Von der Kunst, erwachsen zu werden

· 6. Juli 2017

Die Kunst, erwachsen zu werden, verlangt Mut und ein verantwortungsbewusstes Handeln von uns selbst und anderen ab. Ein gesunder Erwachsener zu werden, ist keine leichte Aufgabe, besonders dann nicht, wenn wir daran denken, wie die Gesellschaft, in der wir aufwachsen, aufgebaut ist. Andererseits ist der Weg hin zu unserer physischen und emotionalen Reife auch von dem gezeichnet, was wir in unserer Kindheit erlebt und welche Bindungen wir zu unseren Eltern hatten.

Das physiologische Alter und das soziale Alter stimmen nicht immer miteinander überein. Aber wieso ist das so? Warum fällt es uns oft so schwer, zu reifen?

Warum wollen wir manchmal nicht reifen?

Warum haben manche Menschen so große Schwierigkeiten damit, zu reifen? Wir haben viele Gründe, in einer ewigen Jugend zu schwelgen (bekannt als „Peter-Pan-Syndrom“). Erstens möchte die Gesellschaft von uns, dass wir für immer perfekt und schön bleiben und uns einen jugendlichen Geist bewahren.

Zweitens haben die emotionalen Wunden unserer Kindheit manchmal zur Folge, dass wir nicht gelöste Konflikte mit uns herumtragen und in uns noch ein verletztes Kind zu finden ist, das sich dem Erwachsenwerden widersetzt: Im Grunde genommen ist es beinahe mit der fortdauernden Kindheit einverstanden, wenn es aus ihr nicht ohne tiefe Wunden hervorgehen kann. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns lieber in unserer Komfortzone aufhalten, anstatt unbekannte Gebiete erkunden zu müssen.

Welche Merkmale weist ein Erwachsener auf, der nicht reifen kann?

Es gibt verschiedene Merkmale, die einen Erwachsenen kennzeichnen, der nicht reifen möchte. Die Hauptmerkmale sind:

  • Er hat Bedürfnisse, die in der Kindheit nicht zufriedengestellt wurden und die er nun in der Gegenwart versucht, auszugleichen.
  • Er übertreibt mit seinen Bedürfnissen. Die Befriedigung derselben wird zu einer Besessenheit oder Sucht.
  • Er fühlt sich schuldig und zeigt das unter Umständen durch sein Verhalten, seine Worte und Gefühle.
  • Er unterdrückt seine Gefühle, bis er so viele Emotionen angehäuft hat, dass er sie nicht mehr kontrollieren kann und er explodiert.
  • Er verbirgt die Wunden des Verlassenwerdens und der Ablehnung, die er in seiner Kindheit erlebt hat.
  • Er braucht es, seine Leeren ständig mit etwas Neuem zu füllen und kann sehr abhängig von anderen sein. Aber auch Unabhängigkeit ist möglich, obwohl sich hinter dieser allein das Bedürfnis versteckt, anerkannt und gesehen zu werden.
  • Er kann viel geben, aber normalerweise erwartet er etwas im Gegenzug.

Schuldgefühle hindern uns am Reifen

Denke an ein Kind, dessen Eltern sich gerade trennen. In dieser Situation kann es leicht passieren, dass das Kind ein bestimmtes Verhalten entwickelt, um das Zerbrechen der Familie zu vermeiden, und wenn ihm das nicht gelingt, nimmt es einen Teil der Verantwortung für diese Trennung auf sich. Eine Verantwortung, die sich wegen des Misserfolges, den Bruch zu verhindern, in Schuld umwandelt und zu einer Last wird, die nicht seine sein sollte und die seine Entwicklung beeinträchtigen kann.

Das verletzte Kind wohnt in einem erwachsenen Körper und ist in der Zeit gefangen. Wir müssen dabei beachten, dass nicht sein Alter von Bedeutung ist, ganz gleich ob es 25, 40 oder 60 Jahre alt ist. Diese Schuld wiegt für gewöhnlich sehr schwer auf dieser Person, die nur über eine geringe emotionale Reife verfügt, aber das Aussehen eines Erwachsenen hat.

Das Kind fühlt eine ungesunde Schuld, die es denken lässt, dass es verantwortlich für alles sei, was um ihn herum passiert. Diese vom Kind gefühlte Last ist nicht real, obwohl es sie als wahr erlebt. Wenn wir im Prozess des Erwachsenwerdens unsere Schuld nicht handhaben können, werden wir große Probleme damit haben, unseren alltäglichen Verantwortungen nachzukommen.

Welches ist der Weg, um die emotionale Reife zu erreichen?

Um die emotionale Reife zu erlangen, müssen wir dem Gefühl der Schuld die Stirn bieten, anstatt sie zu vermeiden. Mit dem Gefühl von Schuld umzugehen wird das wichtigste Puzzlestück sein, um mit der Verbindung, die wir zu unseren Gefühlen haben, weiter reifen zu können, sowohl im Hinblick auf unsere eigenen als auch auf die Gefühle anderer.

Um diese Schuld verdauen zu können, ist es notwendig, den Schmerz des Kindes zu erleben, den Schmerz nicht zu vermeiden, sondern ihn wahrzunehmen und ihn im Ganzen und in bewusster Form zu verarbeiten. Wenn wir unsere Vergangenheit hinter uns gelassen haben und uns unseres schweren Rucksacks entledigt haben, wird die Schuld zu einer gesunden Verantwortung, die uns dazu antreibt, zu reifen.

„Das Vertrauen kommt mit der Reife, indem du dich selbst akzeptierst.“

Nicole Scherzinger

Vom Mut, erwachsen zu sein

Die Kunst, gesund erwachsen zu werden, geht nicht nur damit einher, verschiedene Rollen im Leben zu übernehmen (Arbeitnehmer, Partner, Kind, usw.), sondern bedeutet noch viel mehr. Wir müssen uns dem Unbekannten stellen, unsere eigene Identität finden, die anders als die unserer Eltern und unseres Partners ist. Wir müssen unsere Erwartungen zurückschrauben und damit beginnen, uns selbst um unsere Angelegenheiten zu kümmern.

Wenn wir uns selbst schätzen und uns so akzeptieren, wie wir sind, wird uns die Erfahrung im Erwachsenenalter ankommen lassen. Was uns Flügel gibt, um erwachsen zu sein, ist die Freiheit, unsere Gegenwart bewusst zu erleben und die Umstände zu akzeptieren und zu nehmen, genau so, wie sie kommen.

So sind manche Geheimnisse, um zu einem unabhängigen Erwachsenen zu werden folgende: sich nicht länger als das Opfer zu sehen, ständige Beschwerden zu vermeiden und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Nur wenn wir mutig sind und das Unbekannte in unser Leben lassen, werden wir Herr über unser eigenes Leben sein können.

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