Terrorismus in Barcelona: Wenn guten Menschen schlimme Dinge passieren

17. Februar 2018 en Psychologie 10 Geteilt
Terrorismus in Barcelona - trauernder Ladenbesitzer

Wenn Unrecht und Unglück auf gute Menschen stößt, verliert das Leben seinen Rhythmus und seine Logik. Doch was gutherzige Menschen nie verlieren, ist ihre Hoffnung. Selbst wenn sie die Bosheit trifft, lässt ihre Herzensgüte sie immer wieder auf die Beine kommen. Sie ist es, die sie früher oder später in stärkere, mutigere Menschen verwandelt, auch wenn sie das selbst noch nicht erkennen können.

Man sagt, dass der Terrorismus eine Waffe sei, die mehr als nur Menschenleben nehme und Chaos verursache. Diese Waffe diene dazu, den Menschen Angst einzuflößen. Diese Angst gibt ihr die Macht über ihre Opfer. Sie macht ihnen klar, dass die unsichtbaren Fäden des Terrors ihre Lebensweise verändern und ihr Sicherheitsbedürfnis offenlegen werden, ob sie das wollen oder nicht.

„Terroristen versuchen, uns zu manipulieren und unser Verhalten zu ändern, indem sie Angst, Ungewissheit und eine Aufspaltung der Gesellschaft verursachen.“

Patrick J. Kennedy

Am 17. August 2017 erfuhren wir dieses Gefühl erneut, als zwei neue Terroranschläge im spanischen Barcelona und Cambrils verübt wurden. Wieder einmal trauerten wir über die Verluste von Menschenleben. Die Leben von wunderschönen, guten Menschen. Kleinen Kindern. Müttern und Väter. Von Großeltern, Freunden und Bürgern aus 18 Nationen, die einen Nachmittag auf einer der schönsten Straßen der Welt verbracht haben.

Das Böse hat uns wieder heimgesucht. Und obwohl es nicht mehr neu oder einmalig ist, obwohl es auf der ganzen Welt hunderte Menschen gibt, die jeden Tag unter ähnlichen Umständen ums Leben kommen, ist es mehr als das. Es macht uns ohnmächtig. Wie sollten wir auf diese Situationen reagieren? Psychologen, die auf Terrorismus spezialisiert sind, haben eine Idee dazu: Jeff Greenberg, Sheldon Solomon und Tom Pyszcynski warnen uns, dass uns diese Dinge auf eine sehr spezielle Art und Weise verändern werden.

Trauriger Roboter

Gute Menschen rücken in schlimmen Situationen näher zusammen

Heutzutage füllen sich die sozialen Medien mit Fotos von Katzen. Aber warum? Viele Nutzer haben sich ein gemeinsames Ziel gesteckt: die Verbreitung von Bildern der Opfer aufzuhalten. Stattdessen teilen sie Fotos von ihren Katzen. Außerdem wollen sie die mögliche Filterung von Informationen, die für Terroristen nützlich sein könnten, verlangsamen. Aber ihr Vorhaben ist noch weiter gefasst: Solidarität zeigen, ein wundervolles Interesse an den Nachbarn.

Die Einwohner von Barcelona bieten Menschen in Not eine Unterkunft und einen kostenlosen Transport in der Stadt. Firmen tragen ebenso ihren Teil dazu bei. Diese Situationen helfen uns dabei, etwas zu sehen: Trotz des Chaos, der Tragödie und des Horrors, sind es großzügige Taten, die uns letztendlich ehren. Es sind Bilder, die uns zeigen, wie viele gute Menschen auf unserer Welt leben. Und das es mehr sind, als wir dachten.

Das ist genau das, was die Experten sagen. Dr. Jeff Greenberg ist Psychologe an der University of Arizona (Arizona, USA). Er erklärt, dass wir nach einem Terroranschlag wie diesem kulturelle Überlebensmechanismen anwenden würden. Sehr wenige Ereignisse lassen uns so zerbrechlich und verletzlich fühlen wie derartige Anschläge. Nichts sei so verheerend, wie das Gefühl zu haben, dass das Gefühl der Sicherheit eine Illusion sei. Oder dass der Terrorismus so willkürlich und unberechenbar sei, das sich niemand ihm entgegenstellen könne.

Vor allem suchen die Menschen dann nach einem Weg, wieder Stabilität zu finden. Und das ist vielmehr, als nur ein zerbombtes Haus wieder aufzubauen. Doch in diesem Kontext, weit von der einer hasserfüllten und rachedurstigen Grundhaltung entfernt, passiert mit den Menschen etwas sehr Interessantes: Sie fühlen ein stärkeres Gefühl der Gemeinschaft. Sie fühlen sich als Teil einer Gesellschaft, die weiterhin an den Frieden und den Respekt glaubt. Sie glauben weiterhin an das Gute im Menschen.

Friedenstauben

Terrorismus minimieren und maximieren

Psychologen und Psychiater, die auf Terrorismus spezialisiert sind, empfehlen, dass wir in diesen Situationen zwei Strategien in die Praxis umsetzen sollten.

Lasst uns versuchen, zu minimieren

  • Lasst uns versuchen, die Exposition der Menschen gegenüber Bildern von den Anschlägen zu minimieren, jedoch nicht gegenüber Information. Die meisten Medien werden versuchen, den Zugriff auf die erschreckendsten Bilder zu kontrollieren. Doch früher oder später werden wir etwas sehen, das sich auf uns auswirken wird. Lasst sie uns also vermeiden. Lasst uns Fotos von Katzen teilen. Und von Menschen, die Gutes tun.
  • Wir müssen ebenso unsere hasserfüllten Gedanken minimieren.
  • Zudem ist es unerlässlich, das Gefühl der Furcht so gut wie möglich zu minimieren. Wir können den Terror nicht über uns triumphieren lassen.

Roboter, der einen Stern auf einen abgestorbenen Baum setzt

Maximieren wir …

  • Lasst uns versuchen, unsere Taten der Unterstützung und Großzügigkeit zu maximieren.
  • Unsere Spenden. Egal, ob durch soziale Medien, motivierende Nachrichten, durch unsere Anwesenheit oder Blutspenden – helfen wir.
  • Die positive Einstellung. Wir sollten aufhören, Opfer zu sein, und stattdessen eine authentische Unterstützung, Solidarität und Gemeinschaft fördern.

Leider geschehen selbst guten Menschen schlechte Dinge. Doch wir Menschen können verstehen, dass die Gewalt eine Form der Sprache und Unterdrückung ist. Verstehen, dass die Güte keine Unterwerfung kennt und sich nie geschlagen gibt. Wir werden aufstehen, um unsere Werte zu verteidigen. Dabei wird der Frieden die Flagge sein, die wir schwingen.

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