Warum rechtfertigen wir uns?

· 19. November 2015

Eigentlich rechtfertigen wir uns ständig, wenn wir mit jemandem reden. Wir erklären uns und die Gründe, wieso wir etwas gemacht haben, in einem Gespräch immer und immer wieder.

Diese Motive oder Erklärungen sollen unsere Absichten oder Beweggründe näher erläutern, doch daraus werden zu schnell Rechtfertigungen oder Entschuldigungen, wenn sie sich überschlagen – also im Prinzip nicht notwendig wären. Denn unser Gegenüber interessiert sich sehr wahrscheinlich gar nicht für sie.

Wir benutzen diese Rechtfertigungen sogar manchmal, um uns selbst zu beruhigen, weil wir uns den Kopf darüber zerbrechen, was andere sonst über uns denken würden.

Inwiefern unterscheiden sich Rechtfertigungen von Entschuldigungen?

Wir rechtfertigen uns, wenn wir etwas tun, und erklären uns dabei zu oft. Während wir hingegen Entschuldigungen verwenden, wenn wir etwas nicht getan haben, und unser fehlendes Handeln entschuldigen wollen.

Aber, warum machen wir das überhaupt?

Normalerweise benutzen wir Rechtfertigungen oder Entschuldigungen, wenn wir Sicherheit ausstrahlen oder dem anderen ein gutes Bild von uns vermitteln wollen. Doch ohne dass wir es bemerken, zeigen wir damit unsere Unsicherheit und suchen bei unserem Gesprächspartner das Gefühl von Wohlgefallen und Bestätigung.

In solchen Momenten überkommen uns Zweifel und Ungewissheit darüber, was unser Gegenüber wohl von uns denken wird. Gleichzeitig empfinden wir noch Unsicherheit, was dazu führt, dass wir vollkommen vergessen, dass wir das Recht auf unsere eigenen Entscheidungen haben – egal ob sie anderen nun gefallen oder nicht. Wir beschönigen unsere Entscheidungen oder passen sie der Kritik, die unser Gesprächspartner an uns übt, an.

Wie können wir dieses Verhalten ändern?

Wenn wir unser Verhalten ändern und aufhören wollen, uns ständig für das, was wir getan haben, zu rechtfertigen und zu entschuldigen, müssen wir als Erstes lernen, zu unserer Entscheidung zu stehen. Wir sollten darüber nachdenken, wieso wir so gehandelt haben, und unser Entscheidungsrecht akzeptieren, auch wenn das Risiko besteht, dass wir uns irren.

Damit ist gemeint, dass wir zu uns selbst stehen sollten, egal was andere von uns halten. Wir sind freie Menschen, die das Recht auf eine eigene Meinung und auf Entscheidungen haben, und von diesem Recht sollten wir auch Gebrauch machen.

Wie können wir unsere Beweggründe ausdrücken, ohne uns zu rechtfertigen oder zu entschuldigen?

Oftmals hilft es, in einem Gespräch dem Gegenüber die Gründe für unser Handeln und unsere Meinung zu einem Thema zu vermitteln. In diesem Fall geht es darum, uns mitzuteilen, zu vermitteln, wieso wir diese Entscheidung getroffen haben. Das soll keine Rechtfertigung oder Entschuldigung sein, und dafür solltest du folgende Punkte beachten:

Der Beweggrund sollte klar verständlich und direkt formuliert werden.

Komm gleich zum Punkt, ohne dich in Erklärungen zu verstricken.

– Erkläre den Grund für dein Handeln und behalte dabei eine sichere und bestimmte Haltung.

Zweifle nicht an deiner Erklärung und füge keine unwichtigen Dinge hinzu.

Deine Erklärung sollte deiner Entscheidung entsprechen, damit sich der andere darauf einlassen kann.

Riskiere es ruhig!

Wieso rechtfertigen oder entschuldigen wir andere?

Wir rechtfertigen oder entschuldigen uns ständig für unsere Mitmenschen, weil wir nicht wollen, dass das gute Bild, das wir von ihnen haben, anfängt zu bröckeln. Oder wir möchten einfach erreichen, dass ein Dritter diese gute Meinung zu einem bestimmten Mitmenschen, für den wir uns rechtfertigen, teilt.

Manchmal wollen wir an das Gute im Anderen glauben, auch wenn sein Verhalten nicht dieser Vorstellung entspricht. Wir verhalten uns selbst so, weil wir die andere Person brauchen oder aber auch, weil wir physisch oder emotional von ihr abhängig sind.

Aber welche Konsequenzen hat es, wenn wir uns für andere rechtfertigen oder sie in Schutz nehmen?

Zuerst bewirkt unser Verhalten, dass wir uns selbst von der in Schutz genommenen Person täuschen lassen und ein falsches Bild von ihr haben. Denn wenn wir uns für jemanden rechtfertigen oder ihn entschuldigen, dann halten wir an der Vorstellung fest, wie wir uns denjenigen insgeheim wünschen, ohne uns damit auseinanderzusetzen, wie er tatsächlich ist.

Doch das schadet uns nur, weil wir die Augen davor verschließen, was die andere Person in Wahrheit doch für ein Mensch ist. Dadurch werden wir nur enttäuscht und physisch, psychisch oder emotional verletzt. Obwohl wir diese Person rechtfertigen oder entschuldigen, sind Schmerz und Leid vorprogrammiert.

Was können wir tun, um uns nicht mehr für andere zu rechtfertigen oder entschuldigen?

Zuallererst müssen wir uns eingestehen, dass das nicht unsere Aufgabe ist. Das bedeutet, dass wir unser Selbstbewusstsein ändern müssen, damit wir uns selbstsicherer und zufrieden fühlen. Denn dann können wir auch lernen, andere und ihr Denken und Handeln neutral zu betrachten. Und wir dürfen uns nicht so sehr auf ihre Worte oder auf die Tatsache konzentrieren, wie wir sie gern sehen würden.