Tierverhalten: Umarmungen als Zeichen von Zuneigung?

Umarmungen sind kein ausschließlich menschliches Verhalten. Erfahre heute mehr über dieses interessante Thema.
Tierverhalten: Umarmungen als Zeichen von Zuneigung?

Letzte Aktualisierung: 18. Oktober 2021

Ein klassisches Zeichen von Zuneigung zwischen Menschen ist eine Umarmung. Doch dieses Verhalten ist nicht ausschließlich menschlich, auch Tiere umarmen sich, um Gefühle wie Empathie auszudrücken, Trost zu spenden oder ein Friedenszeichen zu vermitteln. Sehr vielen Tierarten ist dieses Verhalten angeboren.

Wir Menschen legen unsere Arme um den Oberkörper einer anderen Person, um sie festzuhalten und zu drücken, wenn wir Zuneigung zeigen oder Trost spenden möchten. Tiere haben ihre eigene Ausdrucksformen, um ähnliche Gefühle auszudrücken. Lies weiter, wenn du mehr über dieses faszinierende Thema erfahren möchtest.

Umarmungen als Zeichen von Zuneigung in der Tierwelt?

Zum Verhaltensrepertoire verschiedener Tierarten gehören Umarmungen, doch handelt es sich tatsächlich um ein  Zeichen der Zuneigung, wie das bei uns Menschen der Fall ist? Kann dieses Verhalten verglichen werden?

Umarmungen als Zeichen von Zuneigung in der Tierwelt?

Zeichen von Zuneigung und Trost

Traurigkeit weckt Empathie und eine Umarmung ist in dieser Situation eine hilfreiche Reaktion. Auch Tiere zeigen tröstende Verhaltensmuster. So sind Umarmungen bei Bonobos(Pan paniscus) ganz normal. Ihre soziale Interaktion baut auf Zuneigung auf, Aggressionen kommen praktisch nicht vor.

In einer Auffangstation im Kongo erzählt die Primatenforscherin Zanna Clay, dass verwaiste Bonobos lange Spaziergänge machen, bei denen sie sich gegenseitig umarmen, weil sie so Ruhe finden. Zwar ist dieses Zeichen von Zuneigung und Trost in Reservaten häufiger zu beobachten, da viele Tiere traumatische Erlebnisse hinter sich haben, doch es kommt auch in freier Wildbahn zum Einsatz, um Artgenossen zu trösten.

Orang-Utans umarmen sich nicht nur, um sich zu trösten. Sie suchen in den Armen ihrer Artgenossen bei Bedrohungen auch Schutz, unter anderem, wenn sie eine Schlange sehen.

Schimpansen sind trotz ihres eher streitlustigen Temperaments auch als Schmusetiere bekannt. Dieses Verhalten ist häufig nach angespannten Situationen zu beobachten, beispielsweise nach einem Vorfall während der Kontrolle des Reviers.

Umarmungen, um den Frieden zu wahren

Wir wissen, dass Umarmungen sehr mächtig sind und schlechte Laune vertreiben. Klammeraffen sind dafür das beste Beispiel. Filippo Aureli hat diese Art(Ateles geoffroyi ) und ihre sozialen Interaktionen mehrere Jahre lang untersucht. In Gruppen von Klammeraffen, die sich durch eine Spaltungs- und Fusionsdynamik auszeichnen, wird das Umarmen nicht so sehr als Trost benutzt, sondern um Konflikte zu vermeiden.

Tatsächlich waren Umarmungen zwischen Primaten mit problematischen Beziehungen häufiger anzutreffen. Ihre Aufgabe war es, die Eskalation von Konflikten zu verhindern, bevor sie zu Aggressionen werden. Aureli behauptet, dass diese Tiere sich umarmen, weil sie wissen, dass sie kooperieren und ihre Körper einander aussetzen müssen, um ihre guten Absichten auszudrücken.

Zeichen der Zuneigung bei andern Tieren

Wir haben bis jetzt Primaten erwähnt, die Umarmungen als emotionalen Ausdruck einsetzen. Doch auch andere Tierarten verwenden verschiedene Zeichen der Zuneigung und des Trostes:

  • Otter: Das Bild der Ottermutter, die ihr Junges umarmt, während sie im Wasser schwimmt, ging vor ein paar Jahren viral. Neben dem pragmatischen Sinn, das Jungtier auf dem Bauch liegend zum Schlafen zu bringen, wird die mütterlich-familiäre Bindung durch dieses Verhalten sehr gestärkt.
  • Löwen: Die umarmungsähnlichste Zuneigungsbekundung dieser Großkatzen ist das Reiben ihres Kopfes am Kinn eines anderen Löwen. Auf diese Weise stärken sie ihre sozialen Bindungen.
  • Pferde: Mit ihrer großen Empathiefähigkeit verbinden und trösten sich Pferde gegenseitig durch Verhaltensweisen wie das Reiben des Kopfes am Hals des anderen Tiers oder das Anlehnen des Kopfes an den Rücken eines geliebten Menschen.
  • Koalas: Bei dieser Art kann die Mutter-Kalb-Bindung beobachtet werden. Das Weibchen trägt das Baby auf ihrem Bauch und bietet dem kleinen Beuteltier Schutz und Sicherheit.
  • Robben: Bei Phociden wird die Umarmung so dargestellt, dass eine Brustflosse auf dem Rücken des anderen Tieres ruht. Es ist ein typisches Verhalten von Menschen, die gegenseitige Gesellschaft lieben.
  • Elefanten: Die Emotionalität von Dickhäutern ist tief und sensibel. Das Äquivalent zum Kuscheln ist das Streicheln und Verschränken der Rüssel.
  • Unzertrennliche und andere Papageienvögel: Die Familie der exotischen Vögel ist es gewohnt, in großen Schwärmen zu leben. Viele von ihnen gehen dauerhafte Bindungen mit Artgenossen ein. Einer Umarmung kommt es am nächsten, wenn sie sich zusammen ausruhen, sich berühren oder sich gegenseitig streicheln.
Zeichen der Zuneigung bei andern Tieren

Es ist oft schwierig (und auch fragwürdig), eine Parallele zwischen menschlichem und tierischem Verhalten zu finden. Obwohl die Gehirngrundlagen für Emotionen bei allen Tieren praktisch gleich sind, hilft uns die Analyse ihrer Erscheinungsformen und Details, ihre besondere und einzigartige Bedeutung besser zu verstehen.

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  • Kret, M. E., Prochazkova, E., Sterck, E. H., & Clay, Z. (2020). Emotional expressions in human and non-human great apes. Neuroscience & Biobehavioral Reviews115, 378-395.
  • Aureli, F., & Schaffner, C. M. (2007). Aggression and conflict management at fusion in spider monkeys. Biology Letters3(2), 147-149.
  • Clay, Z., & de Waal, F. B. (2013). Development of socio-emotional competence in bonobos. Proceedings of the National Academy of Sciences110(45), 18121-18126.