Was sind außerkörperliche Erfahrungen?

13. Februar 2020
Stelle dir vor, dass du eine außerkörperliche Erfahrung hast und dich so sehen kannst, wie andere dich sehen. Außerkörperliche Erfahrungen sind ein wirklich unglaubliches Phänomen. Erfahre mehr darüber in unserem heutigen Artikel!

Außerkörperliche Erfahrungen (AKE) umfassen mehrere Phänomene, die sehr fantastisch und gleichermaßen komplex sind. Stelle dir vor, dass du aus deinem Körper schwebst; genau so fühlt sich das an. Die Erklärungen für diese Phänomene waren lange Zeit sehr mystisch und spirituell. Allerdings wissen wir heute, dass sich alles in unserem Gehirn abspielt.

Darüber hinaus sind außerkörperliche Erfahrungen Wahrnehumgsphänomene, bei denen auch illusorische Bewegungserfahrungen auftreten können. Wir können beispielsweise fliegen, fallen, schweben und uns selber von außen betrachten. All diese dissoziativen Erfahrungen hängen mit neurologischen und psychologischen Faktoren zusammen und können sowohl bei gesunden als auch bei kranken Menschen auftreten.

Arten außerkörperlicher Erfahrungen

Wir können bei diesem Phänomen zwei Arten von Erfahrungen unterscheiden, die genau definierte Merkmale haben:

  • Sensorische Erfahrungen. Die Gefühle des Fallens oder Schwebens werden durch eine Unterbrechung der Integration körperlicher Empfindungen, die mit dem vestibulären System zusammenhängen, verursacht.
  • Autoskopische Erfahrungen. Bei diesen Erfahrungen siehst du deinen eigenen Körper aus der Perspektive eines Außenstehenden.

Warum haben wir außerkörperliche Erfahrungen?

außerkörperliche Erfahrungen - Frau im Regen

Außerkörperliche Erfahrungen werden oft mit veränderten Bewusstsseinszuständen in Zusammenhang gebracht. Daher vergleichen viele Autoren dieses Phänomen mit dem charakteristischen Zustand extrem phantasievoller Träume.

Darüber hinaus erfolgt bei diesem Prozess eine anormale multisensorische Integration, bei der sich der Betroffene über diesen Zustand bewusst ist. Aus diesem Grund sind das vestibuläre, motorische und sensorische System auch für eine Schwangerschaft von entscheidender Bedeutung.

“Sende diese Bilder von mir über das Internet ins Universum, wo ich meine außerkörperliche Erfahrung fortsetzen werde.“

-David Cronenberg-

Systeme, die an diesem Phänomen beteiligt sind

  • Vestibuläres System. Die Rezeptoren dieses Systems befinden sich im Innenohr. Sie sind dafür verantwortlich, stabile Bilder auf der Netzhaut zu erzeugen, was eine grundlegende Fähigkeit zur Erhaltung des Gleichgewichts darstellt.
  • Motorisches System. Bei außerkörperlichen Erfahrungen führt das Gehirn die entsprechenden Bewegungsprogramme auf der dissoziativen Ebene aus, obwohl sich die Person tatsächlich nicht bewegt.
  • Sensorisches System. Dieses System ist wie ein Motor und befindet sich im Parietallappen. Viele Autoren behaupten, dass außerkörperliche Erfahrungen lediglich ein selbst wahrgenommenes Bild deines Körpers ist.

Störungen und Phänomene, die außerkörperliche Erfahrungen verursachen können

Wenn in einem der oben genannten Systeme Veränderungen auftreten, erhöht sich dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass du außerkörperliche Erfahrungen erleben könntest. Darüber hinaus können durch Schlafstörungen, Drogenmissbrauch oder Hirnverletzungen die optimalen Voraussetzungen für das Auftreten dieser Phänomene entstehen.

Unter den Phänomenen, die während des Schlafes auftreten, möchten wir die folgenden besonders hervorheben:

  • Hypnagogische und hypnopompische Halluzinationen. Das sind lebendige und verwirrende Bewusstseinszustände, die zu Beginn oder am Ende der Schlafphase auftreten können.
  • Schlafparalyse.  Hierbei tritt eine Desynchronisation der Extremitäten und der motorischen Funktionen auf, wodurch die multisensorische Verabeitung des Körpers verändert wird. Daher bekommst du das Gefühl, dass du außerhalb deines Körpers schweben würdest.
  • Luzide Träume (Klarträume). Wenn du Klarträume hast, bist du bei Bewusstsein, während du schläfst. Daher kannst du in diesem Zustand deine Träume teilweise sehr klar und mit präzisen Details steuern.
  • Schneller Augenbewegungsschlaf (REM-Schlaf). Während dieser Phase ist dein Gehirn noch aktiv, so als wärst du wach. Daher treten häufig Tagträume auf. In elektrophysiologischen Studien fanden Wissenschaftler heraus, dass die drei zuvor beschriebenen Situationen hauptsächlich während dieser Schlafphase auftreten.

Ist es möglich, eine außerkörperliche Erfahrung willentlich herbeizuführen?

Viele Jahrhunderte wurden diese Erfahrungen als paranormale Erlebnisse angesehen. Da unsere Vorfahren nicht das notwendige Wissen hatten, um diese Phänomene zu studieren, ist dies nicht weiter verwunderlich. Heutzutage wissen wir, dass dieses Phänomen auf eine Verzerrung des eigenen Körperbildes zurückzuführen ist, die mit kognitiven Prozessen wie Gedächtnis, Selbstwahrnehmung und Imagination zusammenhängt.

Außerkörperliche Erfahrungen und Fantasie

Für außerkörperliche Erfahrungen gibt es aber nicht nur organische Ursachen. Darüber hinaus stehen auch einige psychologische Faktoren in engem Zusammenhang mit diesem Phänomen. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Persönlichkeit. Einige Studien haben gezeigt, dass diese Erfahrungen häufiger bei Menschen auftreten, die sehr viel Fantasie haben und offener sind. Daraus lässt sich schließen, dass außerkörperliche Erfahrungen auch durch Suggestionen und Persönlichkeitsmerkmale hervorgerufen werden können.

Künstliche Induktion

Darüber hinaus kann dieses Phänomen auch künstlich erzeugt werden. Die wirksamsten Techniken hierfür sind folgende:

  • Induktion von  Gehirnfrequenzen. Es ist möglich, durch binaurale Beats eine Theta-Wellen-Aktivität zu induzieren. Diese Beats sind charakteristisch für den Zustand zwischen Schlaf und Wachheit.
  • Transkranielle Magnetstimulation. Sie erfolgt durch die Stimulation der Temporallappen, wie sie auch im Persinger-Experiment durchgeführt wurde. Die Hyperkonnektivität, die zwischen den Lappen entsteht, führt dazu, dass das räumliche Empfinden des „Ich“ in der rechten Hemispäre in die sprachliche Empfindung des „Ich“ in der linken Hemisphäre eingreift.
  • Direkte Stimulation. Darüber hinaus haben Forscher in einigen Experimenten diese Erfahrungen durch direkte Stimulation des vestibulären und motorischen Kortex hervorgerufen.
  • Elektrische Stimulation des temporoparietalen Übergangs. Wie schon im Arzy-Experiment gezeigt, führt die Stimulation des Bereiches, in dem zahlreiche multisensorische Prozesse verarbeitet werden, zu Fehlern in der Selbstwahrnehmung.
  • Sensorische Deprivation. Desorientierung kann veränderte Bewusstseinszustände auslösen, in denen mentale Bilder übermäßig realistisch wirken, weil dir der Bezug zu Raum und Zeit fehlt.

Außerkörperliche Erfahrungen und Meditation

außerkörperliche Erfahrungen - meditierende Frau

Dieses Phänomen tritt normalerweise in Zuständen auf, in denen die Gehirnaktivität derjenigen im Schlaf ähnelt, die Person aber gleichzeitig bei Bewusstsein ist. Darüber hinaus haben Forscher herausgefunden, dass es Menschen, die regelmäßig meditieren, wesentlich leichter fällt, diese Erfahrungen zu machen. Dieser Zustand wird auch Astralprojektion genannt. Daher breiten sich Theta-Wellen normalerweise in Zuständen extremer Entspannung aus, beispielsweise während der Meditation.

Die Beteiligung von Spiegelneuronen

Die Autoren Jalal und Ramachandran gehen davon aus, dass das Spiegelneuronen-System so verbunden ist, dass es virtuelles Sehen in der dritten Person erlaubt. Daher reagieren Spiegelneuronen, sobald wir sehen, dass eine andere Person etwas tut und verbinden uns mit unseren höheren Zentren, um es zu antizipieren oder nachzuahmen, auch wenn wir dies nur symbolisch tun.

Die Verbindung dieser Neuronen mit der Großhirnrinde und den afferenten Nervenbahnen führt bei sensorischen Störungen dazu, dass wir uns „vom Körper getrennt“ fühlen.

Ein psychobiologisches Phänomen

Außerkörperliche Erfahrungen hängen mit nervösen und motorischen Systemen, kognitiven Funktionen und Persönlichkeitsmerkmalen zusammen. Darüber hinaus ist dies ein Phänomen, das unter bestimmten Umständen auch pathologisch sein kann.

Außerdem solltest du bedenken, dass diese Erfahrungen nicht unbedingt gesund sind und manchmal sogar gefährlich sein können, da sie in engem Zusammenhang mit psychotischen Krisen stehen.

Weil Menschen dieses Phänomen mit dem Paranormalen in Verbindung bringen, wurde viele Jahre nicht darüber gesprochen. Betroffene wollten nicht als psychisch instabil angesehen werden. Daher ist das Verständnis der wirklichen Ursachen dieses Phänomens ein wichtiger Schritt, um es korrekt zu behandeln.