Was ist positive Erziehung und was sind ihre Vorteile?

Die positive Erziehung fördert Verantwortungsbewusstsein und Respekt. Sie basiert auf Empathie, Zuneigung und Gewaltlosigkeit.
Was ist positive Erziehung und was sind ihre Vorteile?
Elena Sanz

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz.

Letzte Aktualisierung: 09. Januar 2023

Kinder können ganz schön anstrengend sein und die Erziehung ist oft nicht einfach. Es gibt jedoch viele Methoden und Werkzeuge, die den Alltag vereinfachen und es möglich machen, verantwortungsbewusste und respektvolle Kinder heranzuziehen. Die positive Erziehung hilft dir, ruhig und verständnisvoll zu reagieren, um dein Kind Schritt für Schritt in Richtung Selbstständigkeit zu begleiten.

Es gibt kein Patentrezept, mit folgenden Tipps kannst du jedoch die Familienharmonie fördern und dein Kind zu Selbstdisziplin, Zusammenarbeit und Verantwortung erziehen.

Vater, der seine Tochter umarmt, praktiziert positive Erziehung

Was ist positive Erziehung?

Positive Erziehung ist ein Erziehungsstil, der auf eine starke Bindung aufbaut, um verantwortungsbewusste und respektvolle Menschen zu erziehen. Die Eltern konzentrieren sich darauf, was das Kind tun soll, nicht auf jene Dinge, die es nicht tun soll, denn das Kind soll Selbstdisziplin entwickeln und sich auf seinem Weg in die Selbstständigkeit geborgen fühlen.

Dieses Erziehungsmodell unterscheidet sich stark von dem autoritären Erziehungsstil früherer Generationen, bei dem Gehorsam und Passivität erwartet wurde. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es keine Grenzen oder keine Disziplin gibt. Allerdings werden Machtkämpfe vermieden, die sich negativ auf die Bindung auswirken.

Positive Erziehung: die wichtigsten Ziele

Zu den wichtigsten Elementen der positiven Erziehung gehören folgende:

  • Starke emotionale Bindungen zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern
  • Ein strukturiertes Umfeld mit angemessenen Routinen und Grenzen
  • Stimulation der Fähigkeiten und Fertigkeiten des Kindes
  • Anwesenheit, Aufmerksamkeit und gemeinsame Qualitätszeit
  • Anerkennung des Kindes als eigenständige Person, Anerkennung seiner Meinungen, Interessen und Bedürfnisse
  • Stärkung des Selbstvertrauens, des Selbstwertgefühls und der Sicherheit des Kindes
  • Gewaltlose Erziehung, in der es keinen Platz für physische oder psychische Bestrafung gibt. Unangemessenes Verhalten von Kindern wird durch gewaltfreie und nicht erniedrigende Konsequenzen korrigiert (z. B. indem sie dazu ermutigt werden, nachzudenken und Wiedergutmachung zu leisten).
Mutter praktiziert positive Erziehung

Die positive Erziehung und ihre Vorteile

Kinder wachsen durch positive Erziehung mit einer intelligenten Kombination aus Zuneigung, Bedingungen und Grenzen auf. Sie fühlen sich beschützt, geliebt, akzeptiert und leistungsfähig. Es ist wahrscheinlicher, dass sie ein gutes Selbstwertgefühl haben und in der Lage sind, auch anderen kluge Grenzen zu setzen.

Ferner bringt eine positive Erziehung auch Vorteile für die Eltern. Kein Elternteil sieht es gerne, wenn sich sein Zuhause in ein Schlachtfeld verwandelt, wenn er seine Kinder zum Gehorsam zwingen muss, wenn er mit ihnen Machtkämpfe austragen oder Strafen verhängen muss. Dieser Ansatz führt zu gesünderen und harmonischeren Familienbeziehungen, reduziert Konflikte, erhöht das Vertrauen und stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kindern.

Beispiele für positive Erziehung

Um besser zu verstehen, wie die positive Erziehung im Alltag aussieht, betrachten wir anschließend einige Beispiele:

  • Bei Konflikten, Problemen oder Entscheidungsfindungen in der Familie kommen Eltern und Kinder zusammen, um zu diskutieren und die beste Lösung zu finden. In diesem Fall wird jedem mit Respekt zugehört und jede Meinung wird berücksichtigt. Die Familie trifft so Vereinbarungen, die für alle von Vorteil sind.
  • Die Eltern beteiligen sich aktiv am Schulleben ihrer Kinder und fördern ihren Bildungsprozess.
  • Bei Fehlern ermutigen sie ihr Kind, Wiedergutmachung zu leisten, anstatt auf eine physische oder psychische Strafe zurückzugreifen. Es muss lernen, sich zu entschuldigen und seine Tat aufrichtig zu bereuen.
  • Die Eltern nehmen sich Zeit für Aktivitäten mit ihren Kindern. Diese Zeit sollte qualitativ hochwertig sein und nicht durch andere Menschen oder Aufgaben unterbrochen werden. Das Ziel ist es, etwas zu tun, das sowohl den Eltern als auch den Kindern Spaß macht.

10 Tipps zur Förderung positiver Erziehung

Zum Schluss noch eine Liste mit Tipps, die von der NGO Save The Children herausgegeben wurde, um eine positive Elternschaft  zu ermöglichen:

  1. Kinder haben das Recht auf angemessene Betreuung und Beratung.
  2. Bildung und Erziehung sollten auf Wissen, Schutz und Dialog beruhen.
  3. Die Bindung ist wichtig und sollte immer gepflegt und aufrechterhalten werden.
  4. Zuneigung muss offen gezeigt werden, damit Kinder sich geliebt fühlen.
  5. Regeln und Grenzen sind wichtig, denn sie geben Kindern Struktur und Sicherheit.
  6. Kinder sollten aktiv in die Entscheidungsfindung in der Familie einbezogen werden, damit sie sich verantwortlich fühlen, aber auch angehört und wertgeschätzt werden.
  7. Sie müssen in die Grenzen gewiesen werden, wenn sie sich falsch benehmen, aber ohne sie zu bestrafen.
  8. Schlagen, Beleidigen, Bedrohen oder Anschreien sind weder effektiv noch geeignet, um Kinder zu erziehen.
  9. Konflikte sollten ohne Gewaltanwendung gelöst werden.
  10. Damit es den Kindern gut geht, muss es den Eltern gut gehen.

Abschließend betonen wir, dass es so viele Erziehungsstile gibt, wie Familien, auch wenn sich die Optionen in der Regel in Abhängigkeit von verschiedenen Parametern auf einige wenige reduzieren. In Wirklichkeit entsteht der Erziehungsstil Tag für Tag, in der ständigen Interaktion zwischen Eltern und Kindern, und es liegt an jeder Familie, das Modell zu wählen, das ihren Bedürfnissen am besten entspricht.

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