Warum vergessen wir?

Warum vergessen wir? Faktoren wie Emotionen und Aufmerksamkeit sind grundlegend für den Gedächtnisprozess. Erfahre mehr darüber.
Warum vergessen wir?
María Paula Rojas

Geschrieben und geprüft von der Psychologin María Paula Rojas.

Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2022

Du gehst in einen Raum und bleibst stehen, denn du kannst dich nicht erinnern, was du hier eigentlich wolltest. Kommt dir diese Szene bekannt vor? Du kannst dich vermutlich auch nicht mehr daran erinnern, was du am letzten Montagabend gegessen hast, denn dein Gehirn führt eine wichtige Funktion aus: Wir sprechen über das Vergessen. Gelegentlich spielt dir allerdings dein Gedächtnis auch einen Streich und lässt dich Dinge vergessen, an die du dich gerne erinnern würdest.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu verstehen, wie die Aufmerksamkeit funktioniert und wie sie mit dem Gedächtnis zusammenarbeitet, um wesentliche Informationen richtig zu speichern und unwichtige zu vergessen.

Vergessen ist eine grundlegende Funktion des Gehirns

Wie funktioniert das Gedächtnis?

Das Gedächtnis ist die Fähigkeit, durch bewusste und unbewusste Lernprozesse Informationen aufzunehmen, zu speichern und erneut abzurufen. Es ist essenziell, denn es prägt unsere Identität und unser Verhalten. Im Gedächtnis gespeicherte Erfahrungen sind unsere wichtigste Richtschnur, wenn wir Entscheidungen treffen. Die gespeicherten Informationen bilden unser Wissen, das es uns ermöglicht, die Welt, in der wir leben, zu verstehen und neue Informationen zu sammeln und zu organisieren.

Das Gedächtnis umfasst drei grundlegende Prozesse:

  • Codierung: die Umwandlung von Reizen in eine mentale Repräsentation
  • Speicherung: die Aufbewahrung der codierten Information
  • Abruf: die Wiedergabe der gespeicherten Information zu einem späteren Zeitpunkt

Das Gedächtnis ist jedoch kein einheitliches System, vielmehr besteht es aus verschiedenen Gedächtnistypen: Dazu zählen das sensorische Gedächtnis, das Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnis und das Langzeitgedächtnis.

Das sensorische Gedächtnis (auch Ultrakurzzeitgedächtnis) nimmt die Informationen aus der Umgebung über die Sinnesorgane auf und speichert sie für eine sehr kurze Zeitdauer (maximal 2 Sekunden). Im Kurzzeitgedächtnis verbleiben die Informationen bis zu 20 Sekunden. Sie gehen verloren, wenn wir ihnen keine Aufmerksamkeit schenken. In diesem System finden Arbeitsprozesse statt: Die aufgenommenen Informationen werden zwischen den Gedächtnissystemen ausgetauscht. Deshalb sprechen wir auch vom Arbeitsgedächtnis.

Ausgewählte Informationen gelangen dann ins Langzeitgedächtnis, wo sie länger gespeichert werden (einige Minuten oder viele Jahre). Dieses System enthält unser Wissen und unsere Erfahrungen. Seine Kapazität ist unbegrenzt.

Warum vergessen wir?

Nicht immer sind wir in der Lage, bestimmte Erinnerungen abzurufen, wobei verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Die häufigsten davon sind:

  • Interferenzen: Es handelt sich um verschiedene Arten der Gedächtnishemmung, bei denen sich zwei Prozesse überlagern und gegenseitig stören. Von einer retroaktiven Hemmung spricht man, wenn bereits gerlernte Informationen durch neue Lernprozesse behindert werden. Bei der proaktiven Hemmung behindert die bereits gelernte Information nachfolgende Lernprozesse.
  • Mangelnde Verarbeitung oder Abrufbarkeit. Die Informationen wurden entweder nicht angemessen verarbeitet oder sie wurden ganz oder teilweise vergessen (Vergessenskurve), da sie nicht gebraucht wurden.
  • Unzureichender Kontext. Es ist einfacher, Informationen in jenem Kontext abzurufen, in dem sie gelernt wurden.
  • Assoziationen. Die Qualität und Quantität der Informationen, die wir vergessen, hängt sehr stark davon ab, wie wir diese Informationen lernen. Wenn der Prozess eher oberflächlich abläuft, ist die Spur, die er hinterlässt, viel brüchiger. Wenn wir uns hingegen neues Wissen einprägen, indem wir Assoziationen zu dem herstellen, was wir bereits wissen, ist es schwieriger zu vergessen.
Frau hat etwas Wichtiges vergessen

Was tun, um das Vergessen zu verhindern?

Es gibt verschiedene Strategien, um das Gedächtnis zu stärken. Besonders wichtig sind Aufmerksamkeit und Konzentrationum relevante Information im Gedächtnis zu festigen und wieder abrufen zu können. Wiederholungen und das Verknüpfen von Informationen trägt ebenfalls dazu bei, das Vergessen zu vermeiden. Vergiss nicht, dass auch Motivation und Emotionen im Gedächtnisprozess eine grundlegende Rolle spielen.

Das könnte dich ebenfalls interessieren...
Wie wird das emotionale Gedächtnis im Gehirn gefestigt?
Gedankenwelt
Lies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Wie wird das emotionale Gedächtnis im Gehirn gefestigt?

Wie das emotionale Gedächtnis im Gehirn gefestigt wird, war für die Wissenschaft bisher ein Rätsel. Heute wissen wir einiges darüber.



  • Bernal, I. M. (2005). Psicobiología del aprendizaje y la memoria. CIC. Cuadernos de Información y Comunicación, 10, 221-233.
  • Fuenmayor, G., & Flores, Y. V. (2008). La percepción, la atención y la memoria como procesos cognitivos utilizados para la comprensión textual. Única: Revista de Artes y Humanidades, 22, 187-202.
  • Ramos, F. (2012). Memoria humana. Ed McGraw Hill Education. pp. 133-152.