Warum Atemtechniken nicht immer funktionieren

Atemtechniken werden mit der Linderung und Kontrolle von Ängsten in Verbindung gebracht. Es scheint jedoch, dass sie nicht immer funktionieren. Doch warum ist dem so?
Warum Atemtechniken nicht immer funktionieren

Letzte Aktualisierung: 26. Mai 2021

Atemtechniken lehren dich, dich auf deine Atmung zu konzentrieren. Diese Art von Übungen werden häufig in der psychologischen Therapie sowie in anderen Bereichen, wie beispielsweise im Yoga und beim Pilates eingesetzt. Darüber hinaus haben Atemtechniken aufgrund ihrer Verwendung bei der Linderung von Angstzuständen Bekanntheit gefunden.

Menschen mit starken, anhaltenden Ängsten könnten jedoch das Gefühl haben, dass diese Methoden bei ihnen nicht funktionieren. Aber woran liegt es, dass die Atemübungen bei manchen Menschen nicht zur Beruhigung ihrer Angst beitragen?

Menschen mit starken, anhaltenden Ängsten könnten jedoch das Gefühl haben, dass Atemtechniken nicht funktionieren

Ängste in der menschlichen Evolution

Vor Millionen von Jahren kämpfte die menschliche Spezies auf eine ganz andere Weise ums Überleben als heute. Um zu überleben, mussten sie jagen, Nahrung sammeln und sich gegen Raubtiere verteidigen. Wenn sich ein Raubtier näherte, wurden die Angst- und Aktivierungsniveaus des Individuums in Bewegung gesetzt, wodurch Energie für die Kampf- oder Fluchtreaktion bereitgestellt wurde.

Die Aktivierung der Kampf- oder Fluchtreaktion beinhaltet psychophysiologische Veränderungen, wie beispielsweise:

  • Veränderungen im Nervensystem, die die Reaktion des sympathischen Nervensystems erhöhen.
  • Erhöhte noradrenerge Reaktion.
  • Erhöhtes Cortisol, das die Reaktion des Immunsystems und Entzündungsreaktionen hemmt.

Kurz gesagt, die Aktivierung der Kampf- oder Fluchtreaktion im Individuum bedeutete, dass es weniger wahrscheinlich war, von einem Raubtier verletzt zu werden. Der Mensch verfügt immer noch über dieses System, das in Zeiten der Gefahr aktiviert wird. Allerdings hat sich die Umwelt zwischenzeitlich verändert und manchmal ist diese Reaktion nicht mehr so nützlich wie früher.

Die Kampf- oder Fluchtreaktion heute

Heute treffen wir nicht jeden Tag auf Raubtiere im Dschungel. Dennoch werden diese Mechanismen aktiviert, wenn wir mit verschiedenen Arten von Bedrohungen konfrontiert werden (Arbeit, Wohnung, Wirtschaft, Familie, Gesellschaft usw.). Die Empfindungen, die zur Aktivierung dieses Systems führen, sind normalerweise unangenehm. Daher neigen wir dazu, sie mit einer Bewältigungsstrategie zu vermeiden.

Warum Atemtechniken nicht immer funktionieren

Empirische Daten deuten darauf hin, dass Atemtechniken eine wirksame Behandlung für Angstsymptome sind. Andere Techniken umfassen die kognitive Verhaltenstherapie und die Verhaltenstherapie der dritten Generation. Wenn du im Internet recherchierst „wie kann ich meine Ängste reduzieren“, sind die ersten Einträge jene, die sich mit Atemtechniken befassen.

Manchmal fängst du vielleicht damit an, Atemtechniken anzuwenden, und obwohl du eine gewisse Erleichterung erfährst, verschwindet deine Angst nicht vollständig. Möglicherweise fühlst du dich auch kurzatmig, weil sich der Rhythmus deiner Atmung ändert. Und dies könnte bestimmte Symptome deiner Angst sogar noch verstärken.

Darüber hinaus kann die Verbindung zwischen Atemtechniken und Angstkontrolle dazu führen, dass du sie nur dann übst, wenn du Angst hast. Folglich verbindest du deine Atemtechniken mit den Angstzuständen. Das bedeutet wiederum, dass die Atemtechniken, wenn wir sie nur dann praktizieren, wenn wir ängstlich sind und nicht, wenn wir ruhig sind, das Auftreten bestimmter Symptome fördern können, die wir mit Angstzuständen in Verbindung bringen.

Wenn du also deine Angst auf die Atmung oder die Atemtechniken konzentrierst, besteht die Gefahr, dass du die Übung selbst mit der Angst in Verbindung bringst. Andererseits würdest du, wenn die Techniken automatisiert und vereinfacht würden, das Ziel, deine eigenen Symptome zu erkennen, nicht erreichen.

Fokussiere deinen Aufmerksamkeit auf den Rhythmus deiner Atmung

Was tun, wenn die Atemtechniken nicht funktionieren?

Wenn die Atemtechniken nicht funktionieren, fühlst du dich womöglich frustriert. Es ist ganz normal, dass man versucht, unangenehme Symptome loszuwerden, indem man seine ganze Aufmerksamkeit auf sie richtet, anstatt an andere Dinge zu denken.

Atemtechniken können wie der Anker eines Schiffes inmitten eines Sturms wirken. Sie halten das Schiff dort, wo es ist, und verhindern, dass die Wellen es umkippen. Aber das ist nicht einfach. Tatsächlich sind Atemtechniken nur dann wirksam, wenn wir sie kontinuierlich und nicht nur in angstauslösenden Situationen üben.

Techniken, die sich darauf konzentrieren, den Kontakt zum gegenwärtigen Moment aufrechtzuerhalten, können eine weitere Möglichkeit sein, Atemübungen zu ergänzen.

Übung, die Achtsamkeit lehren, helfen dir, im gegenwärtigen Moment zu bleiben. Sie ermöglichen es dir, deinen Geist in die Rolle eines außenstehenden Beobachters zu versetzen, der nach einer Lösung für das Problem sucht. Und du hast die Möglichkeit, auf viele Arten mit deiner Aufmerksamkeit herumzuspielen.

  • Fokussiere deine Aufmerksamkeit auf den Rhythmus deiner Atmung. Konzentriere dich bei jedem Ein- und Ausatmen auf die Bewegung deines Bauches.
  • Beobachte Objekte und Farben, als ob du sie zum ersten Mal sehen würdest.
  • Gib allen Empfindungen, die Unbehagen auslösen, Namen, Farben, Formen, Texturen und Temperaturen.
  • Höre Musik und widme deine ganze Aufmerksamkeit den verschiedenen Musikinstrumenten, die du hörst und bringe sie nach und nach zusammen.
  • Übe dich in bewusstem Essen und achte voll und ganz auf die körperliche Form und den Geschmack deines Essens.

Abschließende Gedanken

Kurz gesagt, wenn du Atemtechniken als Mittel zur Bewältigung von Angstzuständen betrachtest, kann dies dazu führen, dass du sie tatsächlich mit deinen Angstzuständen in Verbindung bringst. Daher wäre es das Ziel, deine Atemtechniken dann zu üben, wenn du keine Angst verspürst. Darüber hinaus kannst du diese Methode mit anderen Übungen kombinieren, in denen du dich auf den gegenwärtigen Moment konzentrierst.

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