Was wie ein Ende erscheint, kann mein schönster Neuanfang sein

· 14. August 2016

Ich werde eine gewisse Anzahl an Jahren auf dieser Erde wandeln und eines Tages werde ich sterben. Das ist höchstwahrscheinlich das Ende meines Lebens, aber bis zu diesem Moment wird jeder einzelne Tag die Geschichte meines Lebens bilden – eine Geschichte, die ich leben will und die aus verschiedenen Kapiteln besteht, die voller Momente, Gefühle und Erfahrungen sind, die irgendwann einmal einen Anfang hatten und ein Ende haben.

Alles beginnt und alles endet. Ich sammle Erfahrungen und jede einzelne ist für mich von Bedeutung, weil sie so lange andauern musste, wie sie musste, um mir etwas beizubringen und um danach wieder zu verschwinden. Das Schlimmste, das ich in diesem Zusammenhang tun könnte und schon immer ahnte, ist, weiterhin daran zu glauben, dass etwas noch immer andauert, wenn es bereits ein Ende gefunden hat. Manchmal gibt es keine andere Option als diese: einen Neuanfang wagen.

Nur wenn ich das Ende akzeptiere, kann ich an einen Neuanfang glauben

Zu verstehen, dass hoffnungslos an etwas festzuhalten keine Möglichkeit darstellt, ist eine der Grundvoraussetzungen, an die ich mich immer erinnert habe. Daher erscheint mir die Annahme angemessen, weil mir genau in dem Moment, in dem ich etwas akzeptierte, klar geworden ist, dass etwas vorbei ist, als ich das Gefühl hatte, dass es mir nichts mehr brachte.

„Es ist noch nichts verloren, wenn man noch den Mut hat, sich zu beschweren, dass alles verloren sei und man von vorn beginnen müsse.“

Julio Cortázar

Goldene Wendeltreppe

Es ist keine Option, zu glauben, dass die Realität nicht so ist, wie sie nun mal ist: Ich zwinge mich dazu, zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die gehen, oder dass ich gehen kann; dass es Umstände gibt, die ich hinter mir lassen muss oder dass sich etwas, das einmal war, nicht wiederholen wird. Anders gesagt, geht es nicht darum, wieder bei Null zu beginnen, sondern zu lernen, sich mit dem jetzigen und dem zukünftigen Ich anzufreunden.

Auch wenn mir das Unverständnis mein Lächeln nimmt, kann ich noch immer lachen

Sobald der Moment gekommen war, etwas ein Ende zu bereiten, hat das Unverständnis dafür bei mir Unsicherheit, Orientierungslosigkeit und Schmerz ausgelöst: Wir alle kennen dieses Gefühl, in einem Labyrinth gefangen zu sein, zwar direkt am Ausgang zu stehen, aber ohne Schlüssel, um die verschlossene Tür zu öffnen und um unseren Weg weiter zu gehen.

In solchen Momenten war meine Sicht, wie bei jedem anderen auch, vollkommen vernebelt und es schien so, als würde sich das Ende ewig hinziehen, ohne wirklich ein Ende zu finden. Ich habe bemerkt – aber auch nur dann, wenn ich auf den Boden der Tatsachen aufgeprallt bin – dass ich die Zügel meines Lebens in die Hand nehmen und mich selbst dazu durchringen muss, dieses unbeendete Ende hinter mir zu lassen.

„Ich bin leicht verletzt, aber ich bin nicht tot.
Ich stützte mich auf, um etwas zu bluten.
Danach stand ich auf, um erneut zu kämpfen.“

John Dryden

Die Fähigkeit der Resilienz gibt uns Halt und hilft uns dabei, uns selbst im Abgrund zu betrachten, um aus dem zu lernen, was wir sehen. Auf diese Weise habe ich entdeckt, dass ich noch immer lachen kann, obwohl das Unverständnis mir schon hin und wieder mein Lächeln genommen hat. Auch wenn alles verloren ist, kann ich mich wieder finden.

Ein Ende kann ein neuer Anfang sein

Margarite auf einer Hand

Nach all den Anstrengungen habe ich meine Enden beendet und mit ihnen meine Vergangenheit überwunden: Ich habe verstanden, dass ein Ende die Möglichkeit ist, einen Neuanfang zu leben. Auch du kannst das. Auch du kannst dich an folgende Worte erinnern, wenn du sie brauchst: Damit ein neuer Tag kommen kann, musst du zuerst die Nacht vorübergehen sehen.

Jeder Tag schenkt die Möglichkeit, der schönste Neustart in jeglichem Bereich deines Lebens zu sein oder weiterhin an dem festzuhalten, was dich glücklich macht. Wir sollten niemals daran zweifeln, dass wir in dunklen Zeiten keine Kräfte sammeln könnten, von denen wir dachten, dass wir sie gar nicht hätten, und wir finden neuen Mut, der sich nur versteckt hatte.

Die Zeit und Geschehnisse gehen Hand in Hand und verändern sich, so wie auch wir Menschen uns verändern. Wir wachsen und lernen aus unseren eigenen Fehlern und aus den Fehlern, die andere in Bezug auf uns machen, wir leben und träumen vom Glück, das wir anhäufen und uns selbst bescheren. Daher kann ein Ende mein oder dein schönster Neuanfang sein.

„Meine Vergangenheit ist keine Erinnerung, sie ist die Kraft, die mich antreibt und mich leitet. Sie weiß nicht, wohin sie mich bringt, aber – wie in jeder anderen Geschichte – braucht die Vergangenheit Bestimmtheit, weil die Vergangenheit der Anfang ist.“

Samus Aran