Warum bleiben einige unglückliche Paare zusammen?

27. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Warum trennen sich unglückliche Paare nicht? - Ein wütendes und verzweifeltes Pärchen

Für viele Menschen ist Erfolg in der Liebe mindestens so wichtig wie Erfolg im Beruf, im Sport oder anderen Lebensbereichen. Jedoch ist es gar nicht so leicht, eine gut funktionierende Beziehung zu erhalten. Das ist der Grund, warum sich so viele unglückliche Paare mit einer Situation zufriedengeben, die alles andere als ideal ist. Sie bleiben zusammen, obwohl sie viele Probleme haben – und allein vielleicht besser dran wären.

Im heutigen Beitrag werden wir uns ansehen, warum unglückliche Paare sich nicht trennen, selbst wenn sie einfach nicht zusammenpassen.

Warum trennen sich unglückliche Paare nicht?

Wahrscheinlich weißt auch du von mindestens einer nicht funktionierenden Beziehung, in der sich die beteiligten Personen trotz aller Umstände nicht trennen wollen. Die Beziehungspsychologie befindet sich zwar noch in den Kinderschuhen, doch das bedeutet nicht, dass Wissenschaftler nicht auch auf diese Probleme schauten: Eine der wichtigsten zu erforschenden Fragen ist, warum genau unglückliche Paare zusammenbleiben.

Laut einiger Studien gibt es viele Gründe, warum Menschen in einer Beziehung bleiben, auch wenn diese schmerzhaft für sie ist. Diese lassen sich vier Feldern zuordnen:

  • Gründe, die nicht direkt mit der Beziehung zusammenhängen
  • Religiöse Gründe
  • Ein starkes Gefühl der Verpflichtung
  • Der Trugschluss der „getätigten Investition“

Wir werden uns nun jedes einzelne genauer ansehen.

1. Gründe, die nicht direkt mit der Beziehung zusammenhängen

Zu den Hauptgründen für das Verbleiben in einer unglücklichen Beziehung gehören oft Dinge, die erst einmal gar nichts mit der Beziehung zu tun haben. Paare berichten davon, dass sie sich wegen der Kinder nicht trennen würden, oder weil sie allein nicht über ausreichende Finanzmittel verfügen. Das Ende der Beziehung würde aufgrund dieser Faktoren womöglich zu viel Leid führen. Also beschließt das Paar, zusammenzubleiben, auch wenn das sicher keine gute Idee ist.

Denn dann wird das Handeln dieser Paare von der Angst vor zukünftigem Leid bestimmt. Das sorgt dafür, dass der Schmerz nicht aufgehoben wird, sondern über lange Zeit vor sich hindämmert. Zum Beispiel bedeutet es für die Kinder von Paaren, die nur wegen ihrer Kinder zusammenbleiben, dass ihnen auf lange Sicht mehr Schaden als Nutzen zugefügt wird. Der Nachwuchs merkt ja auch, dass etwas nicht stimmt. Deshalb ist es normalerweise besser, aktiv nach einer Lösung zu suchen, als lediglich aufgrund externer Faktoren eine Beziehung am Leben zu erhalten, obwohl diese vor langer Zeit aufgehört hat, zu funktionieren.

Ein Junge hält sich mit seinem Teddy am Bein seiner Mutter fest

2. Religiösen Gründe

Andere wichtige Gründe, warum viele unglückliche Paare zusammenbleiben, finden sich in ihren religiösen Überzeugungen. Schau dir zum Beispiel ein Land an, in dem der Katholizismus die Gesellschaft prägt. Hier sind die Gebühren für Scheidungen viel höher als in säkularen Ländern – wenn eine Scheidung überhaupt legal ist.

Dies ist in der religiösen Überzeugung begründet, nach der die Ehe etwas Heiliges sei. Die Kirche sieht in der Scheidung eine der schlimmsten Sünden, die der Gläubige begehen kann. Daher verweilen verheiratete Katholiken oft lieber unglücklich in ihrer Beziehung, als eine solch schreckliche Handlung (zumindest nach ihrer Meinung) zu begehen.

3. Ein starkes Gefühl der Verpflichtung

Aber nicht alle unglücklichen Paare, die zusammenbleiben, tun dies aus den vorab genannten Gründen. Manchmal ist der Hauptgrund, warum Menschen in ihren zerbrochenen Beziehungen verbleiben, dass sie eine starke Verpflichtung füreinander empfinden.

Eine weitläufig akzeptierte Theorie dazu, wie Beziehungen funktionieren, ist Sternbergs Dreieckstheorie der Liebe. Die Theorie besagt, dass gegenseitige Verpflichtung eine tragende Säule jeder Beziehung sei. Sie besagt auch, dass es zwei andere Säulen gebe, die aufgebaut werden müssen, um eine starke Beziehung zu führen: Intimität und Leidenschaft.

Aber es gibt auch eine Art von Liebe, die einzig und allein auf dieser Verpflichtung – auch Hingabe genannt – beruht. Diese wird leere Liebe genannt. Manchmal genügt sie, um eine Beziehung aufrechtzuerhalten. Sie ist stark genug, um alle Probleme zu überwinden, die das Paar durchmachen könnte. Mehr aber auch nicht.

4. Der Trugschluss der „getätigten Investition“

Eine der schädlichsten kognitiven Irrungen, denen du erliegen kannst, ist der Trugschluss der „getätigten Investition“. Da ist etwas, in das du bereits viel Mühe und emotionale Ressourcen gesteckt hast. Nun hast du jedoch das Gefühl, dass du bei der Sache bleiben müsstest, selbst wenn es offensichtlich nicht funktioniert.

Dieser Trugschluss findet sich häufig bei Spielern im Casino, die bereits einen hohen Einsatz auf dem Tisch haben – und eben auch bei Paaren. Sie wollen schlicht nicht aufgeben, woran sie so lange gearbeitet haben.

Ein frustriertes Paar sitzt mit dem Rücken zueinander auf dem Bett

Der Trugschluss der „getätigten Investition“ kann dich auf viele verschiedene Arten verletzen. Wenn es um Beziehungen geht, kann er dich dazu bringen, für eine aussichtslose Beziehung zu kämpfen. Du tust es einfach, weil du schon so lange mit deinem Partner zusammen bist. Das hört sich zunächst gut an, bedeutet aber langfristig auch für deinen Partner nur Ärger. Es wird euch letztendlich nur weiter voneinander entfernen, nicht jedoch zusammenführen. Versuche, dich an diesen Trugschluss zu erinnern, wenn du daran denkst, nur um der Beziehung Willen, in der Beziehung zu bleiben.

Manchmal ist es besser, kurzfristig etwas Schmerz in Kauf zunehmen, als auf lange Sicht noch mehr zu leiden.

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