Unterdrückte Emotionen prägen sich ein

· 5. Dezember 2018

Wissen wir wirklich, was in unserem Kopf vor sich geht? Kennen wir uns selbst? Wissen wir, wie wir kontrollieren können, was in uns geschieht, damit es sich nicht negativ auf die Menschen um uns herum auswirkt? Wissen wir wirklich, was wir empfinden und wie wir uns in jedem Moment fühlen? Das Wissen um unsere unterdrückten Emotionen kann unsere mächtigste Waffe sein, um unser Verhalten zu erkennen und zu verstehen.

Im Bereich der Neurowissenschaften hat man Ende des zwanzigsten Jahrhunderts angefangen, die neuronalen Schaltkreise und die Funktionsweise des Gehirns in Bezug auf Emotionen zu entdecken und zu entschlüsseln. Unserer Art, zu fühlen, wurde endlich die Bedeutung beigemessen, die sie verdiente. Emotionen galten nicht länger als einfache, automatische Reaktionen, sondern begannen, im wissenschaftlichen Bereich Relevanz zu erlangen, wenn es darum ging, menschliches Verhalten zu begreifen.

In diesem Moment gewann die Idee an Kraft, dass es wirklich notwendig sei, die Gesellschaft in der Fähigkeit zu unterrichten, Emotionen zu identifizieren, zu verstehen und zu handhaben, um zu vermeiden, dass sie zu unterdrückten Emotionen werden, die unser Verhalten leiten.

„Jede verdrängte Emotion wird heimlich Einfluss auf unser Verhalten ausüben.“

Elsa Punset

Deshalb ist es so wichtig, unsere unterdrückten Emotionen zu identifizieren. Es geht darum, uns selbst zu kennen und uns die Möglichkeit zu geben, zu verstehen, was in uns geschieht, um es zu handhaben und für das Verantwortung zu übernehmen, was wir fühlen, denken und tun.

Hand mit Herz

Unterdrückte Emotionen zu verstehen, bedeutet, unsere Identität zu kennen

Zu wissen, was in uns passiert, bedeutet, uns selbst zu kennen. Die unterdrückten Emotionen sind diejenigen, die wir nicht hören wollen oder denen wir vage Bedeutung beimessen; sie sind jedoch diejenigen, die die meiste Kraft aufbringen und am Ende unser Verhalten und unsere Gedanken leiten.

„Was du leugnest, unterwirft dich. Alles, was uns passiert, richtig verstanden, führt uns zu uns selbst.“

Carl Gustav Jung

Die Identifikation unserer Emotionen gibt uns die Chance, nachzuvollziehen, warum wir auf die eine oder andere Weise handeln. Unsere Erfahrungen führen uns dazu, die Welt auf eine besondere und einzigartige Weise zu betrachten. Jeder Mensch filtert nach seinen Gefühlen, weshalb auch jeder anders handelt. Und jede Situation erzeugt eine andere Emotion in uns, und deshalb führt das Wissen über uns selbst dazu, dass wir verstehen, warum wir agieren, wie wir es tun.

Wenn wir Emotionen wie Wut unterdrücken, wenn wir uns von der Angst mitreißen lassen, wenn wir es uns nicht erlauben, traurig zu sein, wenn Rache sich durchsetzt oder es der Schmerz ist, der spricht, geben wir die Kontrolle ab. Es sind dann jene Empfindungen, die sich über unser Tun Ausdruck verleihen.

Eine Emotionsstudie der Stanford University (Kalifornien, USA) ergab, dass Menschen mit einer Tendenz zur Unterdrückung ihrer Gefühle mit einer viel größeren physiologischen Aktivierung auf Triggersituationen reagierten als andere, die regelmäßig – in gesundem Maße – Angst oder Wut zeigen.

Aus diesem Grund ist es auch normal, dass Menschen, die ihre Gefühle nicht ausdrücken oder größere Schwierigkeiten haben, eher somatische Probleme wie Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, dermatologische Reaktionen oder kompliziertere Krankheiten haben. Unsere Emotionen verwandeln sich und finden durch für uns weniger funktionale Methoden Wege der Kanalisierung.

Hand mit Schlüssel

Das Gedächtnis unseres Körpers und unseres Geistes

Manchmal stehen wir vor Situationen und reagieren auf eine Art und Weise, die uns überrascht. Dies geschieht wegen der Erinnerung an unsere Erfahrungen, die wir manchmal bewusst und manchmal unbewusst integrieren. Wenn wir Emotionen unterdrücken, integrieren wir nicht und erlauben ihnen, in unser Gedächtnis zu gelangen, ohne es zu merken.

Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, was in uns abläuft und was wir in jedem Moment fühlen. Wenn wir nicht wissen, wie wir unsere Emotionen identifizieren können, dann werden wir auch nicht in der Lage sein, sie zu handhaben. Der erste Schritt muss es also sein, uns um die Emotionen zu kümmern und ihnen eine Stimme zu geben, wenn sie darum bitten. Wenn wir diesen Schritt nicht tun, ermutigen wir sie, autonom zu handeln.

Wenn wir wissen, was passiert, dann können wir gestalten und verstehen, warum es so geschieht. In dem Moment, in dem wir zuhören, versetzen wir uns in die Lage, unser Verhalten zu verstehen und zu steuern, um integriert und verständlich zu handeln. Nur wenn wir den unterdrückten Emotionen eine Stimme geben, gehen wir den Weg, um unsere wahre Identität zu erkennen.