Warum Psychologen bei Kindern den WISC-Intelligenztest nutzen

07 Januar, 2021
Was ist ein WISC-Test? Wann setzt man ihn ein und welche Anhaltspunkte gibt er Psychologen bei einem Gutachten? In diesem Artikel werden wir versuchen, diese und andere interessante Fragen zu beantworten.

Wie wir alle wissen, stehen Experten im Gesundheitssektor verschiedene Instrumente zur Verfügung, um eventuelle Probleme der Menschen zu bewerten, die zu einem Beratungsgespräch kommen. Im Falle von Psychologen ist es so, dass sie meist standardisierte Tests verwenden. Einer der bekanntesten und am meisten verwendeten Tests, den Psychologen bei Kindern nutzen, ist der WISC-Intelligenztest (Wechsler Intelligence Scale for Children). Seit 2017 ist die fünfte Aktualisierung die aktuelle Version.

Obwohl dieser Intelligenztest einem breiten Publikum bekannt ist, verstehen viele Leute nicht genau, was dadurch festgestellt werden kann oder wie der Test im klinischen und pädagogischen Umfeld helfen kann. Genau aus diesem Grund versuchen wir in diesem Artikel zu erklären, woraus der Test besteht und warum er eines der Werkzeuge ist, die Psychologen am häufigsten verwenden.

Ein Junge sitzt auf dem Spielplatz und denkt nach.

Worauf zielt der WISC-Test ab?

Psychologen verwenden den mehrdimensionalen WISC-Test, um die kognitiven Fähigkeiten eines Kindes zu bewerten. Die Gehirnaktivität kann bei Funktionsweisen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Sprache und exekutive Funktionen bewertet werden. Diese sind grundlegend für die angemessene Entwicklung von Aktivitäten bei Kindern, sowohl im sozialen als auch im kognitiven Bereich.

Deshalb ist eines der Ziele des WISC-Tests, einen Ausgangspunkt zu bilden, anhand dessen man Entscheidungen über den Bildungsweg eines Kindes treffen kann. Der Test ist nämlich dazu in der Lage, sowohl Stärken als auch Schwächen eines Kindes zu identifizieren.

Auf einer klinischen Ebene kann man mit dem WISC-Test Schwierigkeiten oder kognitive Ausfälle feststellen, die mit bestimmten Störungen verbunden sind. Im Falle von Lernstörungen ist der Test unerlässlich, denn er hilft dabei, die hauptsächlichen Probleme herauszufiltern.

Worauf achten Psychologen bei der Anwendung des WISC-Tests?

Bei der Anwendung, Interpretation und Abgabe des Gutachtens müssen Psychologen verschiedene Aspekte berücksichtigen, die zusammen die Zuverlässigkeit der Ergebnisse verstärken. Zudem müssen sie auf zwei Bereiche achten: die quantitativen und die qualitativen Aspekte, die der Test liefert.

Quantitative Aspekte

Um diesen Aspekt umfassend zu erklären, müssen wir verschiedene Merkmale berücksichtigen. Eines davon ist, dass es insgesamt 15 untergeordnete Tests gibt und jeder von ihnen eine bestimmte Punktzahl ergibt. Zehn werden als primäre und 5 als sekundäre Untertests bezeichnet. Fachleute verwenden diese Ergebnisse, um eine Gesamtskala zu erstellen; sie vergleichen dann die erreichte Punktzahl des Kindes mit der durchschnittlich erreichten Punktzahl seiner Altersgruppe.

Dieser Vorgang wird durchgeführt, um festzustellen, ob die erreichte Punktzahl mit der der Altersspanne des Kindes korrespondiert oder ob sie darüber oder darunter liegt.

Im Falle des WISC-Tests liegt die durchschnittliche Punktzahl zwischen acht und elf Punkten. Eine Punktzahl unter acht weist darauf hin, dass es in diesem Bereich Schwierigkeiten gibt. Eine Punktzahl über elf zeigt im Gegensatz dazu, dass der Entwicklungsstand des Kindes höher ist als der des Durchschnitts seiner Altersgruppe.

Experten können aus diesen Subtests auch verschiedene Indizes ableiten, bei denen es sich um ergänzende Punktzahlen handelt. Diese Indizes helfen dabei, die Informationen bezüglich einiger spezifischer Funktionen zu konsolidieren und die erhaltenen Zahlen zu unterstreichen.

Wenn die Punktzahlen zwischen 85 und 115 liegen, passen die Fähigkeiten des Kindes zu seiner Altersbandbreite. Einige der primären Indizes sind:

  • Sprachverständnis. Es bewertet die Fähigkeit, zu argumentieren und sich verbal auszudrücken. Darüber hinaus können Fachleute die Fähigkeit des Kindes beobachten, Konzepte zu erkennen.
  • Visuell-räumliche Verarbeitung. Die Fähigkeit, räumliche Zusammenhänge zu verstehen, geometrische Konstruktionen anhand eines Modells zu erstellen und die Details zu bewerten.
  • Fluides Schlussfolgern. Hier geht es um die Fähigkeit, logisches Denken einzusetzen, um Regeln zu erkennen und sie anzuwenden.
  • Arbeitsgedächtnis. Hier wird die Fähigkeit gemessen, verbale und visuelle Informationen gedanklich zu erfassen und zu verarbeiten.
  • Verarbeitungsgeschwindigkeit. Bewertet die Fähigkeit, einfache visuelle Informationen effektiv und schnell aufzunehmen, zu unterscheiden und zu sortieren.
  • Gesamt IQ-Wert
Kinder in der Schule machen WISC-Test.

Qualitative Aspekte

Auf der anderen Seite stehen die qualitativen Aspekte, die für den effektiven Einsatz des WISC-Tests genauso wichtig sind. Durch diese Daten können die Ergebnisse, die der Test liefert, untermauert und in einer treffenderen Art und Weise personalisiert werden. In diesem Fall müssen Aspekte berücksichtigt werden, die während des Beratungsgesprächs und während der Anwendung des Tools beobachtet werden.

Der erste relevante Aspekt ist die Beobachtung und Aufzeichnung der Einstellung und des Verhaltens des Kindes während der Durchführung des Tests. Fachleute berücksichtigen dabei Aspekte wie zum Beispiel:

  • Grad an Mitarbeit
  • Frustrationstoleranz
  • Umgang mit Schwierigkeiten
  • Kompensationsmechanismen, zu denen das Kind greift
  • Gemütsverfassung
  • Nonverbales Verhalten
  • Motorisches Verhalten
  • Persönliches Auftreten

Während der Beurteilung ist es für die Experten auch wichtig, andere Faktoren zu berücksichtigen. In diesem Fall müssen sie dies jedoch ohne die Unterstützung von zusätzlichen Punkten tun. Diese Strategien können zu einem Zeitpunkt hilfreich sein, bei dem der Managementprozess beginnt.

Es ist deshalb wirklich von Vorteil, dass man herausfindet, ob das Kind Informationen besser über einen visuellen oder einen auditiven Kanal aufnimmt, wenn es darum geht, das Lernverhalten zu verbessern.

Ein Kind bei der Kindertherapeutin auf dem Sofa macht den WISC-Test.

Der Wert des WISC-Tests im pädagogischen Bereich

Eines der Hauptziele des WISC-Tests im pädagogischen Bereich ist es, die kognitiven Fähigkeiten von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf festzustellen. Diese Fähigkeiten können unter anderem Lernstörungen, Hochbegabung und geistige Behinderung beinhalten.

Der Test hilft dabei, sowohl die Fähigkeiten als auch die Schwierigkeiten zu bewerten, die diese Kinder haben können. All das kann es für die Kinder erleichtern, dass der Lehr-Lern-Prozess auf sie zugeschnitten werden kann. Gleichzeitig werden Lehrer und Psychologen in eine ideale Position versetzt, das Lernverhalten des Kindes optimal motivierend zu unterstützen.

Und schlussendlich kann man mithilfe des WISC-Tests die akademische Leistung jedes einzelnen Kindes vorhersagen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass zahlreiche kognitive Funktionsweisen unter verschiedenen Gesichtspunkten bewertet werden können.

Diese Funktionen können sich auf Konzepte beziehen, die für die Entwicklung bestimmter Lern-Aspekte notwendig sind. Zum Beispiel brauchen Kinder eine gute Sprachgrundlage, dass sich der Lese-Schreib-Prozess richtig entwickeln kann.

Der Wert des WISC-Tests im klinischen Bereich

Der WISC-Test wird auch im klinischen Bereich häufig eingesetzt. Erstens ist er für das Bündeln von Informationen geeignet, damit man die erste Hauptdiagnose stellen kann. Zudem hilft der Test dabei, differenzierte Diagnosen von psychologischen, neurologischen oder psychiatrischen Störungen auszuarbeiten. Die kognitiven Auswirkungen können vor allem bei Krankheiten oder Störungen gefunden werden.

Zum anderen erweist sich der Test bei der Vorbereitung und Entwicklung von Hilfsprogrammen hilfreich. Mit den Resultaten, die er den Experten liefert, sind diese in der Lage, die Stärken eines Kindes zu identifizieren.

Fazit

Abschließend ist es wichtig zu erwähnen, dass dieser Test heutzutage zu den am häufigsten verwendeten gehört, und das aus zweierlei Gründen:

  • In einer klinischen Umgebung hilft er den Experten, Diagnosen zu stellen.
  • In einer nicht-klinischen Umgebung gibt er Experten ein Profil der am meisten und am wenigsten entwickelten Fähigkeiten eines Kindes.

Indem er verschiedene kognitive Funktionen bewertet, liefert er umfassende Informationen über alle wichtigen Aspekte. Wenn dieser Test bei einem Kind durchgeführt wird, dann nicht notwendigerweise deshalb, weil es einen Verdacht auf eine Störung oder eine Krankheit gibt.

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