Von der Wichtigkeit, emotionale Intelligenz jeden Tag anzuwenden

21. Juli 2017 en Emotionen 175 Geteilt

Emotionale Intelligenz ist viel mehr als die Gesamtheit von Stärken und Strategien, die uns helfen, unsere eigenen Gefühle zu identifizieren und mit ihnen umzugehen. Die Rede ist vor allem davon, dass wir von einem authentischen emotionalen Bewusstsein Gebrauch machen, mit dem wir solidere und respektvollere Beziehungen aufbauen können, was gleichzeitig der Schlüssel dazu ist, uns selbstsicherer, erfolgreicher, produktiver und glücklicher zu sehen.

Wir alle haben schon etwas zu diesem Thema gelesen, haben vielleicht an einem Kurs teilgenommen oder uns wurde von der emotionalen Intelligenz dort erzählt, wo wir einen Gr0ßteil unserer Zeit verbringen: Schule, Universität, Arbeitsplatz etc. Viele Menschen verbinden diesen Begriff fast augenscheinlich mit einem bestimmten Namen, mit dem des Psychologen Daniel Goleman, dank dem die emotionale Intelligenz in aller Munde ist.

„Der Schlüssel, um einen hohen Intelligenzquotienten zu erreichen, ist die soziale Harmonie.”

Daniel Goleman

Dieser Begriff tauchte in der Welt der Wissenschaft allerdings bereits zuvor auf, wurde im Jahr 1964 durch Michael Beldoch definiert und thematisiert, lange bevor Goleman sein bekanntes Buch Emotional Intelligence  veröffentlichte. In frühen Artikeln war die Rede von der Kommunikation und der emotionalen Sensibilität, von deren Auswirkungen und der Art und Weise, in der sie unsere Beziehungen und Persönlichkeit bestimmen. Seither wurde dieser Aspekt der Psychologie sehr tiefgründig erforscht, wodurch verschiedene Standpunkte und Sichtweisen entstanden sind.

Es gibt Experten, die die Hypothese zurückweisen, dass die emotionale Intelligenz eine „andere” Art der Intelligenz sei. Für sie handelt es sich hier nur um eine weitere Fähigkeit oder Geschicklichkeit. Jedoch ist die Bedeutung dieser sozial anregenden Theorie für unseren Alltag so groß, dass Daniel Goleman diese Hypothese nicht näher betrachtet: Emotionale Intelligenz verbessert unsere Lebensqualität, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen, unsere Selbstwahrnehmung und sogar unsere Konkurrenzfähigkeit am Arbeitsplatz.

Außerdem sollten die Lehrpläne für Schulen darauf ausgerichtet sein, die Schüler zu kompetenteren, selbstsichereren und glücklicheren Menschen zu erziehen. Diesen Fokus und dieses emotionale Bewusstsein in der Praxis anzuwenden, ist der Schlüssel zu einer angenehmeren persönlichen und sozialen Realität. Und wir erklären dir, warum das so ist.

1. Emotionale Intelligenz: der Schlüssel zu einem glücklicheren Leben

Von Kindesbeinen an wurde vielen von uns beigebracht, dass wir unsere Gefühle mäßigen sollten. Fast unbemerkt empfahlen uns unsere Eltern und Erzieher: „Weine nicht, du bist doch schon groß”, „wenn du wütend bist, dann halte dich zurück”, oder genauso bekannt, „du nimmst dir immer alles so zu Herzen.”

Die Tatsache, dass wir mit der eigenen emotionalen Welt und der anderer nicht sensibel genug umgehen, bestimmt noch heute viele Situationen in unserem Alltag. Im familiären Bereich spüren wir auch heute noch diese Verpflichtung, unsere Gefühle zu verstecken, mal ganz zu schweigen von Gefühlen am Arbeitsplatz, wo noch immer die hochrangigen Unternehmen von Führungskräften geleitet werden, die Firmenziele sofort erfüllt sehen wollen und dadurch ein stressiges, erdrückendes Arbeitsklima erzeugen.

Doktor Goleman empfiehlt uns, dass die emotionale Intelligenz in jedem Lebensbereich präsent sein sollte, in dem wir Beziehungen pflegen und auf etwas ganz Bestimmtes abzielen: ein glücklicheres Leben. Das Geheimnis dahinter sieht folgendermaßen aus:

Wieso emotional intelligente Menschen glücklicher sind

Stellen wir uns für einen Moment die emotionale Intelligenz als eine Antenne vor. Dabei handelt es sich um eine Antenne, die interne und externe Schwingungen empfängt. Dank ihr lernen wir uns besser kennen, verstehen, was uns unsere Gefühle und die anderer sind und ausdrücken.

  • Dank der Emotionalen Intelligenz nehmen wir uns selbst bewusster wahr.
  • Wir können mit unserem emotionalen Universum besser umgehen.
  • Wir bleiben uns selbst treu.
  • Wir entwickeln ein größeres emotionales und kognitives Mitgefühl.
  • Wir erschaffen gleichzeitig ein größeres soziales Bewusstsein.

„Jemandem direkt in die Augen zu sehen, öffnet die Tür zur Empathie.”

Daniel Goleman

2. Wie uns emotionale Intelligenz am Arbeitsplatz hilft

Unser grundlegendes Konzept von Arbeit verändert sich. Neue Aspekte des Arbeitsmarkes, wie die „Gig Economy” oder die Vorstellung einer durch Maschinen und Roboter ausgeführten Arbeit, lassen Experten vor etwas ganz Konkretem warnen: In der Zukunft werden technische Kenntnisse nicht mehr das Wertvollste, sondern persönliche Qualitäten.

Daher werden Fähigkeiten wie Kreativität, eine kritische Denkweise, Erfindergeist und emotionale Intelligenz zu Schlüsselqualifikationen in einer zunehmend automatisierten Arbeitswelt. Hierfür sollen Arbeitskräfte neben ihren Qualifikationen über Fähigkeiten verfügen, die man bis heute in der Ausbildung kaum berücksichtigt.

In Bezug auf die am Arbeitsplatz angewandte Emotionale Intelligenz rät man uns dazu, folgende Fähigkeiten zu entwickeln:

Selbstbewusstsein

  • Emotionales Bewusstsein: Unsere Gefühle und die anderer jederzeit anerkennen.
  • Emotionale Selbstbewertung: Unsere Stärken und Schwächen anerkennen.
  • Selbstvertrauen.

Selbstregulation

  • Selbstkontrolle: Beschreibt die Fähigkeit, in schwierigen Situationen die Kontrolle über uns zu bewahren.
  • Verlässlichkeit: Beschreibt die Fähigkeit, ehrlich und integer zu bleiben.
  • Anpassungsfähigkeit: Beschreibt die Flexibilität, sich Veränderungen anzupassen.
  • Innovation: Beschreibt die Bedeutung dessen, neue Ideen und Ansätze zu akzeptieren und zu erschaffen.

Motivation

  • Auf Erfolg aus sein, um gut in etwas zu sein.
  • Die Verpflichtung, die Ziele des Unternehmens zu verfolgen.
  • Initiative zeigen und vorbereitet sein.
  • Optimistisch und beharrlich sein.

Emotionale Intelligenz als Wegweiser in der Erziehung von Kindern

Emotionale Intelligenz ist ein wichtiger Schlüsselfaktor, der Kinder die Fähigkeit entwickeln lässt, positivere Beziehungen zu ihrer Familie und Gleichgesinnten aufzubauen, um eine ausgeglichenere Einstellung zum Leben anzunehmen und gleichzeitig gute Ergebnisse in der Schule zu erzielen. Letztendlich ist es so, dass wir in außergewöhnlich hohem Maße unsere Lernprozesse, Aufmerksamkeit und unser Gedächtnisleistung steigern, wenn wir mit Frust umgehen können, weil wir wissen, wie wir die eigene Gefühlswelt verstehen und ihr begegnen können.

„Die Fähigkeit, die eigenen Gefühle auszudrücken, stellt eine grundlegende soziale Fähigkeit dar.”

Daniel Goleman

William Osler, ein berühmter Arzt des 19. Jahrhunderts, verwies im Hinblick auf diese Thematik auf etwas Interessantes: Kinder kommunizieren zuallererst mithilfe ihrer Emotionen, so verstehen sie die Welt und so teilen sie sich mit, so verlangen sie nach etwas. Sie drücken sich durch ihre Gefühle aus, interagieren und entdecken die Welt. Und auf diese Weise beginnen sie auch, ihr Bewusstsein zu entwickeln. Aus diesem Grund sollten wir ihnen den Weg weisen, sollten ihre Vermittler und Übersetzer dieser emotionalen Labyrinthe sein, die sie zuweilen in die Ecke der Wehrlosigkeit oder der Frustration treiben, wo sie manchmal bis ins Erwachsenenalter gefangen bleiben.

Dank der emotionalen Intelligenz können wir uns diese grundlegenden und uns stützenden Fähigkeiten aneignen, die Teil des Alltags eines Kindes sein sollten, um mit diesem angemessen umgehen zu können. Sie sind die Grundpfeiler eines glücklichen Lebens voller Wohlbefinden, welche wir ihrem Verstand und Herzen mit auf den Weg geben sollten.

  • Die eigenen Gefühle identifizieren: Kinder sollten schon sehr früh lernen, ihre Gefühle anzuerkennen, sie zu identifizieren und ihnen einen Namen zu geben.
  • Mit der Gefühlslage umgehen können: Je älter ein Kind wird, desto angemessener sollte es mit seinen Gefühlen umgehen und sie kontrollieren können.
  • Selbstmotivation: Eine andere gefühlsorientierte Strategie ist es, seine Emotionen in Richtung eines bestimmten Ziels zu kanalisieren, eine alltägliche Motivation, die das Kind dazu bewegt, seine Ziele und Träume zu erreichen.
  • Empathie: Emotionale Intelligenz bedeutet auch, die Gefühle anderer anzuerkennen und sowohl ihre verbale als auch nonverbale Kommunikation verstehen zu kennen.

So ist es also bei der Erziehung unserer Kinder wichtig, ihnen beizubringen, eine angemessene zwischenmenschliche Interaktion zu beherrschen, bei der Durchsetzungsvermögen und soziale Fähigkeiten zum Einsatz kommen, um zu verhandeln und Konflikte zu lösen, was ihnen zweifellos dabei helfen wird,  in ihrem Alltag angemessene Strategien zu verwenden.

Zusammengefasst können wir sagen, dass die emotionale Intelligenz, wie wir gesehen haben, Einfluss auf jeden Bereich unseres Lebens hat und diese stärkt. Wir sollten aus ihr eine unserer Stärken machen. Sie sollte der Wind unter den Flügeln unseres Lebens sein, um über diese stürmischen und sich verändernden Meere hinweggleiten zu können.

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Quellenangaben

-Daniel Goleman: EQ: Emotionale Intelligenz. dtv Verlagsgesellschaft, 1997.

-Daniel Goleman: The New Leaders: Transforming the Art of Leadership. Sphere, 2002.

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