Kontrollierende und besitzergreifende Männer: Hauptmerkmale und Verhaltensweisen

· 29. November 2018

Obwohl es keinen Prototyp des kontrollierenden und besitzergreifenden Mannes gibt, gibt es dennoch eine Reihe von gemeinsamen Merkmalen und Verhaltensweisen, durch die wir sie als solche identifizieren können. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass diese Männer, was ihren sozialen und wirtschaftlichen Status, ihr Alter, ihre Bildung, religiöse Glaubenssätze, politische Tendenzen und ihre Erziehung anbelangt, sehr unterschiedliche Individuen sein können.

Abgesehen von ihren Eigenschaften, die wir nachstehend erklären werden, zeichnet sich ihr Modus operandi  generell dadurch aus, wie sie eine Beziehung beginnen und im späteren Verlauf dieser machthaberische und autoritäre Verhaltensweisen an den Tag legen. Manchmal werden diese auf eine subtile und beinahe nette Weise gezeigt, andere Male sind sie einfach nur skrupellos. Dadurch werden um den Partner herum nach und nach regelrechte Gefängnismauern errichtet.

Die ersten Alarmsignale sind eine negative Haltung, Verachtung und Ablehnung dem Partner gegenüber. Als falsche Bescheidenheit getarnt, mit der Ausrede, dass es sich nur um gut gemeinte Ratschläge handelte, damit er sich verbessern könne. Auch wird der Partner über jedes noch so kleine Detail seines Alltags verhört. Das Problem dabei ist, dass das Opfer nach und nach seine Identität verliert und immer schmerzresistener gegenüber jenem Verhalten wird, das Leid und Schmerz erzeugt. Jedes seiner Worte wählt es gezielt aus, um zu gefallen.

Zu Beginn der Beziehung mag das Verhalten noch normal erscheinen, wie zum Beispiel dass der Partner sich nach dem Tag des anderen erkundigt, ihm Nachrichten schickt oder ihn mehrmals am Tag anruft. Aber wo verläuft die Grenze?

Gefährlich wird es in dem Moment, in dem der Wunsch, zu wissen, was der andere macht, zu einer Obsession, in dem Interesse zu Kontrollwahn wird. Das Problem ist, dass sich eine kontrollierende Persönlichkeit normalerweise nicht am Anfang einer Beziehung zeigt, sondern erst im Laufe der Zeit ans Licht kommt.

Obwohl diese Verhaltensweisen sowohl bei Männern als auch bei Frauen gegeben sein können, werden wir uns in diesem Artikel auf die Eigenschaften konzentrieren, die kontrollierende und besitzergreifende Männer, sehr unsichere und misstrauische Individuen, definieren.

„Verteidige dein Leben, kämpfe für deine Unabhängigkeit, suche dein Glück und lerne, dich zu lieben.“

Izaskun González

Zorniger Mann telefoniert mit seinem Handy

Kontrollierende und besitzergreifende Männer

Eine obsessive Persönlichkeit

Kontrollierende und besitzergreifende Männer zeichnen sich durch eine obsessive Persönlichkeit aus. Sie versuchen stets, alles zu kontrollieren, was sie umgibt, und scheinen ständig in der Defensive zu sein. Sie werden leicht wütend und versuchen manchmal, ihre Aggressivität zu unterdrücken.

Die Obsession, jederzeit zu kontrollieren, wo sich der Partner befindet, mit wem er spricht oder welche Freundschaften er pflegt, wird zur „Hauptaufgabe“ in der Beziehung. Auch wenn wir unserem Partner gesagt haben, was wir machen und wo wir hingehen werden, versucht er trotzdem, es zu überprüfen, sei es durch uns oder unsere Familienmitglieder und Freunde, um bestätigt zu bekommen, dass das, was wir gesagt haben, der Wahrheit entspricht.

Wir sollten nicht vergessen, dass jeder von uns ein freier Mensch ist und niemand das Recht hat, darüber zu entscheiden, mit wem wir uns treffen oder wie wir uns anziehen. Das ist nicht nur respektlos, sondern ist auch ein Einschnitt in unserer Freiheit.

Krankhafte Eifersucht

Eifersucht entsteht aufgrund eines starken Gefühls der Unsicherheit und Misstrauen, welches man sich selbst gegenüber hat, jedoch auf den Partner projiziert. Für gewöhnlich wird ein Partner eifersüchtig, wenn er das Gefühl hat, dass die Liebe zum anderen gefährdet sei, oder wenn er fürchtet, nicht länger der Mittelpunkt des Lebens seines Partners zu sein, auch wenn das nicht wahr ist. In anderen Worten hat der eifersüchtige Part für gewöhnlich Angst davor, verlassen zu werden, leidet dazu noch unter einer emotionalen Abhängigkeit sowie einer chronischen Unsicherheit.

Auch wenn die meisten Menschen dazu in der Lage sind, dieses Gefühl zu relativieren und es der Realität anzupassen, haben besitzergreifende Männer normalerweise große Schwierigkeiten damit, mit Eifersucht umzugehen. So werden sie letztendlich von ihrer Eifersucht beherrscht und diese drückt sich dann durch kritische, kontrollierende und in manchen Fällen sogar durch aggressive Verhaltensweisen aus.

Soziale Netzwerke und persönliche Geräte werden kontrolliert

Kontrollierende und besitzergreifende Männer rufen nicht nur ständig an und schreiben ununterbrochen Nachrichten, sondern beschweren sich darüber hinaus auch darüber, wenn man ihnen nicht sofort antwortet. Wenn das zu Beginn einer Beziehung passiert, sollte man am besten darüber sprechen. Falls der Partner das nicht verstehen kann, sollten wir uns lieber distanzieren. Falls sich das in einer stabilen Partnerschaft ereignen sollte, sollte man dieses Problem besprechen oder eine Paartherapie besuchen.

Wichtig ist, klarzustellen, dass das Handy etwas sehr Persönliches ist und niemand unsere Telefonate und Nachrichten kontrollieren sollte, da sie Teil unserer Privatsphäre sind.

Es ist wichtig, zu kommunizieren, aber wenn man ständig Anrufe vom Partner erhält, kann es sich hierbei schon um Telefonterror handeln. Der Partner zielt darauf ab, zu erfahren, wo seine bessere Hälfte ist, mit wem sie zusammen ist und was sie in diesem Moment gerade macht.

Mann zeigt seiner Partner böse ihr Handy

Besessenheit

Das Zusammenleben mit einem kontrollierenden und besitzergreifenden Mann ist im Grunde genommen unerträglich, weil er seinen Partner unterdrückt und ihm jegliche Freiheit nimmt.

Außerdem verspürt ein Mensch mit solch einer Persönlichkeit das starke Gefühl, vom anderen besessen zu sein. Damit ist gemeint, dass er seine bessere Hälfte als Besitztum ansieht und glaubt, die Freiheit zu haben, über sie zu entscheiden, ohne Rücksicht auf sie zu nehmen. Das führt im Normalfall zu Situationen, in denen der Partner psychisch misshandelt wird. Das kann sogar soweit gehen, dass das Opfer große Probleme damit hat, die Realität objektiv zu betrachten, weil es sich selbst betrügt.

In diesen Fällen ist es am wichtigsten, den Glaubenssatz, den anderen in einer Beziehung besitzen zu können, über Bord zu werfen, genauso wie die Überzeugung, dass Eifersucht ein Liebesbeweis wäre. Liebe hat rein gar nichts mit Besitz und dem Bedürfnis, den anderen kontrollieren zu wollen zu tun, sondern mit Freiheit, Respekt und Vertrauen. Aus diesem Grund müssen in einer Beziehung gewisse Grenzen gesetzt werden.

Man muss uns lieben, wie wir sind, aber vor allem muss man uns wertschätzen und respektieren.

Vorlieben und Lebensweisen sollen verändert werden

Normalerweise motivieren kontrollierende und besitzergreifende Männer ihren Partner dazu, seine Hobbys, Freundschaften und Sorgen aufzugeben. Dadurch möchten sie verhindern, dass der Partner Interessen hat, die sie nicht kontrollieren können.

In Extremfällen werden besitzergreifende Männer sogar verbal oder physisch aggressiv, damit sich der andere verhält und all das macht, was er von ihm erwartet und sich wünscht. In solchen Situationen sollte man sich so schnell wie möglich unbedingt sowohl professionelle Hilfe als auch einen Rechtsbeistand suchen.

Zu guter Letzt sollten wir nicht vergessen, dass in einer Partnerschaft Liebe, Respekt und die Bereitschaft, dem anderen dabei zu helfen, zu wachsen, vorherrschen sollten.

„Wer für seine Würde, für Gleichheit und Freiheit kämpft, dem sollte man Aufmerksamkeit schenken.“

Bruce Springsteen