Was verbirgt sich hinter dem Messie-Syndrom?

3. Juni 2016 en Psychologie 1 Geteilt

Wenn jemand unter dem Messie-Syndrom leidet, bewahrt er alles Mögliche auf, sogar das Bonbon-Papier der Süßigkeit, welche ihm geschenkt wurde, als er vier Jahre alt war. Doch auch alte und abgetragene Kleidung, die nie wieder angezogen wird; Flyer, die er auf der Straße in die Hand gedrückt bekommen hat; kaputte Blumenvasen und Schallplatten, die nie wieder gehört werden. Man könnte meinen, dass es das Ziel des Messies sei, sich umgeben von unbrauchbaren Objekten in einer Wohnung zu verschanzen. Deshalb können sie auch kein „Wegwerf-Verhalten“ entwickeln, um darüber zu entscheiden, was aufgehoben und was weggeschmissen werden kann.

Dieses Problem wäre an sich nicht so schlimm, wenn sich aus diesem Messie-Verhalten keine ernsthaften gesundheitlichen und zwischenmenschlichen Probleme ergeben würden. Das Messie-Syndrom ist ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass mit einer Person etwas nicht stimmt.

„Die Jugend sollte man anhäufen, das Alter gebrauchen.“

Seneca

Die Anzahl der Menschen, die ein Messie-Syndrom aufweisen, ist nicht unbeträchtlich und wird auf insgesamt 4% der Weltbevölkerung geschätzt. Das entspricht ungefähr 300 Millionen Menschen weltweit. Doch wieso horten manche Menschen unbedeutende Dinge und lassen zu, dass sich dadurch ihre Lebensqualität verringert und gehen damit auch noch ein Gesundheitsrisiko ein?

Was ist der Ursprung des Messie-Syndroms?

Messie-Syndrom

Man ist sich noch nicht darüber einig, welche Faktoren zum Messie-Syndrom führen. Doch viele Experten sind der Meinung, dass diese Erkrankung Beachtung finden muss und eventuell nach einer langwierigen Psychotherapie verlangt.

Für Freud steht ein Messie-Verhalten in Zusammenhang mit dem Ausdruck eines „Schließmuskel-ähnlichen Charakters“. Diese Charaktereigenschaft entwickelt sich in den ersten Lebensjahren, wenn die Kontrolle über den Schließmuskel erlernt wird. Das Kind erlangt eine gewisse Kontrolle über seine Eltern, wenn es lernt, aufs Klo zu gehen. In seinem kindlichen Verstand betrachtet es den Stuhlgang als eine Art Geschenk, das es gemäß der Verbindung, die es zu seinen Eltern hat, gibt oder zurückhält. Wenn das Kind es zurückhält, zeigt es gewissermaßen ein aggressives Verhalten seinen Eltern gegenüber, das zwar initial unterdrückt wird, sich aber später, im Erwachsenenalter, durch das Messie-Syndrom oder Habgier ausdrücken kann.

Andere Merkmale weisen darauf hin, dass ein Messie-Syndrom ein defensives Verhalten hinsichtlich vorgestellter Bedrohungen ist. Der Messie ist davon überzeugt, dass er nichts wegwerfen darf, was er später vielleicht noch gebrauchen könnte. Niemand versteht, wie ein unwichtiges und kaputtes Stück Pappe diesem Menschen irgendwann einmal fehlen könnte, doch der Messie ist der Meinung „man weiß ja nie“.  In Wahrheit steckt dahinter ein sehr starkes Gefühl von Unsicherheit gegenüber Veränderungen.

Man vermutet auch, dass das Messie-Syndrom eine Antwort auf ein Trauma sein kann. Vielleicht ist diese Person durch eine Etappe ihres Lebens gegangen, in der sie nichts hatte und sie deshalb nun die Angst verspürt, dass diese Situation wiederkehren könnte.

Es gibt auch Messies, die ihre „Andenken“ als Beweise aufbewahren. Der Hintergrund ist hier ein unbewusstes Schuldempfinden und sie möchten mit diesem nutzlosen Gegenstand etwas in der Hand haben, um ihre Unschuld zu beweisen. In diesem Fall liegt dem Messie-Syndrom ein unbewusstes Bedürfnis, sich einem Test zu stellen, zugrunde.

Charaktereigenschaften von Messies

Malerischer Tiger

Ein Messie ist oftmals auch kaufsüchtig. Wenn er ein Angebot sieht, verspürt er das Gefühl, dieses Produkt sofort kaufen zu wollen, nur wegen der Tatsache, dass es jetzt billiger ist. Und das ganz gleich, ob er es braucht oder nicht.

Charakteristisch für diese Menschen ist auch, dass sie oft alleinstehend sind. Ihre Sucht, alles aufzubewahren, kommt auch daher, dass sie denken, durch Objekte die Leere in ihrem Leben füllen zu können.

Menschen, die Schwierigkeiten dabei haben, sich von unnötigen Sachen zu trennen, erleben diese Trennung als wahrhaften Verlust. Sie verspüren einen regelrechten Schmerz, wenn sie etwas wegwerfen sollen, das für sie Teil ihrer Welt ist.

Wenn das Messie-Verhalten in der Tat in einem Drama endet

Diese Situation kann in einem wahren Drama enden, wie in dem bekannten Fall der Collyer-Brüder. Dieser ereignete sich im Jahr 1947 in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Nachbarn rufen die Polizei, da sie die Brüder eine ganze Zeit lang nicht mehr aus ihrem Haus haben kommen sehen und auch kein einziges Lebenszeichen mehr wahrnehmen konnten. Die Behörden konnten ihr Haus nicht betreten, geschweige denn durch Tür oder Fenster hinein gelangen, da eine riesige Menge an Gegenständen ihnen den Eingang verwehrte.

Letztendlich konnten sie nur durch die Terrassentür das Haus betreten. Dort waren überall so viele Gegenstände vorzufinden, dass es ganze 6 Stunden dauerte, bis sie die erste Leiche gefunden hatten. Der zweite Leichnam wurde sogar erst 18 Tage später gefunden, obwohl er nur einige Meter von seinem Bruder entfernt lag.

Einer der Brüder starb durch das Herabfallen von Tausenden von Büchern und Zeitschriften, die ihn unter sich begruben. Der andere Bruder, der blind und gelähmt war, starb, weil er irgendwann nichts mehr gegessen und getrunken hatte, denn er konnte sich keinen Weg durch die Wohnung bahnen, um auf die Suche nach Wasser und Nahrungsmitteln zu gehen.

Voegel sitzen auf einer Hand

In weniger schlimmen Fällen führt das Messie-Syndrom dazu, dass das Haus oder das Büro in absoluter Unordnung untergehen. Das ist dann aufgrund der mangelnden Hygiene gern ein willkommenes Zuhause für Krabbel- und Nagetiere.

Bisher gibt es keine spezifische Methode, um das Messie-Syndrom zu besiegen, doch es ist unumstritten, dass es sich hierbei um Menschen handelt, die professionelle Hilfe benötigen, um zu erfahren, wieso sie sich von nichts trennen können.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Jennybird Alcantara, Shiori Matsumoto

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