Untreue als Rache: eine sehr schädliche Strategie

Untreue zu begehen, um Rache auszuüben, ist keine Lösung. Ganz im Gegenteil: damit verschlimmert sich das Problem.
Untreue als Rache: eine sehr schädliche Strategie

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 29. Juli 2022

Untreue als Rache zu nutzen, ist eine häufige Strategie, die jedoch sehr schädlich ist. Es handelt sich um den irrationalen Drang, den Partner zu bestrafen. Das Problem ist, dass dieses Verhalten keine Lösung ist und in den meisten Fällen bereut wird, da es nur sinnloses Leid verursacht. Die Wunde wird größer und es entsteht oft unüberbrückbare Distanz.

Warum entscheiden sich manche Menschen für Rache, anstatt ihre Probleme zu lösen? Die Antwort liegt in der Zerbrechlichkeit der Gefühle: Betrug in einer Beziehung löst so großen Schmerz aus, dass manche das Bedürfnis haben, dem Partner dieselbe Strafe aufzuerlegen, nach dem Motto: “Auge um Auge, Herz um Herz.”

Carl G. Jung wies darauf hin, dass hinter dem Drang nach Rache unser eigener Schatten steht. Das heißt, die dunklere Seite unserer Persönlichkeit, die wir deaktivieren müssen, um zu reifen. Ein schwieriger Weg, dessen Ziel nicht jeder erreicht.

“Sie werden dich nie für etwas Besseres austauschen, sondern für etwas Einfacheres.”

Untreue als Rache: eine sehr schädliche Strategie
Untreue in einer Beziehung führt in den meisten Fällen zur Trennung.

Untreue als Rache, ein sehr alter Impuls

Untreue ist eine sehr schwierige Erfahrung, die Gründe dafür sind vielseitig und unvorhersehbar. Manchmal geht es um Verliebtheit, in anderen Fällen um rein sexuelles Verlangen. Probleme in der Beziehung, das Bedürfnis nach neuen Abenteuern, der Stärkung des Selbstwertgefühls oder auch Rache sind häufige Ursachen.

Untreue als Rache scheint zunächst absurd zu sein, doch viele finden darin einen legitimen Mechanismus, um ihre Wut auszudrücken. Es handelt sich um einen irrationalen, unbewussten Impuls, der auf zwei Dinge abzielt: Der Partner soll wissen, wie sich das anfühlt und dieselbe Erfahrung machen. Außerdem sollen damit Veränderungen erzielt werden. Die Absicht ist, Reue herbeizuführen. Allerdings erreicht dieses Verhalten weder das eine, noch das andere Ziel. Das Ergebnis: mehr Schmerz und mehr Probleme.

Der Wunsch zu verletzen: Empathie wecken und die Würde zurückgewinnen

Es mag weit hergeholt erscheinen, absurd und völlig irrational. Untreue als Rache hofft jedoch auch, Empathie in der anderen Person zu wecken. Eine Studie der Universität Calgary berichtet über diese Erfahrung in der Universitätsgemeinschaft.

Der Wunsch nach Vergeltung nach einem Betrug in einer Beziehung dient nicht nur dazu, Veränderungen zu provozieren. Es geht auch um die Hoffnung, dass die untreue Person erkennt, welches Leid sie verursacht hat. Wie wir daraus schließen können, sind es Emotionen und nicht die Vernunft, die diese Art von Verhalten leiten und antreiben.

Es gibt aber auch oft eine andere Motivation: den Wunsch nach Macht und Wiederherstellung der Würde. Eine emotionale Verletzung gleicht einer Demütigung, deshalb versuchen Betroffene durch Untreue als Rache, Macht in der Beziehung zurückzugewinnen und sich zu behaupten.

Untreue ist eine der schwierigsten Erfahrungen in einer Beziehung. Rache zu üben und die andere Person zu verraten, führt oft dazu, dass das Vertrauen in diese Bindung für immer zerbricht.

Was sind die Folgen von Untreue als Rache?

Untreue ist ein Angriff auf das Vertrauen. Das gleiche Verhalten als Rachemechanismus zu benutzen, zerstört die Beziehung weiter und füllt sie mit Schmerz und Groll. Es handelt sich um eine unreife Reaktion mit vielfältigen Folgen:

  • Der Wunsch, die andere Person nach einer Untreue zu verletzen, löst die Situation nicht: Er kann sie irreparabel machen.
  • Es ist eine Form der emotionalen Selbstverletzung. Das Bedauern nach einer solchen sexuellen Begegnung kann immens sein.
  • Wenn es irgendeine Hoffnung gab, die Beziehung zu retten, ist sie nach dieser Handlung zerstört.
  • Es ist sehr schwierig, das Vertrauen in einer Beziehung wiederherzustellen, in der beide Partner untreu waren.

Die Universität von Montana hat in einer Forschungsstudie die Auswirkungen von Untreue als Rache untersucht. Die überwiegende Mehrheit der Befragten gab an, danach Reue und Angst zu empfinden.

Untreue als Rache ist keine Lösung
Nach einem Seitensprung Rache zu üben, kann Wut, Reue und Angst verstärken.

Was tun nach einem Seitensprung?

Wenn dir deine Beziehung trotzdem wichtig ist, ist Betrug aus Rache keine gute Wahl. Wie Carl G. Jung zu Recht feststellte, nährt der Drang nach Rache nur das Schlimmste in uns, den Schatten, der immer Unbehagen und Unglück bringt. Es ist klar, dass ein Verrat weh tut und Rachegelüste folgen können.

Diese Reaktion löst jedoch nichts, sondern vergrößert nur den Schmerz und zermürbt die eigene Würde. In solchen Fällen ist es notwendig, ehrlich zu sein und über das Fehlverhalten des Partners oder der Partnerin zu sprechen. Der Dialog ist der essenzielle Nährstoff für jedes Beziehungsproblem, er ermöglicht es, zu verstehen und zu einer Reihe von Vereinbarungen oder Lösungen zu gelangen.

Nicht immer ist es möglich, den Verrat einer Untreue zu vergeben. Das ist eine legitime Option. Trotzdem ist es wichtig, die Gründe zu verstehen, die die andere Person zu diesem Verhalten veranlasst haben. Vielleicht hat sie sich eine zweite Chance verdient, vielleicht ist Distanz die einzige Lösung. Auf Rache zu setzen, ist weder respektabel noch vorteilhaft.

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