Von Eltern, die emotional abwesend sind

· 26. November 2018

Es gibt verschiedene Situationen, die eine Mutter oder einen Vater dazu bringen können, aus dem Leben ihrer Kinder zu verschwinden. Aber wenn wir einmal an die Kinder denken, könnten wir uns ebenso fragen: Wie oft unterdrücken Kindern von Eltern, die emotional abwesend sind, wohl ihre Gefühle? Warum muss eine Mutter seltsame Geschichten über den Vater erfinden, um ihre Kinder nicht zu verletzen, und umgekehrt?

Emotional abwesende Eltern sind Eltern, die über ihre körperliche Präsenz hinaus keine Funktion erfüllen. Sie geben ihre Autorität, Grenzen, Fürsorge und emotionale Unterstützung an ihren Partner oder andere Figuren ab. Sie fungieren als „indirekte Elternteile“ und provozieren eine psychologische Verlassenheit, die verschiedene emotionale Wunden beim Kind verursachen kann.

„Die schlimmste Krankheit heutzutage ist nicht Lepra, auch nicht Tuberkulose, sondern das Gefühl, sich nicht geliebt, umsorgt und stattdessen von allen verlassen zu fühlen.“

Heilige Mutter Teresa von Kalkutta

Und was, wenn meine Eltern vor mir fliehen wollen?

Eine Kindergärtnerin beobachtete, dass ein Mädchen in ihrer Gruppe recht traurig und nachdenklich war. Worüber machst du dir Sorgen?“,  fragte sie. Darauf antwortete das Mädchen: Über meine Eltern! Papa arbeitet den ganzen Tag, damit ich etwas zum Anziehen und zu Essen haben und in die beste Schule der Stadt gehen kann. Er macht auch Überstunden, damit er mich später mal auf die Universität schicken kann. Und meine Mutter verbringt den ganzen Tag mit Kochen, Putzen, Waschen, Bügeln und Einkaufen, damit ich mir keine Sorgen machen muss.“

„Wo liegt dann das Problem?“,  fragte die Kindergärtnerin. Ich habe Angst, dass sie versuchen, vor mir zu fliehen„, antwortete das Mädchen.

Kleines trauriges Mädchen mit blonden Haaren

Welche Konsequenzen es hat, mit Eltern, die emotional abwesend sind, aufzuwachsen

Kinder, die mit emotional abwesenden Eltern aufwachsen, entwickeln häufiger Verhaltensprobleme. Diese Verhaltensprobleme sind wie ein Schutzschild für diese Kinder, um das starke Gefühl des Verlassenwerdens, der Angst und Unsicherheit nicht preiszugeben.

Bei solch einem Erziehungsstil entwickeln Kinder häufig eine affektive Abneigung, die Zweifel auslöst, wenn sie Beziehungen zu anderen aufzubauen versuchen. Sie sind misstrauisch, weshalb ihnen der Gedanke, jemandem ihre Zuneigung zu schenken, Unbehangen bereitet. Sie haben Angst davor, hintergangen, nicht anerkannt, oder was noch schlimmer ist, ignoriert zu werden.

„Unsere Gefühle sind da, um gefühlt zu werden, aber nicht, um unser Leben zu bestimmen, uns blind zu machen, uns unserer Zukunft oder Energie zu berauben. Denn sobald sie das tun, werden sie toxisch.“

Bernardo Stamateas

All diese Leeren können aus Kindern, die in einem Umfeld aufgewachsen sind, in dem Eltern emotional abwesend waren, emotional abhängig Erwachsene machen. Der Grund dafür ist, dass sie aus Angst davor, verlassen zu werden oder sich allein zu fühlen, an bestimmten Beziehungen festhalten, auch wenn diese negativ sind. Sie halten lieber an Menschen fest, die ihnen nicht guttun, um nicht wieder jemanden in ihrem Leben zu verlieren.

Dieses Erziehungsmodell führt häufig dazu, dass toxische Beziehungen zu anderen Menschen aufgebaut werden. Wegen ihres Bedürfnisses, geliebt zu werden und eine Mutter- oder Vaterfigur zu finden, werden sie Teil eines nicht wünschenswerten und toxischen Umfelds, aus dem sie keinen Ausweg finden wollen oder können.

Wenn es darum geht, sich mit anderen oder sich selbst zu verbinden, empfinden sie eher feindselige Gefühle, verhalten sich defensiv, in der Erwartung, das bald ein Angriff erfolge. Das ist zweifellos eine von vielen Spuren, die Eltern, die emotional abwesend sind, bei ihren Kindern hinterlassen.

Auch wenn Eltern physisch abwesend sind, können sie trotzdem emotional anwesend sein

Auch wenn Eltern manchmal keine andere Möglichkeit haben und die meiste Zeit des Tages außer Haus und von ihren Kindern getrennt sind, ist es dennoch möglich, diese so notwendige emotionale Bindung aufrechtzuerhalten. Die wenige Zeit, die diese Eltern mit ihren Kindern haben, sollte für ihre Kinder physisch und mental gesehen eine erfüllte Zeit sein. Die Rede ist von der Eltern-Kind-Bindung, die prägend für das Leben eines jeden Menschen ist.

Mutter und Vater mit ihrem Kind auf einer Wiese

Für eine gute emotionale Erziehung von Kindern ist es wichtig, nicht in die Falle zu tappen und zu denken, dass ihnen in dieser Zeit zum Beispiel Geschenke kaufen sollte, um etwas wiedergutzumachen. Am wichtigsten ist, mit ihnen verbunden zu sein und gemeinsame Zeit zu verbringen, wie bei einem Essen, bei dem alle anwesend sind, oder ein bisschen mit zu spielen, worauf sie gerade Lust haben.

Es gibt viele Aktivitäten, die nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, wie mit ihnen zusammen zu kochen, den Tisch zu decken, aufzuräumen, spazieren zu gehen, einen Park zu besuchen oder einen Film zu schauen. Alles hängt davon ab, wie qualitativ hochwertig und wie intensiv diese Zeit gestaltet wird.