Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft deines Selbstkonzepts

Das Selbstkonzept ist eine komplexe psychische Struktur, die wir in diesem Artikel etwas genauer beleuchten.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft deines Selbstkonzepts
Gorka Jiménez Pajares

Geschrieben und geprüft von der Psychologe Gorka Jiménez Pajares.

Letzte Aktualisierung: 24. Januar 2023

Die Antwort auf die Frage “Wer bin ich?” beschreibt das Selbstkonzept, das heißt die eigene Identität, die sich durch Werte, Gedanken und Gefühle definiert. In diesem Artikel analysieren wir, wie wir Menschen unser Selbstkonzept organisieren: Wir sprechen über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft deines Selbstkonzepts.

Die Integration von Gefühlen, Gedanken, Erlebnissen und Werten ermöglicht den kohärenten Aufbau deiner Identität, die einzigartig und unwiederholbar ist. Du bist in der Lage, dich selbst wahrzunehmen, da du die Fähigkeit der Metakognition besitzt: Du kannst über dich selbst und über die psychologischen Prozesse, die in deinem Gehirn ablaufen, nachdenken, um dich zu erkennen.

Frau blickt in den Spiegel und denkt an die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihres Selbstkonzepts
Das Selbstkonzept bleibt im Laufe der Zeit relativ stabil, es ist jedoch trotzdem dynamisch und nicht starr und statisch.

Das Selbstkonzept ist eine komplexe psychische Struktur. Es wird durch das Wissen definiert, das du über dich selbst besitzt und beschreibt deine Essenz, dein Wesen, das mit deiner biografischen Geschichte übereinstimmt.

H. Markus hat sich eingehend mit dem Selbstkonzept beschäftigt. Dieser Autor unterscheidet zwei Arten von Selbstrepräsentationen – die periphere und die zentrale:

Periphere Repräsentationen der Selbstkonzepts

Sie sind weniger selbstbestimmend, weil sie auf kognitiver und emotionaler Ebene weniger ausgearbeitet sind. Diese Repräsentationen beruhen zu einem geringeren Teil auf den Daten, die die Person im Laufe ihres Lebens sammelt. Es handelt sich um Eigenschaften, die von der Person nicht hochgeschätzt werden und folglich für das Selbstkonzept nicht essenziell sind.

Zentrale Repräsentationen des Selbstkonzepts

Es handelt sich um eigentümliche, idiosynkratische, wesentliche und besondere Aspekte des Selbst. Diese Repräsentationen bestehen aus Schemata, die unsere Denkweise und unsere Art zu fühlen und zu handeln bestimmen. Wir reagieren auf eine bestimmte Weise, weil wir das in unserer persönlichen Geschichte so gelernt haben.

Das Selbstkonzept und die Zeit

Markus unterscheidet außerdem drei zeitliche Ebenen: vergangene, gegenwärtige und zukünftige Selbstbilder.

Vergangenes Selbstkonzept

Die Selbstidentität oder das Selbstkonzept der Vergangenheit bezieht sich auf das Wissen und die Wahrnehmung, die eine Person von ihrem vergangenen Selbst hat. Wie hast du dich als Kind oder Teenager selbst wahrgenommen? Welche Meinung hast du dir über dich selbst gebildet? Wie warst du bei deinem ersten Kuss? In welcher Weise hat dich deine erste gescheiterte Beziehung verändert? Erfahrungen und Menschen verändern dein Selbstkonzept.

“Das seltsame Paradoxon ist, dass, wenn ich mich so akzeptiere wie ich bin, ich die Möglichkeit erlange, mich zu verändern.”

Carl R. Rogers

Gegenwärtiges Selbstkonzept

Das gegenwärtige Selbstkonzept umfasst alle Eigenschaften, Gedanken und Einstellungen, mit denen du dich in der Gegenwart definierst. Dein derzeitiges Ich erstreckt sich allerdings auch auf deine Vergangenheit und deine Zukunft.

“Erfahrung ist für mich die höchste Autorität.”

Carl R. Rogers

Frau denkt über die Zukunft ihres Selbstkonzepts nach
Das gegenwärtige Selbstkonzept beschreibt dich so, wie du dich jetzt betrachtest und definierst.

Zukünftiges Selbstkonzept

Wie möchtest du sein? Was möchtest du an dir ändern? Wie würdest du gerne denken? Das zukünftige Selbstkonzept ist die Gesamtheit der Hoffnungen, Ängste, Sehnsüchte und Wünsche, die für dich wichtig sind. Dazu gehören auch die Fähigkeiten, die du dir aneignen möchtest, und die Schwächen, die du stärken willst.

Das zukünftige Selbstkonzept ist ein Motivator, um neue Verhaltensweisen zu initiieren, die dich deinen Wünschen und Zielen näher bringen. Natürlich gehört dazu auch die Angst, weit davon entfernt zu sein, sie zu erreichen, und das Wissen, dass erhebliche Anstrengungen notwendig sind.

Die Selbstbilder können als kognitive Brücken zwischen dem vergangenen Selbstkonzept (was du warst), dem gegenwärtigen Selbstkonzept (was du hier und jetzt bist) und dem zukünftigen Selbstkonzept (was du willst oder sein kannst) fungieren und die mentale Konstruktion geeigneter Szenarien und Handlungsweisen begünstigen.

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  • Paniagua, S. Á. M. (2022). Introduccion Al Estudio De Las Diferencias Individuales (2 Ed.). Sanz Y Torres, S.l.
  • Garma Sordo, A. M. (1989). Autoconcepto y motivación en el aprendizaje.
  • González-Pienda, J. A., Pérez, J. C. N., Pumariega, S. G., & García, M. S. G. (1997). Autoconcepto, autoestima y aprendizaje escolar. Psicothema, 271-289.

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