Was sind extrapyramidale Symptome?

19. November 2019
Extrapyramidale Symptome könnnen durch die Einnahme von Medikamenten, die die Dopaminrezeptoren blockieren, auftreten oder auch aufgrund von Schädigungen bestimmter Gehirnareale entstehen. In diesem Artikel werden wir diese Symptome genauer betrachten.

Extrapyramidale Symptome sind alle motorischen Probleme, die häufig durch die Einnahme von Antipsychotika auftreten. Grundsätzlich handelt es sich um eine Erkrankung der motorischen Funktionen, die durch die Zerstörung des extrapyramidalen Systems verursacht wird. Dieses System besteht hauptsächlich aus den Basalganglien des Gehirns und der grauen Substanz sowie deren Leitungsbahnen.

Das extrapyramidalmotorische System, kurz auch extrapyramidales System genannt, ist für die Steuerung und Kontrolle der bewussten Bewegungen und der Muskulatur zuständig. Außerdem werden hier auch automatische, instinktive und erlernte Bewegungen verarbeitet. Daher wirst du immer dann, wenn in diesem System eine Störung auftritt, Probleme bei der Bewegung, Dehnung und Körperhaltung bekommen.

Das deutlichste Beispiel der Auswirkungen, die extrapyramidale Symptome verursachen können, ist die Parkinson-Krankheit. Tatsächlich sind alle Symptome, die extrapyramidale Probleme kennzeichnen, gleichzeitig auch Symptome der Parkinson-Krankheit.

extrapyramidale Symptome - Hände

Welche Ursachen haben extrapyramidale Symptome?

Extrapyramidale Symptome treten üblicherweise als Nebenwirkung bei der Einnahme von Antipsychotika auf. Allerdings können sie auch als Folge einer Schädigung bestimmter Gehirnareale entstehen. Die Hauptursache ist eine mangelhafte Regulierung von Dopamin. Dopamin ist der wichtigste Neurotransmitter für unsere motorischen Fähigkeiten.

Antipsychotika oder Neuroleptika blockieren die D2-Dopaminrezeptoren im Gehirn. Dadurch wird die übermäßige Dopaminaufnahme bei Patienten mit einer Psychose verhindert, die andernfalls zu einer Reizüberflutung führen würde. Allerdings kann diese Blockade auch Veränderungen in der Motorik der Patienten bewirken und diese Störungen werden extrapyramidale Symptome genannt.

Viele gängige Antipsychotika verursachen heute extrapyramidale Symptome. Die Medikamente, die besonders für diese Nebenwirkungen bekannt sind, sind Haloperidol und Chlorpromazin. Daher haben die Pharmakonzerne in den vergangenen Jahren alternative Medikamente entwickelt, die diese häufig auftretende Nebenwirkung verhindern sollen.

Die häufigsten extrapyramidalen Symptome

Nachfolgend findest du die häufigsten extrapyramidalen Symptome:

  • Hypokinesie: verlangsamte Bewegungen und Verringerung der Fähigkeit, sich bewusst zu bewegen. Jede Bewegung erfordert eine große Anstrengung, du bewegst dich langsamer und ungeschickter.
  • Hypertonie: Gesteigerte Muskelanspannung. Besonders stark tritt diese in den Extremitäten auf. Einige Menschen leiden auch unter akuter Dystonie, die sich durch Verkrampfungen und Fehlhaltungen der Muskeln im Gesicht, Nacken und der Zunge äußert.
  • Akathisie: Hierbei handelt es sich um eine notorische Unruhe und Agitation, die auch Sitzunruhe genannt wird. Die Betroffenen können einfach nicht still sitzen bleiben.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere motorische Symptome, die als extrapyramidale Symptome bezeichnet werden. Beispielsweise sind dies:

  • Hyperkinesie: unwillkürliche Bewegungen wie Tics, Krämpfe und Zuckungen. 
  • Unwillkürliches, rhythmisches Zittern oder Schütteln. Dies kann beim Liegen auftreten oder wenn der Betroffene für längere Zeit in einer bestimmten Haltung verharrt.
  • Parkinson-Bewegungen. Dabei sind Kopf und Nacken nach vorne gebeugt und auch die Ellbogen, Knie und Handgelenke sind angewinkelt.
  • Amimie: beschreibt das Fehlen einer Mimik, da diese nicht möglich ist. Die Ursache hierfür ist eine versteifte Gesichtsmuskulatur.
  • Abnormer Gang: üblicherweise ist dieser Gang gekennzeichnet durch kurze Schritte und das Fehlen der Armbewegungen beim Laufen. Daher haben Menschen, die unter diesem Symptom leiden, Probleme damit, ihr Gleichgewicht zu halten.
  • Fehlende Haltungsreflexe und Unfähigkeit, schnelle, automatische Bewegungen auszuführen.
  • Außerdem können die Betroffenen Probleme beim Schreiben haben und unter Sprechstörungen leiden.
extrapyramidale Symptome - Hand auf einer anderen Hand

Extrapyramidale Symptome: Behandlung

Wenn eine schnelle Behandlung der Symptome erforderlich ist, dann wird dir dein Arzt vermutlich Anticholinergika und Dopaminergika verschreiben. Grundsätzlich erfolgt die Behandlung extrapyramidaler Symptome aber durch das Absetzen der Medikamente, die ursächlich für das Auftreten der Symptome waren.

Wenn du typische Antipsychotika einnimmst, dann wird dir dein Arzt in der Regel ein anderes Medikament verschreiben, welches weniger Nebenwirkungen verursacht.

Allerdings ist es noch besser, das Auftreten extrapyramidaler Symptome bei der Einnahme von Antipsychotika generell zu verhindern. Dies kann durch eine genaue Kontrolle der Dosierung erreicht werden. Sobald sich dann erste Symptome zeigen, solltest du deinen Arzt informieren, damit durch Anpassung der Dosierung oder Änderung des Medikamentes weitere Symptome vermieden werden können.

Zur Behandlung der Verspannungen im Gesicht und der Veränderungen motorischer Funktionen kann Physiotherapie sehr hilfreich sein. Besonders wichtig ist Physiotherapie auch dann, wenn extrapyramidale Symptome aufgrund von Hirnschäden oder Schädigungen der extrapyramidalen Bahnen auftreten, denn sie trägt wesentlich zur Rehabilitation der Patienten bei und verbessert dadurch auch ihre Lebensqualität.

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