Was ist das Messie-Syndrom?

· 25. Juli 2018

Wahrscheinlich hast du schon vom Vermüllungssyndrom gehört. Menschen mit dieser Störung kennzeichnen sich durch Selbstvernachlässigung, soziale Isolation und häusliche Enge. Es stellt sich also heraus, dass das Messie-Syndrom mit dem Vermüllungssyndrom verwechselt werden könnte – aber sie sind nicht dasselbe. Der Hauptunterschied besteht darin, dass Menschen mit dem Vermüllungssyndrom mehr Probleme haben, als die Ansammlung nutzloser Dinge. Sie sammeln auch Müll und Abfall und kümmern sich nicht mehr um eigene Belange; sie lassen sich fallen.

Einer Person mit dem Messie-Syndrom fällt es sehr schwer, ihre Besitztümer wegzuwerfen oder sich anderweitig von ihnen zu trennen. Der tatsächliche Wert dieser Besitztümer spielt dabei keine Rolle. Es könnte sich um Gegenstände mit geringem finanziellen oder sentimentalen Wert handeln.

Ein Problem damit, Besitztümer loszuwerden, kann sich in verschiedenen Situationen zeigen, wie zum Beispiel beim Versuch, aufzuräumen, zu verschenken oder zu recyclen. Der Grund, den diese Menschen für ihre Zurückhaltung angeben, ist der ästhetische Wert oder die Nützlichkeit des Objekts. Es könnte auch eine sentimentale Bindung sein, die sie an die jeweiligen Güter bindet. „Was wäre, wenn …?“  oder „Nur für den Fall …“  wird dann häufig geäußert: Diese Menschen kaufen einen neuen Computer, aber behalten den alten, nur für den Fall, dass der neue kaputt geht. Vorm nächsten Update speichern sie alte Versionen, nur für den Fall, dass in der Aktualisierung ein Fehler steckt. Und so weiter und so fort.

Ein ungeordnetes Bücherregal, das mit Büchern vollgestopft ist

Andere Menschen fühlen sich dafür verantwortlich, wo ihre Besitztümer landen. Oft tun sie alles, was sie können, um Verschwendung zu vermeiden. Außerdem haben diese Personen oft Angst davor, wichtige Informationen zu verlieren. Der Grat zwischen diesem Verhalten zum Messie-Syndrom ist schmal.

Das Messie-Syndrom unterscheidet sich weiterhin von normalen Verhaltensweisen jener Menschen, die sammeln, jedoch eine gewisse Organisation in ihrer Sammlung haben. Ein Briefmarkensammler mag sich schwarzärgern, wenn er eine interessante Marke verliert, aber er wird seine Briefmarken nicht im Kleiderschrank stapeln.

Wie wird ein Messie-Syndrom diagnostiziert?

Der Diagnostische und statistische Leitfaden psychischer Störungen in seiner fünften Version listet eine Reihe von Diagnosekriterien für das Messie-Syndrom auf:

A. Anhaltende Schwierigkeit, Besitztümer loszuwerden, unabhängig von ihrem wahren Wert.

B. Diese Schwierigkeit beruht auf einer individuell wahrgenommenen Notwendigkeit, die Besitztümer zu behalten, und auf dem Unbehagen, das Betroffene empfinden, wenn sie sich von ihnen trennen.

C. Die Schwierigkeit, Besitztümer loszuwerden, zeigt sich durch ein zwanghaftes Horten, wobei Güter in übergroßer Menge in bewohnbare Räume gestopft werden. Sollten zugehörige Wohnräume sauber gehalten werden, geschieht dies nur durch Eingriffe von außen, zum Beispiel durch Familienmitglieder, Reinigungskräfte, Behörden.

D. Das Horten von Gegenständen verursacht klinisch signifikante Beschwerden oder beeinträchtigt das Leben des Betroffenen. Dazu zählen das soziale Leben der Person sowie ihre Arbeit und der Erhalt einer sicheren Umgebung für sie selbst und andere.

E. Kein anderer pathophysiologischer Zustand kann die genannten Beschwerden erklären, keine Hirnverletzung, zerebrovaskuläre Erkankung, das Prader-Willi-Syndrom etc.

F. Das Horten ist nicht auf Symptome einer anderen psychischen Störung zurückzuführen. Zum Beispiel auf Zwangsstörungen, schwere Depressionen, Wahnvorstellungen bei Schizophrenie oder anderen psychotischen Störungen, mangelndes Interesse im Rahmen von Autismus-Spektrum-Störungen, ein kognitives Defizit bei neurokognitiven Erkrankungen etc.

Verschiedene Kleidung ist chaotisch übereinander geworfen, was ein Anzeichen für das Messie-Syndrom ist.

Menschen, die das Messie-Syndrom haben, sammeln ihre Besitztümer freiwillig an. Es beunruhigt sie, sich vorzustellen, dass sie sie wegwerfen müssten. So gesehen ist dieses Horten und diese Akkumulation von Gütern also beabsichtigt.

Diese Eigenschaft unterscheidet das Messie-Syndrom von anderen psychologischen Pathologien. Andere Störungen beinhalten das passive Sammeln von Objekten oder die Abwesenheit des seelischen Schmerzes, wenn sie jemand entsorgt. Andere Erkrankungen, wie das Vermüllungssyndrom, mögen zudem auf Psychosen beruhen.

Schwierigkeiten, bestimmte Wohnräume zu nutzen

Die Gegenstände, die von Betroffenen besonders häufig gesammelt werden, sind Zeitungen, Zeitschriften, alte Kleidung, Taschen, Bücher, elektronische Geräte und Papierkram … Praktisch alles, was man sammeln kann und was sich in rauer Anzahl in unserer Umgebung findet. Es handelt sich dabei nicht nur um Besitztümer, welche die meisten Menschen als nutzlos oder wertlos bezeichnen würden. Viele Patienten sammeln und behalten auch wertvolle Dinge, die oft unter anderen, weniger wertvollen Objekten verborgen liegen.

Menschen, die eine Menge an Gegenständen ansammeln, stopfen und überladen ihr Zuhause, wodurch es zunehmend schwieriger wird, in diesem zu leben. So können sie zum Beispiel nicht in ihrer Küche kochen, auf einem Stuhl im Wohnzimmer sitzen oder auf ihrem Bett schlafen.

Wenn Wohnräume überhaupt benutzbar sind, dann sind sie das meist nur sehr eingeschränkt. Das Chaos besteht in der Regel aus einer großen Anzahl an Gütern, die normalerweise in keinem Verhältnis zueinander stehen. Sie mögen auch lose zusammenhängen, wobei sie in ungeordneter Weise in gewissen Bereichen gestapelt sind, die eigentlich für andere Zwecke gedacht sind.

Ein Zimmer, was wegen dem Messie-Syndrom vollgestopft ist mit verschiedenen Gegenständen.

Wie wir an den oben genannten diagnostischen Kriterien gesehen haben, betrifft das Messie-Syndrom sämtliche Räume im Zuhause, nicht nur Randbereiche wie zum Beispiel die Garage, den Dachboden oder den Keller. In diesen Räumen kann auch in den Häusern von Menschen ohne Messie-Syndrom Unordnung herrschen.

Menschen mit Messie-Syndrom besitzen hingegen häufig so viel Zeug, das ihren aktiven Wohnraum einschränkt und seine Nutzung behindert. Gleiches mag zutreffen auf Fahrzeuge, Arbeitsplatz oder die Häuser von Freunden und Familienmitgliedern.

In einigen Fällen sehen die Wohnräume vielleicht nicht unordentlich aus, weil Familienmitglieder, professionelle Reinigungskräfte oder lokale Behörden eingegriffen haben. Jedoch können bei den betroffenen Menschen in diesem Fall trotzdem Symptome beobachtet werden, die den diagnostischen Kriterien entsprechen, da sie ja nicht selbst der Veranlasser der Reinigung waren.

Eine einmalige Reinigung genügt jedoch nicht. Die Schwere der Erkrankung nimmt mit der Zeit zu und wird oft chronisch, wenn keine fachgerechte Intervention vorgenommen wird.