Vilayanur Subramanian Ramachandran

14 Juni, 2020
Heute möchten wir dir mehr über die Arbeit von Vilayanur Subramanian Ramachandran, einem sehr bemerkenswerten Neurowissenschaftler, erzählen.
 

Vilayanur Subramanian Ramachandran ist ein Neurowissenschaftler, der für seine Forschungen, sein Wissen und seine fachlichen Beiträge in den Bereichen der Verhaltensneurologie und der visuellen Psychophysik bekannt geworden ist. Er hat zahlreiche Bücher verfasst, in denen er einige der wichtigsten Erkenntnisse der neurowissenschaftlichen Forschung der letzten Jahre beschreibt und erklärt. In unserem heutigen Artikel möchten wir dir mehr über sein Leben und seine wissenschaftlichen Arbeiten erzählen.

Vilayanur Subramanian Ramachandran ist Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der Universität von Kalifornien in San Diego. Darüber hinaus machten ihn seine wissenschaftlichen Publikationen und seine Bücher zu einem der wichtigsten Wissensvermittlern im Fachgebiet der Neurowissenschaft. Tatsächlich erlangte er in der wissenschaftlichen Fachwelt weltweite Anerkennung für seine Leistungen. Außerdem wurde er vom amerikanischen Nachrichtenmagazin Time in der Time 100-Liste zu einem der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2011 ernannt.

Seine bedeutendsten Beiträge beziehen sich auf Spiegelneuronen, Phantomglieder, Synästhesie, die gebrochene Spiegel-Theorie des Autismus und Schlafparalyse. Seine Forschungen helfen uns, das menschliche Bewusstsein besser zu verstehen.

Kindheit und Ausbildung

Ramachandran - Gehirn
 

Vilayanur Subramanian Ramachandran wurde 1951 in Madras (heute Chennai) im indischen Bundesstaat Tamil Nadu geboren. Er ist der Sohn eines Ingenieurs der Vereinten Nationen, der als Diplomat in Bangkok, Thailand, gearbeitet hat. Daher besuchte er britische Schulen in Madras (Indien) und in Bangkok (Thailand).

Nachdem er sein Medizinstudium an der Universität von Madras in Chennai (Indien) erfolgreich abgeschlossen hatte, promovierte er in experimenteller Neurowissenschaft an der Universität von Cambridge. Daraufhin verbrachte er an der Seite von Jack Pettigrew zwei Jahre als Forscher an der Technischen Hochschule Kaliforniens, auch Caltech genannt.

Im Jahr 1983 wurde er als Assistenzprofessor für Psychologie an die Universität von Kalifornien berufen, wo er seither als Professor tätig ist.

Die wissenschaftliche Karriere von V. S. Ramachandran

Seine ersten Forschungsarbeiten beschäftigten sich mit der visuellen Wahrnehmung des Menschen. Dann, in den frühen 1990er Jahren, konzentrierte sich Ramachandran auf neurologische Syndrome wie körperliche Integritätsstörung, Phantomglieder und das Capgras-Syndrom.

Obwohl er relativ selten komplexe Technologien wie das Neuroimaging bei seinen Forschungen einsetzte, inspirierten seine Erkenntnisse dennoch viele neue Ideen über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns.

Darüber hinaus ist er der Direktor einer Forschungsgruppe, dem Zentrum für Gehirn und Kognition (CBC). Sie setzt sich aus Studenten und Wissenschaftlern der Universität von Kalifornien zusammen. Diese Gruppe hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel über eine ganze Reihe neuartiger neurowissenschaftlicher Theorien veröffentlicht.

 

Vilayanur Subramanian Ramachandran und Phantomglieder

Als Phantomglied wird ein Körperglied bezeichnet, das ein Patient durch eine Operation oder einen Unfall verloren hat, jedoch trotzdem weiterhin spürbar ist.

Ramachandran theoretisierte über dieses Phänomen und kam zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zwischen Phantomgliedern und der neuronalen Plastizität in erwachsenen menschlichen Gehirnen besteht.

Außerdem zeigten seine Forschungsergebnisse, dass aufgrund des fehlenden Körpergliedes im somatosensorischen Kortex des menschlichen Gehirns merkliche Veränderungen auftreten. Daher veranlassten ihn seine Schlussfolgerungen dazu, die Hypothese zu verteidigen, dass ein Zusammenhang zwischen der kortikalen Reorganisation und dem Fühlen des Körperglieds besteht, obwohl dieses nicht mehr vorhanden ist.

Der Spiegelkasten

Außerdem ist V. S. Ramachandran der Erfinder des Spiegelkastens und der visuellen Rückmeldung dieses Spiegels. Daher wenden viele Fachleute heute die Spiegeltherapie an, um lähmende und schmerzhafte Phantome bei Phantomgliedpatienten zu behandeln. So konnte mit dem Spiegelkasten in vielen Fällen die Beweglichkeit wieder hergestellt werden. Darüber hinaus trägt diese Therapie auch zur Linderung von Phantomschmerzen im amputierten Körperglied bei.

Eine Studie aus dem Jahr 2014 ergab, dass diese Therapie durch einen besseren kognitiven Einblick in die Kontrolle der ausgeführten Handlungen einen starken Einfluss auf das motorische Netzwerk ausüben kann. Allerdings gibt es andere Studien, die zu dem Schluss kamen, dass es nicht genügend wissenschaftliche Beweise gibt, um die Wirksamkeit dieser Therapie zu bestätigen.

 

Synästhesie

Ramachandran - Photo

Als Synästhesie wird ein Phänomen bezeichnet, bei dem manche Menschen Farben sehen, wenn sie Musik hören. Außerdem gibt es Synästheten, die Zahlen mit Farben oder Texturen mit Emotionen assoziieren. Bei diesen Menschen werden also zwei oder mehr Wahrnehmungssysteme aktiviert, wenn sie einen bestimmten Reiz erleben.

V. S. Ramachandran führte zahlreiche Studien zu diesem Phänomen durch. Außerdem war er einer der ersten Wissenschaftler, der vermutete, dass Synästhesie durch eine kortikale kreuz-neurologische Aktivierung hervorgerufen wird. Darüber hinaus entwickelte Ramachandran mit seinem Team zahlreiche Tests, um dies zu untersuchen.

Vilayanur Subramanian Ramachandran über Spiegelneuronen

Giacomo Rizzolatti von der Universität in Parma war der erste Wissenschaftler, der über Spiegelneuronen sprach. Außerdem veröffentlichte er im Jahr 1922 einen Artikel zu diesem Thema. V. S. Ramachandran konzentrierte sich in seiner Arbeit jedoch auf die Rolle der Spiegelneuronen. Außerdem untersuchte er intensiv die Beziehung, die diese Neuronen mit verschiedenen menschlichen Fähigkeiten wie Empathie, Lernen und Sprachentwicklung haben.

 

In diesem Zusammenhang hat V. S. Ramachandran auch vorausgesagt, dass Spiegelneuronen ein einheitliches Gerüst schaffen würden, mit dem sich einige mentale Fähigkeiten erklären lassen könnten, deren genaue Prozesse wir bisher noch nicht kennen. Ebenso verglich er die Bedeutung der Entdeckung von Spiegelneuronen in der Psychologie mit der Bedeutung der Entdeckung der DNA für die Biologie.

Ramachandran V. S. (1998). Consciousness and body image: lessons from phantom limbs, Capgras syndrome and pain asymbolia. Philosophical transactions of the Royal Society of London. Series B, Biological sciences, 353(1377), 1851–1859. doi:10.1098/rstb.1998.0337

Ramachandran V.S., Hirstein W. The perception of phantom limbs: The D.O. Hebb Lecture. Brain. 1998;1211603- 1630

Ramachandran, V. S. & Marcus, Z. (2017). Synesthesia and the McCollough Effect. I-Perception. https://doi.org/10.1177/2041669517711718