Was spielt sich bei einem Beziehungsbruch in unserem Gehirn ab?

· 8. September 2018

Für unser Gehirn ist ein Beziehungsbruch mehr als qualvoll. Die Wissenschaft hat uns gezeigt, dass nicht das Herz, sondern eine Reihe von Gehirnstrukturen am meisten darunter leiden, die solch eine Enttäuschung oder Trennung als eine Wunde interpretieren, als ein Ereignis, das unser Gehirn nicht richtig zu verarbeiten weiß. Diese neurologische Wunde führt zu körperlichem Schmerz, zu Erschöpfung und fehlender Energie.

Nur wenige Ereignisse haben im Laufe unserer Geschichte so viele Künstler inspiriert wie Beziehungsbrüche. Es gibt unzählige Lieder, Gedichte und Bücher, die sich mit dem gebrochenen Herzen von Künstlern beschäftigen. Jedes einzelne dieser Vermächtnisse, auf die wir so gern und voller Faszination zurückgreifen, um Balsam für unser eigenes gebrochenes Herz zu finden, enthält ein bestimmtes Wort, das beinahe wie ein Leitmotiv wiederholt wird: Schmerz.

„Wie sehr ich mir wünsche, du wärst hier. Wir sind nur zwei verlorene Seelen, die in einem Goldfischglas schwimmen, Jahr für Jahr, immer wieder auf den gleichen alten Pfaden unterwegs.“

Pink Floyd

Ein Beziehungsbruch, Verrat oder eine Trennung sind sehr schmerzlich, das wissen wir. Und diese Tatsache könnte nicht interessanter sein. Wir müssen nicht erst einen Schlag, Kratzer oder eine Verbrennung abbekommen. Denn ein Beziehungsbruch ist wie eine Kombination aus all dem, ohne dass man unsere Haut verletzt. Er ist die Spur, die Leid in all unseren Fasern hinterlässt. Es schmerzt einfach alles, unser gesamter Körper ist erschöpft, eine Welt bricht für uns zusammen und wir geraten in diesen emotionalen Sturm hinein, der weit von unserem Herzen wütet, dem wir für gewöhnlich die Schuld dafür geben.

Das eigentliche Leid entsteht in unserem Gehirn. Nachfolgend möchten wir uns zusammen mit dir ansehen, was sich bei einem Beziehungsbruch in unserem Gehirn abspielt.

Erschöpfter Mann stützt seinen Kopf auf ein Geländer

Was laut der Wissenschaft bei einem Beziehungsbruch in unserem Gehirn passiert

Um darüber Auskunft geben zu können, was nach einem Beziehungsbruch in unserem Gehirn passiert, müssen wir Lieder, Gedichte und Literatur einmal beiseite lassen und direkt in das Universum der Neurowissenschaft eintauchen. Wir sind uns bewusst, dass Liebe und Beziehungsbrüche für viele Menschen nicht im Labor analysiert werden können. Doch so aseptisch und kalt es auf den ersten Blick erscheinen mag, liefert uns gerade dieser Bereich der Wissenschaft die aufschlussreichsten Antworten.

Im Jahr 2011 führte Edward Smith, ein kognitiver Neurowissenschaftler der Columbia University (New York, USA), eine Reihe von Studien und Tests durch, die überraschendere Resultate nicht hätten liefern können. Dank der Fortschritte auf dem Gebiet der Diagnostik und in der Auflösung von MRT-Bildern war es nun möglich, zu sehen, was sich im Gehirn von Menschen abspielt, die gerade einen Beziehungsbruch erlitten haben.

Die Gehirnstrukturen, die am stärksten aufleuchteten, d. h. die mit der größten synaptischen Aktivität, waren die gleichen wie die, die aktiviert werden, wenn wir uns verbrennen. In anderen Worten, der Schmerz ist für das Gehirn real.

Schauen wir uns weitere interessante Daten an.

Die Schuldigen an unserem Schmerz: unsere Neurotransmitter

Warum dauert dieser Schmerz nur so lange an? Warum tut es so weh, uns zu erinnern? Warum ruft uns unser Verstand immer und immer wieder dieses Gesicht, diesen Namen und diese Geschichte, die nun der Vergangenheit angehört, ins Gedächtnis? Die Antwort auf all diese Fragen liefern unsere Neurotransmitter.

  • Wenn wir einen Beziehungsbruch erleben, schaltet der präfrontale Kortex einen Gang zurück. Das heißt, unsere Fähigkeit, Informationen objektiv zu verarbeiten, wird reduziert.
  • Gleichzeitig werden all jene Strukturen aktiviert, die im Zusammenhang mit Zuneigung und Bindung stehen. Hormone, wie Oxytocin und Dopamin, die durch das limbische System reguliert werden, verstärken dieses Bedürfnis, diesen Menschen weiterhin in unserer Nähe zu haben. Diese neuronale Hyperaktivität führt dazu, dass wir versuchen, den Kontakt wiederherzustellen; wir wollen eine neue Chance bekommen und oftmals nicht sehen, was objektiv betrachtet geschieht.
Blaue Neuronen

Unser Gehirn hat Entzugserscheinungen

Für Helen Fisher, die berühmte Anthropologin und Expertin für affektive Beziehungen, ist Liebe ein Motivationssystem, ein Impuls, der dem Gehirn eine Reihe von Belohnungen verschaffen will. Diese Belohnungen reichen von Zuneigung, Intimität, Verbundenheit und Sex bis hin zur Erlösung der Einsamkeit.

Auf diese Weise erlebt das Gehirn bei einem Beziehungsbruch vor allem den Verlust dieser Dimensionen. Und wenn das passiert, gerät es in Panik, weil ihm auf einmal alles fehlt, weil dieses gesamte System, bestehend aus Belohnungen und Sicherheiten, in sich zusammengefallen ist. Daher bekommt es Entzugserscheinungen, was vergleichbar ist mit dem Zustand eines Süchtigen, wenn ihm ein bestimmtes Medikament oder eine bestimmte Droge weggenommen wird.

Bei einem Beziehungsbruch ist physischer Schmerz ein realer Schmerz

Wie eingangs erwähnt, ist ein Beziehungsbruch aus neurologischer Sicht so schmerzhaft wie physischer Schmerz. Wenn uns jemand verlässt, den wir lieben, werden sofort unzählige Stresshormone, wie Kortisol und Adrenalin, freigesetzt. Was bedeutet das genau? Im Grunde genommen, dass aus emotionaler Angst ein physischer Schmerz wird und dass diese chemischen Substanzen viele unserer Funktionen aus dem Gleichgewicht bringen.

Wenn Kortisol das Gehirn erreicht, sendet dieses Signale, um die Blutversorgung der Muskeln zu erhöhen, und schaltet auch sonst auf Alarmbereitschaft. Kontrakturen, Verspannungen, Kopfschmerzen, Brustschmerzen, Schwindel und körperliche Erschöpfung machen sich breit.

Rothaarige Frau liegt erschöpft auf dem Boden

Unser Gehirn reagiert auf einen Beziehungsbruch verängstigt. Diese Erkenntnis zwingt uns in gewisser Weise wieder einmal dazu, die Vorstellung, dass dieses Organ wie ein Computer funktioniere, zu verwerfen. Nichts wird so sehr durch unsere Emotionen bestimmt, wie unser Gehirn. Jede Verbindung, jede Verknüpfung und jeder tiefliegende Bereich unserer faszinierenden Gehirnstrukturen lebt von Gefühlen und wird durch unsere Emotionen angetrieben, die uns letztendlich menschlich machen.

Das menschliche Gehirn liebt die Liebe. Der Verlust dieser Dimension macht ihm Angst und es reagiert, wie wir wissen, sehr intensiv darauf. Aber wenn es eines gibt, dass unser Gehirn par excellence beherrscht, dann ist es die Fähigkeit, wieder in geregelte Bahnen zurückzukommen. Es braucht Zeit, Ruhe und neue Ansätze, aber es wird sich wieder fangen. Wir besitzen die Fähigkeit, uns von allen möglichen unschönen Ereignissen zu erholen, und wenn es uns gelingt, werden wir gestärkt aus ihnen hervorgehen.