Warum haben wir eine Lieblingsfarbe?

Was hast du für eine Lieblingsfarbe? Warum findest du diese Farbe besonders attraktiv? Erfahre heute mehr über dieses Thema.
Warum haben wir eine Lieblingsfarbe?
Sophie Aurélie Elpel

Geprüft und freigegeben von Sophie Aurélie Elpel.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 03. September 2022

Wusstest du, dass die Wissenschaft schon vor langer Zeit bewiesen hat, dass die Farbe Gelb den Appetit anregt? Das ist der Grund, warum die Lebensmittelindustrie diese Farbe gerne für Werbung oder Logos verwendet. Es handelt sich um eine unterschwellige Botschaft an das Gehirn, das verschiedene physiologische und psychologische Prozesse durchläuft, sobald Lichtstrahlen auf die Netzhaut des Auges treffen. Die Welt der Farben ist faszinierend, heute konzentrieren wir uns jedoch auf die Frage, warum wir eine Lieblingsfarbe haben.

Wissenschaftler vermuten, dass die Vorliebe für die eine oder andere Farbe nicht freiwillig entsteht. Es handelt sich vielmehr um eine emotionale und evolutionäre Reaktion. Jeder Farbton erzeugt ein Gefühl, eine Empfindung, eine physiologische Aktivierung und verschiedene Impulse, wie wir bereits am Beispiel Gelb gesehen haben.

Ferner dürfen wir die kulturelle Prägung der verschiedenen Farbtöne nicht vergessen. Die Farbe Schwarz bedeutet in vielen Kulturen Trauer, wird jedoch auch mit Eleganz assoziiert. Die Welt der Mode schreibt uns jedes Jahr verschiedene Modefarben vor: Lavendel, Olivgrün, Zinnoberrot … Wir können also auch beobachten, dass sich die Vorlieben für Farben mit der Zeit verändern. Warum ist das so?

Die meisten Menschen bezeichnen Blau als ihre Lieblingsfarbe.

Luftballons in der Lieblingsfarbe Rosa
Wir assoziieren jede Farbe mit verschiedenen Bedeutungen und haben deshalb unsere Vorlieben.

Warum wir eine Lieblingsfarbe haben (und warum es wahrscheinlich blau ist)

Was sind deine drei Lieblingsfarben? Höchstwahrscheinlich ist die Farbe Blau in deiner Antwort enthalten. Seit Jahrhunderten ist dies die beliebteste aller Farben, denn wir assoziieren sie mit Leben, Gesundheit und Ruhe. Wasser ist die Grundvoraussetzung für Leben und außerdem sind Orte an Flüssen, Seen oder Meeren von großer Schönheit. Unsere Vorfahren siedelten sich am Wasser an, um Wohlbefinden zu erreichen und auch heute teilen die meisten von uns diese Vorliebe.

Eine Studie der Universität Texas berichtet über ein verblüffendes Experiment in Japan: Die Installation von blauer LED-Beleuchtung auf Bahnsteigen verhindert Suizide. Obwohl dieser Pilotversuch nur auf einer Bahnstrecke durchgeführt wurde, waren die Daten aufschlussreich: Die Suizidrate konnte um 84 % reduziert werden. Die Farbe Blau wirkt sich scheinbar positiv auf das Gehirn aus und lädt zur Selbstreflexion und Ruhe ein. Das erklärt auch, warum Blau die häufigste Lieblingsfarbe der Menschen ist.

Wir haben jedoch auch andere Lieblingsfarben und Vorlieben, die sich vielfach bereits im Kindesalter entwickeln. Wie kommt es dazu?

Hinter jeder Farbe steckt eine Geschichte (die ökologische Valenztheorie)

Die Valenztheorie wurde von Dr. Karen Schloss in einer in der Zeitschrift PNAS veröffentlichten Studie geprägt. Es scheint, dass in unserem mentalen Register keine Farbe neutral ist: Wir verbinden mit allen Farben eine bestimmte Bedeutung. Ein fünfjähriges Mädchen hat vielleicht eine Vorliebe für Rosa, weil es mit dem kulturellen Gepäck aufgewachsen ist.

Unsere persönliche Geschichte und unsere subjektiven Erfahrungen bedingen, dass wir eine Vorliebe für die eine oder andere Farbe entwickeln; auch Medien und Werbungen spielen hier eine wichtige Rolle. Aber manchmal reicht auch schon ein emotional intensives Erlebnis, damit unser Verstand eine Vorliebe für eine Farbe entwickelt.

Wenn die Person, die du liebst, am Tag des Kennenlernens eine grüne Jacke trägt, ist es wahrscheinlich, dass Grün zu deiner Lieblingsfarbe wird. Das erklärt unter anderem, warum sich die Lieblingsfarbe mit der Zeit verändern kann.

Luftballon in Lieblingsfarbe Gelb hebt sich ab
Die Farbe Gelb wird aus kulturellen Gründen mit Unglück in Verbindung gebracht. Unser Gehirn empfindet jedoch Hunger, wenn es diese Farbe wahrnimmt.

Die Lieblingsfarbe und die Persönlichkeit

Wir alle haben eine Lieblingsfarbe – und höchstwahrscheinlich ist es nicht Braun. Denn diese Farbe löst eine Reihe von unangenehmen Empfindungen in unserem Gehirn aus. Sie wird mit Schmutz, Abfall und Verfall in Verbindung gebracht. Neben diesen instinktiven und kulturellen Reaktionen gibt es aber auch noch den Persönlichkeitsfaktor.

Dynamische, extrovertierte und leidenschaftliche Menschen bevorzugen oft die Farbe Rot. Sie ist sehr auffällig und sticht sofort ins Auge. Die Lieblingsfarbe introvertierter, geduldiger und in sich gekehrter Persönlichkeiten ist dagegen in vielen Fällen Grün.

Optimistische Menschen mit guten Kommunikationsfähigkeiten und großem Sinn für Humor bevorzugen häufig die Farbe Orange. Die Persönlichkeit spielt also bei der Vorliebe für bestimmte Farben eine wichtige Rolle.

Mädchen im Alter von 5 oder 6 Jahren sind aufgrund sozialer und kultureller Faktoren oft auf Rosa fixiert. Bevor sie jedoch in die Pubertät kommen, ändern sich ihre Vorlieben.

Farben sind aus Geschichten gemacht

Unsere Lebenserfahrungen, unsere Kultur, unsere Persönlichkeit und sogar unsere Instinkte spielen eine entscheidende Rolle bei unserer Faszination für bestimmte Farben. Sowohl kulturelle als auch biologische Wurzeln bilden die Grundlage. Wenn du tiefer ergründen möchtest, warum du eine bestimmte Lieblingsfarbe hast, beantworte folgende Fragen für dich: “Was fühle ich? Was bedeutet diese Farbe für mich? Womit assoziiere ich sie? Welche Erinnerungen oder Bilder weckt sie?

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