Unrealistische Erwartungen und das Bedürfnis nach Kontrolle

Wenn du an dich selbst unrealistische Erwartungen stellst und permanent das Gefühl hast, alles unter Kontrolle haben zu müssen, wird dir das nicht dabei helfen, dein volles Potenzial auszuschöpfen. Darüber hinaus wirkt sich dies auch nicht förderlich auf dein allgemeines Wohlbefinden aus.
Unrealistische Erwartungen und das Bedürfnis nach Kontrolle

Letzte Aktualisierung: 21. Januar 2021

Das moderne Leben bringt so viele unterschiedliche Verantwortlichkeiten mit sich: die Arbeit, soziale oder familiäre Verpflichtungen und vieles mehr. Daher kann man sich häufig nur schwer diesem Sog entziehen und ergänzt all dies noch mit weiteren Erwartungen und Anforderungen an sich selbst. In unserem heutigen Artikel wollen wir daher ausführlicher auf solch unrealistische Erwartungen und das Bedürfnis nach Kontrolle eingehen.

Manchmal ist es beinahe unmöglich, sich nicht von der Geschwindigkeit und all den Anforderungen des modernen Lebens mitreißen zu lassen. Jeder von uns hat eine scheinbar endlose To-Do-Liste, einen vollgepackten Terminkalender und einen straffen Zeitplan. All dies soll uns helfen, uns besser zu organisieren und unsere Zeit optimal auszunutzen, um auch noch alle anstehenden Hausarbeiten und Familienangelegenheiten in den Griff zu bekommen.

“Bin ich eine gute Mutter (oder ein guter Vater)?”, “Wird mein Chef anerkennen, dass ich länger bei der Arbeit bleibe?”, “Ich darf mir keine Fehler erlauben” oder “Mögen mich meine Freunde wirklich?” sind nur einige der zahlreichen Fragen und Sorgen, die vermutlich auch dich beinahe täglich beschäftigen.

Unrealistische Erwartungen - nachdenkliche Frau

Unrealistische Erwartungen

Selbst auferlegte und häufig unrealistische Erwartungen und Ziele können zu der irrigen Annahme führen, dass Perfektion in beinahe jedem Aspekt des Lebens erreicht werden kann und muss.

Natürlich kann das Setzen von Zielen dir in mancher Hinsicht dabei helfen, deinem Leben einen Sinn zu geben. Wenn du dir allerdings unerreichbare Ziele setzt, kann dies zu einem Problem werden. Vielleicht sind diese aufgrund unmöglicher Ideale entstanden oder sie sind schlichtweg unrealistisch. Ein Beispiel hierfür könnte der Vorsatz sein “Ich werde niemals zu spät zur Arbeit kommen”.

Ich muss versus ich will

  • Zunächst einmal solltest du dir überlegen, ob die Ziele, die du dir gesetzt hast, ausschließlich von dir selbst abhängen. Mit anderen Worten kannst du diese Ziele mithilfe deiner persönlichen Qualitäten und Fähigkeiten und im Hinblick auf deine persönlichen Lebensumstände tatsächlich erreichen?
  • Anschließend solltest du dir die Frage stellen, ob dieses Ziel tatsächlich etwas ist, das du erreichen willst oder ob du es dir nur aufgrund gesellschaftlicher oder beruflicher Drucksituationen setzt? Oder verbergen sich dahinter einfach nur eigene unrealistische Erwartungen?

Folgende Reflexionsübung könnte dabei sehr hilfreich sein: Versuche einmal, deine täglichen Aufgaben und Aktivitäten in zwei Kategorien aufzuteilen, je nachdem, ob du sie als Verpflichtung oder als persönliche Entscheidung betrachtest. In der ersten Spalte schreibst du “Ich muss” und in der zweiten “Ich möchte oder ich würde gerne”. Hier sind einige Beispiele:

“Ich muss dieses Wochenende zu Hause bleiben, weil ich putzen, Wäsche waschen und bügeln muss. Allerdings würde ich gerne an den Strand gehen, weil ich mich für ein paar Stunden ablenken und entspannen möchte.”

Unterscheidung zwischen Verpflichtung und freier Entscheidung

Wenn du mit einer derartigen Situation konfrontiert bist, wirst du vermutlich sofort damit beginnen, das Für und Wider jeder Option abzuwägen: “Hausarbeit erledigen” oder “An den Strand gehen”. Hier erkennst du sehr deutlich die Notwendigkeit der Kontrolle und verstehst, warum es wichtig ist, das Leben zu kategorisieren. In Dinge, die du selber möchtest und Aufgaben und Pflichten, die von dir erwartet werden (oder von denen du glaubst, sie würden von dir erwartet werden).

Möglicherweise versagst du dir auch dein Bedürfnis nach Erholung am Strand und lieferst dir selber gleich die Entschuldigung dafür mit. Wenn ich heute gehe, dann werde ich am Montag noch mehr zu tun haben. Ich muss die liegen gebliebene Hausarbeit erledigen, zur Arbeit gehen und allen anderen familiären Verpflichtungen nachkommen. Es ist genau diese Angst und die negative Erwartungshaltung, die eine Besessenheit auslöst, dass du deine Zeit stets optimal nutzen und jederzeit produktiv sein musst.

Aber die einfache Tatsache, dass du in dieser Haltung über diese Verpflichtungen nachdenkst, verleiht ihnen noch mehr Gewicht. Gefangen in deinen eigenen Erwartungen tröstest du dich dann vielleicht mit dem Satz “Das nächste Wochenende kommt bestimmt”.

Unrealistische Erwartungen - nachdenkliche Frau mit Brille

Das Bedürfnis, alles unter Kontrolle haben zu müssen

Jeder Mensch muss lernen zu akzeptieren, dass sich das Leben permanent verändert und entwickelt. So sehr du dich auch darum bemühst, du kannst unmöglich alles unter Kontrolle haben. Sobald du dies akzeptiert hast, kannst du damit beginnen, Entscheidungen zu treffen, die auf deinen persönlichen Anliegen, Bedürfnissen, Freuden und Wünschen basieren. Dies trägt wiederum zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden bei.

Wenn du dein Leben selber in die Hand nimmst und derartig unrealistische Erwartungen nicht mehr zulässt, kannst du dich dadurch von dem Stress, Druck und all den Frustrationen befreien, die solche selbst auferlegten Verpflichtungen erzeugen.

Wenn du dir diese Last von deinen Schultern nimmst, erlaubst du dir selber Folgendes:

  • Der Mensch zu sein, der du wirklich bist, ohne innere Bewertungen oder Kritik.
  • Dich selbst für das zu lieben, was und wer du bist und deine persönlichen Qualitäten wertzuschätzen. Und zu akzeptieren, dass jeder Mensch Fehler macht.
  • Durchsetzungsfähig zu sein und den Mut zu finden, ohne Schuldgefühle “Nein” zu sagen.
  • Dir Zeit dafür zu nehmen, um dich um deine psychische und physische Gesundheit zu kümmern.
  • Darüber hinaus erlaubst du dir, deine eigenen Leistungen und Erfolge und auch die Anstrengungen, die du unternommen hast, um sie zu erreichen, anzuerkennen.
  • Außerdem machst du dich dann endlich zu deiner obersten Priorität. Du achtest auf deine Bedürfnisse, ohne das Gefühl zu haben, egoistisch zu handeln.

Anstatt unrealistische Erwartungen an dich selbst zu stellen, solltest du versuchen, dich an Situationen anzupassen

In seinem Buch The Pursuit of Perfect: How to Stop Chasing Perfection and Start Living a Richer, Happier Life (auf Deutsch: Das Streben nach Perfektion: Wie du aufhörst, der Perfektion nachzujagen, und beginnst, ein erfüllteres und glücklicheres Leben zu führen) schrieb der Harvard-Professor Tal Ben-Shahar Folgendes: “Wir streben jeden Tag danach, das Unmögliche zu erreichen”. Laut Ben-Shahr sind 86 % der Menschen Perfektionisten. Allerdings ist genau dieses andauernde Streben nach Perfektion häufig die hauptsächliche Ursache für unser Unglücklichsein.

Zu lernen, “den Fuß vom Gaspedal zu nehmen”, ist zwar keine einfache Aufgabe, dafür kann sie aber sehr lohnend sein. Während dieses Prozesses könntest du Folgendes für dich entdecken:

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