Bist du regelrecht süchtig nach Chaos?

10. November 2016 en Psychologie 46 Geteilt

Es gibt mehr Menschen, die regelrecht süchtig nach Chaos sind, als du vielleicht denkst. Sie gehen immer mindestens 15 Minuten zu spät los und kommen daher zu keinem Treffen pünktlich und kommen stets abgehetzt zu Terminen. Sie entschuldigen sich und geben dann dem Verkehr die Schuld.

Am Ende jedes Monats sind sie deprimiert, weil sie auf ihren Kontoauszug schauen und zum wiederholten Male feststellen, dass sie ihr Konto überzogen und nun ein ernsthaftes Problem haben. Sie verlieren alles, finden nichts mehr, verwechseln stets Daten oder was auch immer. Der Fehler ist ihr ständiger Begleiter.

Außerdem sind sie ganz schöne Angeber. Das ist diese Art von Menschen, die sich um alles streitet. Sie schreien den Ladenbesitzer an, weil der Preis für die Kekse gestiegen ist. Sie beschweren sich beim Taxifahrer, weil er natürlich zu langsam fährt, auch wenn es der Stau ist, der es ihm unmöglich macht, voranzukommen.

„Chaos bedeutet Freiheit. In der Tat ist es die absolute Freiheit, aber sie ist ohne jegliche Bedeutung. Ich wünsche mir hingegen, frei zu sein, um zu handeln, sodass mein Tun eine Bedeutung erlangt.“

Audrey Niffenegger

Wer süchtig nach Chaos ist, ist unglaublich unordentlich. Der Schrank jener Personen ist ein Schauplatz der puren Unordnung, wo neben einem Pullover eine Orange liegen kann und unter einer Menge an unordentlich zusammengefalteten Klamotten wahrscheinlich die Haustürschlüssel zu finden sind, die ihr chaotischer Besitzer vor zwei Monaten verloren hat. Wenn jemand diese Unordnung hinterfragt, beschweren sich die betroffenen Personen und fangen an zu fluchen. Menschen, die so chaotisch sind, sagen, dass sie keine Zeit oder unheimlich viele Probleme hätten und dass Ordnung etwas für Menschen sei, die zu viel Zeit hätten. Doch was steckt wirklich dahinter?

Die Sucht nach Chaos und ihr physischer Ursprung

Diese Sucht ist definiert als Abhängigkeit nach einer Substanz, einem Gefühl, etwas. Im Falle einer Sucht nach Chaos befindet sich das Suchtmittel im eigenen Körper und nennt sich Adrenalin. Genau genommen sind Personen, die süchtig nach Chaos sind, eigentlich süchtig nach Adrenalin. Aus diesem Grund suchen und verursachen sie Situationen, in denen diese Substanz ausgeschüttet wird.

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Das Chaos ist definiert als Unordnung, fehlende Kohärenz, eine schlechte Organisation oder Zerstreuung. Jedes Mal, wenn ein Mensch in Situationen dieser Art gerät, reagiert er defensiv und sein Antwort wird von Beklemmung oder der Vorbereitung auf Geschehnisse oder Attacken bestimmt. Diese Reaktionen werden von einer Reihe chemischer Veränderungen im Organismus begleitet. Der wichtigste dieser Prozesse ist die Produktion von Adrenalin und Cortisol, die auch als Stresshormone bekannt sind.

Viele Menschen möchten sich von Stress befreien, aber die Sucht nach Chaos übt eine fatale Anziehungskraft auf diejenigen aus, die sich vor ihm fürchten. Sie finden Gefallen daran, diesen Druck und diesen Zustand der permanenten Verteidigung zu verspüren.

Das Problem dabei ist, dass in unserem Körper die Produktion dieser Substanz sinkt, wenn die bedrohliche Situation eintritt oder gar verfliegt. Daher bleibt nur ein depressiver Zustand zurück, welchen der chaosliebende Mensch nur überwinden kann, wenn er sich in weitere Problemsituationen stürzt, neue Konflikte entstehen lässt oder sich erneut irrt.

Der Sucht nach Chaos ein Ende bereiten

Im Allgemeinen überdeckt jede Sucht einen viel tiefgründigeren, ungelösten Konflikt, was das Leben der betroffenen Person unaufhörlich beeinträchtigt. Dieser Zwang, neue Probleme zu erschaffen, ist nichts weiter, als eine Strategie, um die Aufmerksamkeit auf immer andere Angelegenheiten – Probleme, die jeweils einer sofortigen Lösung bedürfen – gelenkt wird.

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Beklemmung ist eine ungenaue Art von Angst und sie ist es aus dem Grund, weil es ihr nicht gelingt, ein Objekt ausfindig zu machen, gegen das sie sich richten will. In anderen Worten verspürt der Betroffene Angst, hat das Gefühl, in einer bedrohlichen Situation zu sein, fürchtet sich vor dem, was eintreten könnte, aber er schafft es nicht, zu bestimmen, worin diese Gefahr besteht, auch nicht, wo sie sich versteckt oder ob sie überhaupt existiert. Er fühlt sie nur in Form einer invasiven Furcht.

Chaotische Situationen zu verursachen ist eine Methode, unterbewusst zwei Ziele zu erreichen: Zum einen ein Objekt eingrenzen, damit die Beklemmung sich dagegen richten kann, und zum anderen zulassen, dass diese Beklemmung mit voller Wucht erscheint, um sie zu fühlen und sie scheinbar in Form konkreter Abwehrhandlungen zu kanalisieren. Aber da das eigentliche Problem noch immer im Verborgenen liegt, ist es notwendig, das Ganze wieder und wieder zu wiederholen bis daraus letztendlich ein Lebensstil wird.

Es ist niemals einfach, eine Sucht zu überwinden, und das gilt auch für die Sucht nach Chaos. Am wichtigsten ist es, herauszufinden, welcher dieser verborgene Konflikt ist, der einen dazu antreibt, ständig Probleme zu verursachen. Doch um dorthin zu gelangen, müssen wir einen langen Weg gehen, der hin und wieder über die Meditation oder eine Therapie führt.

Prinzipiell wird dazu geraten, seine Fähigkeit zu trainieren, allein, ruhig und im Stillen mit sich selbst zu sein, sodass der Körper aufhört, sich dem fehlenden Druck zu widersetzen. Somit verschwindet auch die innere Unruhe. Außerdem erlauben wir unserem Bewusstsein dadurch, sich zu öffnen und alte Wunden heilen zu lassen.

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