Erziehungstipps: Kinder brauchen klare Grenzen und Regeln

Grenzen zu setzen, ist eine Herausforderung für Eltern. Erfahre heute, warum klare Grenzen und Regeln so wichtig sind und wie du sie definieren kannst.
Erziehungstipps: Kinder brauchen klare Grenzen und Regeln

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 14. November 2022

Klare Grenzen und Regeln sind nicht nur für ein harmonisches Zusammenleben, sondern besonders für die gesunde Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung. Regeln schützen Kinder vor möglichen Gefahren und fördern das soziale Miteinander. Es ist allerdings nicht immer einfach, die Grenzen zu definieren, außerdem ist ein gewisser Spielraum wichtig. Viele Eltern stellen sich die Frage: Muss ich immer konsequent sein oder sind Ausnahmen möglich?

Grenzen setzen erfordert Strenge und Flexibilität, Zuneigung und Disziplin, Dialog und Erklärungen. Besonders wichtig ist jedoch auch, mit gutem Beispiel voranzugehen und dich selbst an Grenzen und Regeln zu halten. Klare Grenzen geben deinem Kind Sicherheit und vermitteln ihm Werte, die ihm im Erwachsenenalter helfen werden, selbstsicher und durchsetzungsstark aufzutreten und seinen eigenen Weg zu finden.

Klare Grenzen: Bis hier und nicht weiter

Grenzen sind all jene roten Linien, die nicht überschritten werden dürfen. Sie schützen das Kind auf physischer und psychischer Ebene, geben ihm Halt sowie Sicherheit und bewahren seine Gesundheit. Kinder lernen auf diese Weise, ihre eigenen Bedürfnisse und die anderer Menschen wahrzunehmen und können so einen guten Umgang mit ihrem Umfeld erreichen.

Innerhalb der Grenzen kann sich das Kind frei bewegen, experimentieren und spielen. Es handelt sich um einen gesunden Rahmen, mit dem das Kind lernt, was falsch und richtig ist. Regeln strukturieren den Alltag und das Kind versteht dadurch seine Realität besser.

Eltern müssen klare Grenzen definieren
Grenzen geben Kindern Halt und Sicherheit. Gleichzeitig lernen diese damit, was richtig und falsch ist und die Kinder können ihr Verhalten entsprechend anpassen.

Klare Grenzen sind:

  • Konsequent: Sie geben dem Kind Sicherheit und bieten ihm Schutz.
  • Positiv: Konzentriere dich darauf, dem Kind zu sagen, was es tun kann oder soll, anstatt ständig von Verboten zu sprechen.
  • Partizipativ: Ermögliche es deinem Kind, an der Definition der Grenzen mitzuwirken. Das Kind fühlt sich somit verantwortlich und wird sich mehr bemühen, sich daran zu halten.
  • Konkret: Die Anweisungen müssen klar und deutlich sein, damit das Kind sie verstehen kann. “Brav sein” ist nicht konkret und vielseitig interpretierbar. Wenn du deinem Kind sagst, dass es in einer bestimmten Situation nicht sprechen darf, wird es das besser verstehen.
  • Optional: Hier geht es darum, dem Kind verschiedene Möglichkeiten anzubieten, die sich innerhalb der Grenzen befinden. Ein Beispiel: “Möchtest du lieber die grüne oder die rote Hose? oder “Gehen wir sofort oder in einer halben Stunde?”
  • Respektvoll: Es geht darum, das Verhalten zu modulieren, ohne die Gefühle des Kindes einzuschränken oder zu verletzen. Die Grenzen dürfen das Selbstwertgefühl des Kindes nicht beeinträchtigen und nicht demütigend sein. Das Kind muss wissen, dass deine Liebe zu ihm unverändert bleibt, es braucht das Gefühl bedingungsloser Akzeptanz.

Kinder brauchen Zeit, um die Grenzen zu verinnerlichen und die Konsequenzen des Nichteinhaltens zu verstehen. Die Eltern benötigen deshalb Geduld und viel Verständnis.

Klare Regeln für ein harmonisches Miteinander

Regeln sind grundlegend, um den Alltag zu strukturieren und zu organisieren. Kinder lernen auf diese Weise jedoch auch, ihre eigenen Bedürfnisse und die anderer zu respektieren. Regeln sind nicht so einschränkend wie Grenzen und lassen Verhandlungen zu, modulieren jedoch auch das kindliche Verhalten. Jedenfalls sind Regeln flexibler als Grenzen, da sie nicht dem Schutz der Integrität des Kindes dienen, sondern für ein respektvolles Miteinander wichtig sind.

Mit Regeln lernen Kinder, was sich die Gesellschaft erwartet und was sie selbst zu erwarten haben, wenn sie sich auf die eine oder andere Art benehmen. Sie lernen auch, auf andere Rücksicht zu nehmen und ihre Bedürfnisse zu respektieren.

“Kinder sind normalerweise eher bereit, Regeln zu befolgen, wenn sie sehen, dass sie alle betreffen.”

Patti Cancellier

Wie du klare Grenzen und Regeln setzen kannst

Folgende Tipps können dir im Alltag helfen, um ein respektvolles und harmonisches Miteinander zu fördern:

  • Grenzen und Regeln müssen von allen Familienmitgliedern befolgt werden. Sie sollten Respekt gegenüber anderen und dir selbst gegenüber vermitteln. 
  • Kinder müssen lernen, dass Freiheit mit Verantwortung einhergeht: Sie müssen die Konsequenzen ihrer Handlungen und Entscheidungen tragen.
  • Die Grenzen müssen die Grundbedürfnisse des Kindes respektieren.
  • Weniger ist mehr: Versuche, möglichst wenige Grenzen zu setzen, damit es für dein Kind leichter ist, diese zu respektieren.
  • Die Regeln und Grenzen sollten einfach, spezifisch, bekannt und für alle gleich sein.
  • Auch Flexibilität ist wichtig: Die Grenzen und Regeln müssen an das Alter des Kindes angepasst werden. Die Bedürfnisse verändern sich, deshalb müssen sich auch die Regeln verändern.
  • Regeln funktionieren meist nicht gut, wenn sie nur verwendet werden, um Autorität zu erlangen.
  • Du benötigst Geduld und musst die Regeln meistens öfter wiederholen. Vergiss nicht, dass Kinder impulsiv sind, da ihr präfrontaler Lappen noch nicht vollständig entwickelt ist.
  • Verwende eine positive Sprache: Ersetze “nicht rennen” durch “langsam”; “kein Spielzeug werfen” durch “wenn du Spielzeug wirfst, kann es kaputtgehen“. Dein Kind kann die Regeln und Grenzen so besser verinnerlichen und respektieren.
Mutter spricht mit Sohn über klare Grenzen und Regeln
Regeln sind flexibler als Grenzen. Sie können gemeinsam vereinbart werden.

Klare Grenzen setzen, um Frustration zu vermeiden

Grenzen sind Schutzbarrieren, Stoßdämpfer und Filter, die notwendig sind, um Risiken zu reduzieren und das Verhalten des Kindes zu modulieren. Kinder sind launisch, wenn sie nicht lernen, richtig mit ihren Gefühlen umzugehen und Regeln zu beachten. Sie müssen eine gesunde Frustrationstoleranz entwickeln, anstatt mit Wutanfällen ihre Wünsche durchzusetzen.

Kinder müssen lernen, dass sie nicht “jederzeit immer alles” haben können. Wenn Erwachsene die Launen ihrer Kinder tolerieren, tun sie diesen damit nichts Gutes. Grenzen geben Kindern auch die Möglichkeit, nachzudenken, die Initiative zu ergreifen und selbst Lösungen zu suchen. Dies fördert die Entwicklung der Identität und Selbstständigkeit.

Klare Grenzen und Regeln verdeutlichen dem Kind, dass nicht immer alle Wünsche erfüllt werden können. Sie geben ihm gleichzeitig Sicherheit und Schutz und ermöglichen ein gesundes Miteinander.

“Jede unnötige Hilfe ist ein Hindernis für die Entwicklung.”

Maria Montessori


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  • Bosa Estepa, G. A., Bulla Carrillo, H. E., & Cordoba Vargas, L. D. (2018). Pautas de crianza con amor y límites (Doctoral dissertation, Corporación Universitaria Minuto de Dios).
  • Durán, C. M., & EP, E. (2009). Normas y límites. Innovación y Experiencias Educativas22.
  • López Sánchez, P. (2003). Los límites y la sobreprotección. Aula libre.
  • Wild, R. (2011). Libertad y límites. Amor y respeto: Lo que los niños necesitan de nosotros. Herder Editorial.

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