Warum habe ich das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht?

Schon wieder Geburtstag, es ist schon September, Weihnachten war doch gerade erst - ich kann es nicht glauben! Wenn du wissen willst, warum die Zeit immer schneller zu vergehen scheint, lies weiter...
Warum habe ich das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht?
Lidia Blockus

Geprüft und freigegeben von Werbetexterin Lidia Blockus.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 19. September 2022

Wie Einstein schon sagte, ist die Zeit relativ – Sie fließt nicht immer im gleichen Tempo. Tatsächlich kann sich eine Stunde wie ein Augenblick oder wie eine Ewigkeit anfühlen.

Die Geschwindigkeit hängt unter anderem davon ab, was wir tun: Wir alle wissen, dass es nicht dasselbe ist, das Konzert eines Lieblingssängers zu genießen oder eine Stunde in der Schlange zu stehen. Bei Unterhaltungen oder Tätigkeiten, die wir lieben, vergeht die Zeit wie im Flug. Eine Stunde hat immer 60 Minuten, aber die Wahrnehmung kann sehr unterschiedlich sein.

In diesem Zusammenhang spielt auch das Alter eine Rolle: Je älter wir sind, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen. Dafür gibt es eine wissenschaftliche Erklärung – erfahre mehr darüber!

Frau blickt auf ihre Uhr, um die Zeit zu bestimmen
Je älter wir werden, desto schneller ist die Zeitwahrnehmung.

Warum vergeht die Zeit so schnell?

Im Jahr 2005 führten die Psychologen Marc Wittmann und Sandra Lenhoff von der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Studie durch, um dieses Phänomen zu untersuchen. Sie befragten 499 Menschen im Alter zwischen 14 und 94 Jahren, um herauszufinden, wie sie die Zeit wahrnehmen. Sie baten die Probanden, jeden Zeitraum danach zu bewerten, wie schnell er ihrer Meinung nach verging.

Anhand der Ergebnisse stellten sie fest, dass bei kurzen Zeiträumen wie einer Woche oder einem Monat die Wahrnehmung der Geschwindigkeit bei älteren Menschen nicht signifikant zunahm. Bei längeren Zeiträumen (Jahre oder Jahrzehnte) wurden jedoch Unterschiede festgestellt: Erwachsene haben eher das Gefühl, dass die Zeit schneller vergeht.

Die Mehrheit der Teilnehmenden über 40 erwähnte, dass sie in ihrer Kindheit die Zeit langsamer wahrgenommen hatten und sie sich mit zunehmendem Alter beschleunigt.

Die Zeit und das Alter

Für Kinder ist jeder Tag ein Abenteuer. 24 Stunden sind viel, wenn du gerade mal 8760 Stunden (ein Jahr) alt bist. Ein zehnjähriges Kind hat erst 87 600 Stunden gelebt, ein 50-jähriger Erwachsener hingegen 438.000. Für ein einjähriges Kind bedeutet ein Tag einen beträchtlichen Prozentsatz seiner Gesamterfahrung, während eine erwachsene Person einen Tag als sehr kurz empfindet.

Wenn du vier Jahre alt bist, sind 50 % deines Lebens nur zwei Jahre. Bist du jedoch bereits 50, beträgt die Hälfte deines Lebens 25 Jahre! Menschen unterschiedlichen Alters haben eine sehr unterschiedliche Vorstellung von Zeit, auch weil ihre Lebensspanne unterschiedlich ist. Dazu kommt, dass Kinder die Bedeutung der Zeit nicht vollständig erfassen, da sich die Zeitwahrnehmung erst ab 6 bis 7 Jahren entwickelt.

Erfahrungen

Sowohl die Qualität als auch die Neuartigkeit jeder gelebten Erfahrung sind Elemente, die eine Rolle dabei spielen, wie schnell oder langsam die Zeit vergeht. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass Menschen unterschiedliche Perspektiven auf die Zeit haben.

  • Die prospektive Perspektive ist diejenige, die wir über ein Ereignis wahrnehmen, das noch stattfindet oder in der Zukunft stattfinden wird.
  • Die retrospektive Perspektive hingegen blickt zurück in die Vergangenheit.

Deshalb haben wir vielleicht das Gefühl, dass die Zeit im Urlaub wie im Flug vergeht (prospektive Perspektive). Wenn wir jedoch wieder zu Hause sind und uns an die Reise erinnern, haben wir das Gefühl, dass der Urlaub länger dauerte als andere Erfahrungen, die weniger aufregend waren (retrospektive Perspektive).

Das passiert, weil unser Gehirn dazu neigt, neue Erfahrungen in unserem Gedächtnis zu speichern und nicht so sehr die alltäglichen. Vielleicht erinnerst du dich im Detail an etwas Erstaunliches, das du in einem exotischen Urlaub erlebt hast. Wenn du jedoch an den letzten Donnerstag zurückdenkst, weißt du nicht mehr, was du gegessen hast.

Der Neurowissenschaftler David Eagleman erklärt, dass die Neuronen, die ein Erlebnis aufzeichnen, weniger aktiv sind, wenn es häufig wiederholt wird. Im Gegensatz dazu ist die Erinnerung an neue Erfahrungen viel reichhaltiger.

Wenn die Welt um uns herum immer vertrauter wird, haben wir das Gefühl, dass die Zeit schneller vergeht.

Neues trägt dazu bei, die Zeit zu verlangsamen

Unsere Zeitwahrnehmung basiert also auf neuen Erinnerungen. Die Kindheit ist von neuen Erfahrungen geprägt: Jeder Tag ist ein neues Abenteuer, das eine faszinierende Welt eröffnet. Je mehr unbekannte Erfahrungen wir machen und je mehr Erinnerungen wir haben, desto mehr haben wir das Gefühl, dass die Zeit “länger” dauert. Aber das Leben eines Erwachsenen neigt dazu, sehr routiniert zu werden, mit Arbeit, Haus und Familie. Neue Erfahrungen werden immer sporadischer, je älter wir werden.

die Zeit spielt in der Kindheit keine große Rolle
Neue Erlebnisse beeinflussen die Zeitwahrnehmung.

Zum Glück ist noch nicht alles verloren

Du kannst deine Zeitwahrnehmung ändern, indem du neue Aktivitäten einbaust. Der Monotonie zu entkommen, kann eine angenehme Überraschung sein.

Einige Ideen: Melde dich für einen arabischen Kochkurs an, plane eine Reise an einen exotischen Ort, beginne mit sportlichen oder kreativen Aktivitäten und lass dich vom Leben überraschen. Neue Erinnerungen beeinflussen deine Zeitwahrnehmung positiv. Du kannst die Zeit zwar nicht anhalten, doch du kannst sie intensiv nutzen und deine Wahrnehmung verlangsamen.

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