Was bedauern die meisten Menschen?

15. September 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Blick in den Spiegel als Symbol für das Bedauern

Mehrere Untersuchungen wurden durchgeführt, um diese Frage zu beantworten: Was bedauern die meisten Menschen? Eine davon ist sehr berühmt. Sie wurde mit Menschen durchgeführt, die dem Tod nahe waren, entweder wegen unheilbarer Krankheiten oder wegen ihres fortgeschrittenen Alters.

Bronnie Ware, eine australische Krankenschwester in der Hospizpflege, beschloss, direkt zu fragen. Sie wusste, dass die Menschen viel ehrlicher und reifer sind, wenn sie spüren, dass das Leben zu Ende geht. Angesichts der Frage, was sie bedauerten, war die Antwort der meisten Menschen fast immer dieselbe: nicht genug gelebt zu haben.

„Was nützt Reue, wenn sie nicht alles auslöscht, was passiert ist. Reue ist am besten, wenn man sich einfach ändert.“

José Saramago

Ware fühlte, dass all diese Antworten eine große Offenbarung für sie waren, und beschloss, ein Buch zu schreiben, in dem sie zusammenstellte, was ihre Patienten sagten. Sie fand heraus, dass es fünf besondere Taten gab, die die Menschen bedauerten. Seitdem hat sich ihr Leben verändert.

Die Leute bedauern…

Als Bronnie Ware ihre Patienten fragte, enthielten fast alle Antworten die Aussage „Ich wünschte, ich hätte das getan…“ In anderen Worten, die meisten Menschen bedauerten, was sie nicht getan hatten, und nicht, was sie getan hatten.

Alter Mensch mit Taube

Die fünf häufigsten Antworten deuten auf die wichtigsten Gründe des Bedauerns hin:

  • Sie hatten nicht den Mut, das zu tun, was sie wirklich wollten, sondern taten, was ihnen ihre Verpflichtungen auferlegten.
  • Ein zweites großes Bedauern ist, dass sie so viel Zeit auf der Arbeit verbracht hatten. Viele von Wares Patienten sagten, dass sie die wertvollsten Jahre ihres Lebens in den vier Wänden eines Büros verbracht hätten.
  • Der dritte Umstand, den die Menschen bedauerten, ist, dass sie ihre Gefühle nicht zum Ausdruck gebracht hatten. Dass sie geschwiegen hatten, als sie reden wollten. Dies bezieht sich sowohl auf positive als auch auf negative Gefühle.
  • Ein weiteres großes Bedauern hat damit zu tun, dass sie keine alten Freunde gesucht haben, um über ihr Leben zu sprechen. Die Freunde aus der Kindheit, oder die liebenswertesten, verlieren sich oft in überwindbarer Distanz.
  • Schließlich bedauerte ein guter Anteil der von Ware befragten Personen, dass sie nicht um mehr Glück gekämpft hatten.

Wie wir sehen, hat Bedauern meist mit dem zu tun, was nicht getan wurde. Es gibt hingegen kaum Bedauern über das, was falsch gemacht wurde, über Fehler, sondern über das, was man sich nicht getraut hat.

Das ideale Selbst und das erwartete Selbst

An der Cornell University (New York, USA) wurde eine strukturiertere Studie über die Gefühle des Bedauerns und der Motive der Menschen durchgeführt. Wie bei den informellen Interviews von Ware antworteten die meisten Menschen, dass sie es bereuten, etwas nicht getan zu haben. In diesem Fall gingen die Forscher weiter und analysierten die Ursachen dieser Passivität.

Frau schaut traurig aus dem Fenster

Laut Thomas Gilovich und Shai Davidai, die die Untersuchung durchgeführt haben, habe sie mit dem Konzept des „erwarteten Selbst“ und des „idealen Selbst“ zu tun. Das erwartete Selbst, wie der Name schon sagt, beschreibt das, was jeder Mensch für richtig und moralisch wünschenswert hält. Es umfasst die Sphäre der ethischen Pflicht, in Übereinstimmung mit den Überzeugungen und Werten jeder Person.

Das ideale Selbst entspricht wiederum dem, was man sein will, unabhängig davon, ob es mit dem erwarteten Selbst übereinstimmt oder nicht. Im idealen Selbst befinden sich die Träume, Illusionen und natürlich die Ideale. Es ist das Modell, das es zu erreichen gilt. Was wir uns wünschen, dass wir es werden könnten.

Die Leute bedauern aus bestimmten Gründen

Basierend auf den Konzepten „erwartetes Selbst“ und „ideales Selbst“ kamen die Forscher der Cornell University zu einem interessanten Ergebnis. Wenn man das erwartete Selbst verrät, kommen sofort „Gewissensbisse“ auf. Deshalb versuchen die Menschen, diese Reue durch konkrete Maßnahmen zu beheben oder zu bewältigen.

Schauen wir uns das mit einem Beispiel an. Jemand geht nicht zu einem sterbenden Onkel, obwohl er weiß, dass dieser ihn sehen möchte. Nach dem Tod des Onkels bedauert dieser Mensch zutiefst, dass er seine Pflicht nicht erfüllt hat. Er denkt darüber nach. Er untersucht die Gründe, warum er es nicht getan hat, und weint vielleicht bei der Beerdigung oder entschuldigt sich symbolisch für das, was er nicht getan hat.

Vogel auf ausgestreckter Hand

Mit dem idealen Selbst passiert das nicht. Man vollzieht kein Ritual, um sich selbst zu vergeben, dass man nicht der berühmteste Astronaut war, oder dass man sich nicht entschieden hat, auf einem Schiff in die Antarktis zu fahren. Das bleibt im Bewusstsein, einfach als eine Illusion, die keine Gestalt annahm. Am Ende seines Lebens bedauert man, es nicht verwirklicht zu haben, denn eine solche Reue ist ein Weg, mit dem umzugehen, was nicht mehr war und niemals sein wird.

Auch interessant