Was Kinder brauchen

· 23. Juni 2018

Wir können und sollten nicht aufhören, auf die Zukunft zu schauen und an die Welt zu denken, die zukünftige Generationen erleben werden. Sie werden die Lasten unserer heutigen Entscheidungen tragen müssen. Ihre Arbeit wird die Gesellschaft erhalten, wenn wir in Rente gehen. Die Kinder von heute sind die Erwachsenen von morgen. Deswegen sollten wir uns heute Gedanken machen, was Kinder brauchen, um in Zukunft dieser Aufgabe gerecht zu werden, die wir ihnen auferlegen.

Es ist absolut normal, dass wir uns darüber Sorgen machen, wie wir unsere Kinder großziehen. Die Welt verändert sich und auch die Normen unterstehen einem stetigen Wandel. Genau wie Spielzeuge, Interessen, Sorgen und Ziele entwickelt sich auch die Art und Weise, wie wir unsere Kinder erziehen. Sie ändert sich mit jeder Generation.

Zum Beispiel glauben wir heute nicht mehr, dass eine physische Bestrafung eine angemessene Art der Disziplinierung wäre. Damit wurde die körperliche Gewalt in Kinder- und Klassenzimmern beendet. Dies haben wir geschafft, indem wir Eltern und Lehrern andere Methoden an die Hand gegeben haben, mit deren Hilfe sie ihre Autorität durchsetzen können. Das Kräftegleichgewicht hat sich so allerdings zugunsten der Schüler verschoben. Durch ihre unschuldige Ignoranz, die ihnen als Kind auch einfach zusteht, haben sie manchenorts zu viel Macht bekommen.

Ein Kind läuft den Berg herunter und zieht einen Nebel in Regenbogenfarben hinter sich her.

Was wollen wir für unsere Kinder?

Es ist nicht lange her, da habe ich im Internet gesurft und stieß auf das Foto eines Platzes. Es war kein besonders schönes Foto und es wurde auch nicht von einem professionellen Fotografen gemacht. Es wirkte eher so, als sei es zufällig entstanden. Das Interessante an dem Foto war das, was es eingefangen hatte. An einigen Laternenpfählen waren Verbotsschilder angebracht, mehrere übereinander. Sie verboten Ballspiele, Fahrräder und Rollschuhe. Ich habe mich gefragt, warum sie nicht gleich Kinder an sich verboten haben. Das wäre wesentlich komfortabler und wirtschaftlicher gewesen, anstatt auf mehreren Schildern die einzelnen Dinge zu verbieten, die Kinder nun einmal tun.

Kurze Zeit später wurde ich Zeuge der folgenden Szene. Es war später Nachmittag. Eine Mutter und ein Vater gingen entspannt durch den Park und schoben ein ruhiges Kind in einem Kinderwagen vor sich her. Plötzlich fing das Kind an zu weinen. Wir wissen ja, dass Kinder das eben tun und wir alle haben das als Kinder auch getan, nur erinnern wir uns heute nicht mehr daran. Die Strategie der Eltern war eindeutig. Der Vater nahm sein Handy aus seiner Hosentasche und das Kind nahm es an, als hätte es das schon erwartet und beruhigte sich. Ist es das, was Kinder brauchen?

Ich dachte mir, man hätte dem Kind auch ein Stück Seife in den Mund legen können. Früher hätte man den „guten alten Schlag“ angewandt und das Ergebnis wäre das gleiche gewesen. Das Kind wäre nämlich von seinem aufgeregten Zustand in einen passiven übergegangen. Damit wäre auch damals der Frieden der Eltern wieder hergestellt gewesen. Wir wissen alle, dass Kinder sehr liebenswert sein können. Aber genauso können sie wirklich nervig und unruhig sein und die Geduld des geduldigsten Erwachsenen auf die Probe stellen.

Was Kinder brauchen sind Geschichten, z. B. Der kleine Prinz.

Was Kinder brauchen ist Geduld

Warum habe ich von diesen beiden Situationen erzählt? Weil sie zeigen, dass wir das, was wir für die Zukunft unserer Kinder wollen, im Kontrast zu dem steht, was wir heute dafür tun. Wir wollen, dass unsere Kinder kreativ sind. In der Schule wird ihnen aber nur beigebracht, wie sie das wieder ausspucken, was ihnen der Lehrer zuvor erzählt hat. Wir wollen, dass unsere Kinder gesund sind, aber es geht uns auf die Nerven, wenn sie an regnerischen Tagen durch die Pfützen springen wollen. Neugierig sollen unsere Kinder ebenfalls sein, aber wir geben uns keine Mühe, ihre Fragen zu beantworten. Etwas mehr Anstrengung unsererseits ist das, was Kinder brauchen, um zu den Kindern zu werden, die wir haben wollen.

Es ist schlimm, wenn Kinder in ihrer Freizeit keinen Plan haben. Genauso schlimm ist es, wenn Kinder nicht mit ihren Eltern spielen wollen und sie lieber in Ruhe lassen, wenn sie nach Hause kommen. Und wie schlimm ist es erst, wenn Kinder nicht mit Staunen auf den Regen oder den Schnee schauen und nicht damit spielen wollen. Komfortabel ist schlecht. Sie dazu zu zwingen, Seife zu essen, sie anzuschreien und sie zu schlagen, ist schlecht. Ihnen zu verbieten, auf Plätzen zu spielen, ist der falsche Weg. Stattdessen sollten wir unseren Kindern zeigen, wie sie den Platz zum Spielen nutzen können und trotzdem den Raum der anderen Menschen auf dem Platz zu respektieren. Es ist schlimm, dass der Nachbar, der an allem etwas auszusetzen hat, nicht mit dem geringsten Ärger zurechtkommt.

Was Kinder brauchen, ist Disziplin und Grenzen. Aber am allermeisten brauchen sie Geduld und Verständnis. Deshalb müssen wir diejenigen sein, die denken, und die Kinder können diejenigen sein, die Fußball spielen, Fahrrad oder Rollschuhe fahren.