationen nicht bewältigen kannst, gestresst bist oder familiäre Probleme hast?

Es geht dabei nicht nur um psychische Störungen oder Psychopathie. Die Psychologie beeinflusst alle Aspekte des Lebens einer Person. Trotz der Tatsache, dass Menschen psychologische Behandlungen immer mehr schätzen, ist es immer noch ein Tabu, zur Therapie zu gehen. Sie haben endlos viele Ausreden, nicht zum Psychologen zu gehen, was aber sind die häufigsten?

„Ich würde gern, aber ich habe keine Zeit“

Es ist immer Zeit für deine Gesundheit. Und wenn du keine Zeit hast, liegt das daran, dass du sie mit anderen Dingen verbringst, die vielleicht gar nicht so wichtig sind. Experten empfehlen, Zeit in Körper und Geist zu investieren, um die Stimmung zu heben und in alltäglichen Aufgaben mehr zu leisten.

Deshalb ist es sehr nützlich, zu planen und sein Leben zu organisieren. Dies ist besonders wichtig, wenn du Kinder hast. Ein Beispiel: Wenn du zweimal in der Woche einkaufen gehst, versuche, es auf einmal zu reduzieren. Widme dich am nun freien Tag nur dir selbst. Die „eingesparte Zeit“ kannst du in Interessanteres investieren. Du kannst zur Therapie gehen, Sport treiben, ein entspannendes Bad nehmen, lesen, spazieren gehen …

„Ich möchte über intime Dinge nicht mit einem Fremden sprechen“

Wenn du über deine Beziehungsprobleme mit einem Freund sprichst, weißt du, dass er voreingenommen ist. Und weder ist dein Freund ein Psychologe, noch ist der Psychologe nur dazu da, um guten Rat zu geben. Es stimmt zwar, dass ein starkes soziales Netzwerk dich vor bestimmten Störungen schützt. Manchmal reicht es jedoch nicht aus, bei Freunden Dampf abzulassen.

Die Patient-Psychologe-Beziehung ist genau das, was die nötige Objektivität und Professionalität zum Prozess beiträgt. Der Therapeut beurteilt oder tadelt seinen Patienten nicht. Außerdem bewahrt er absolute Vertraulichkeit bei allem, was der Patient mit ihm teilt. Und vor allem bietet er Lösungen an.

Ein Psychologe ist in ein Gespräch mit einer Patientin vertieft

„Ich fühle mich ja nicht jeden Tag so schlecht“

Und das ist auch gut so! Niemand kann 24 Stunden am Tag leiden, auch wenn er in einer besonders schwierigen Lebensphase steckt. Aber die Tatsache, dass ein Problem nicht immer präsent ist, bedeutet nicht, dass es gar nicht da wäre. Es könnte dicht unter der Oberfläche brodeln und nur auf einen Auslöser warten.

Gehst du erst dann zum Arzt, wenn deine Gelenkschmerzen so stark sind, dass du nicht mehr aus dem Bett aufstehen kannst? Wäre es nicht besser, so früh wie möglich zu wissen, dass du Rheuma hast? Du kannst nur behandelt werden, wenn du weißt, woran du leidest. Ist es daher nicht besser, die Ausreden sein zu lassen und endlich zum Psychologen zu gehen? Wenn du deine Angst nicht kontrollieren kannst, musst du lernen, wie du es schaffen kannst. Sollte das der Fall sein, solltest du es besser früher als später tun.

„Die Zeit heilt alle Wunden“

Der Lauf der Zeit hilft dir, die Dinge klarer zu sehen. Das heißt, du kannst deine Probleme aus verschiedenen Perspektiven betrachten und/oder deinen Schmerz verstecken. Leider hat die Zeit selbst keine therapeutischen Eigenschaften.

Tatsächlich sorgt sie manchmal eher dafür, dass die Probleme chronisch werden, anstatt sie aufzuheben. Etwas, das du in ein paar Monaten gelöst haben könntest, quält dich so über Jahre oder gar Jahrzehnte. Du musst eine Lösung finden und darfst die Probleme nicht nur unter den Teppich kehren.

„Ich kann nicht zum Psychologen gehen, weil ich das Geld dafür nicht habe“

Es ist offensichtlich, dass nicht jeder von uns in der gleichen finanziellen Situation ist und sich eine Therapie leisten kann. Dennoch nutzt ein jeder seine Ressourcen für jene Dinge, die ihm wichtig sind. So geben manche Menschen oft mehrere hundert Euro für ein Handy aus. Aber wenn es um die eigene Gesundheit geht, sind sie geizig.

Wenn deine finanziellen Probleme allerdings ernst sind, gibt es einige Non-Profit-Organisationen und NGOs, die kostenlose psychologische Hilfe anbieten. Online-Beratungen sind eine weitere kostengünstige Option für den ersten Kontakt mit einem Experten.

„Ich möchte keine Pillen nehmen“

Die Arbeit eines Psychologen hat sehr wenig mit der Verschreibung von Medikamenten zu tun. Denn seine Arbeit ist im Wesentlichen psychotherapeutischer Natur. Es sind Psychiater, die für die Regulierung der Hormone ihrer Patienten verantwortlich sind. Zu diesem Zweck verschreiben sie bestimmte Pillen wie Psychopharmaka.

Denke jedoch daran, dass Medikamente nicht verteufelt werden sollten. Medikamente sind oft ein grundlegender Bestandteil der Behandlung verschiedener Erkrankungen. Wenn zum Beispiel eines deiner Organe nicht richtig funktioniert, muss für Ausgleich gesorgt werden. Wenn du das nicht tust, kann es deinen Appetit, deinen Schlaf, aber auch deine Gefühle und dein sexuelles Verlangen beeinträchtigen.

„Menschen verändern sich nicht“

Wenn Psychologen das auch so sehen würden, würde der Beruf nicht existieren. Sie würden annehmen, dass Menschen einfach nicht fähig wären, zu lernen oder sich zu entwickeln. Es gibt jedoch nichts, was weiter entfernt von der Wahrheit liegt. Jeder kann sich mit Anstrengung und Ausdauer ändern. Das Einzige, was dir in die Quere kommen könnte, bist du selbst.

Frau umarmt gedankenverloren ein graues Kissen

„Mein Freund hat es versucht und er hat es nicht gemocht“

Jeder von uns hat seine eigenen Erfahrungen und Sichtweisen. Wir haben unsere eigenen Überzeugungen, Werte und Gefühle. Es ist so, wie es unsere Eltern immer gesagt haben, wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Eine Überzeugung, die auf schlechten Erfahrungen anderer basiert, ist keine Überzeugung, sondern ein Vorurteil.

Auf der anderen Seite sind nicht alle Psychologen gut oder ausschließlich am Wohl des Patienten interessiert. Das gilt jedoch für jeden Beruf und bedeutet schlicht, dass nicht alle Psychologen gleich sind.

Was steckt hinter all diesen Ausreden?

All diese Gründe, nicht zum Psychologen zu gehen, sind letztendlich nichts anderes als Scham und Angst. Es ist schade, dass so viele Menschen immer noch negative Vorstellungen davon haben, was es bedeutet, zu einem Psychologen zu gehen. Sie sind mehr darum besorgt, von anderen als „ein Freak“ abgestempelt zu werden. Noch dazu fürchten sich sich vor Schmerz und Leid.

Menschen wollen nicht emotional zur Schau gestellt werden. Daher wollen sie nicht zum Psychologen gehen. Sie haben Angst, Dinge wiederzuerleben, die ihnen Schmerzen bereiteten. Aber oft bemerken sie nicht, dass der Schmerz, vor dem sie fliehen, derselbe ist, wie der, dem sie jeden Tag gegenüberstehen. Weil sie versuchen, diesen Schmerz zum Schweigen zu bringen.

Ist es dir jemals passiert, dass bloßes Reden darüber die Sache selbst erträglicher gemacht hat? Stelle dir vor, wie gut du dich fühlen könntest, wenn du all das einmal herauslassen kannst, was dich all die Jahre gelähmt hat. Dann wirst du zu deinem Psychologen sagen: „Warum bin ich nicht früher gekommen?“

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