Tavor: Was es ist und wie es wirkt

17. April 2018

Tavor ist eines der am meistverkauften Medikamente; nur Pharmaka wie Aspirin erreichen noch höhere Verkaufszahlen. Die Tatsache, dass Tavor zu einem der am häufigsten verschriebenen Arzneimittel für die Behandlung von Angstzuständen und Schlaflosigkeit geworden ist, hat einen bestimmten Grund: Mithilfe dieses Medikaments können wir uns entspannen und dabei trotzdem noch unseren alltäglichen Aktivitäten nachgehen. Aber es ist Vorsicht geboten, da wir es hier mit einem Arzneimittel aus der Gruppe der Benzodiazepine zu tun haben, weshalb die Gefahr besteht, von ihm abhängig zu werden.

Die meisten von uns kennen jemanden, der dieses tägliche Ritual pflegt: die Einnahme einer kleinen und fast unbedeutenden Tablette – Tavor. Vielleicht ist es uns sogar selbst verschrieben worden oder ist eines der Medikamente, die wir schon seit langer Zeit einnehmen. Aber sind wir uns darüber im Klaren, dass wir dieses Arzneimittel nicht länger als zwölf Wochen einnehmen sollten?

Tavor ist eines der am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka, dessen Wirkstoff Lorazepam ist. Die übrigen Inhaltsstoffe haben keine Wirkung auf den Verstand.

Es kann gut sein, dass wir das wissen, darüber gelesen haben oder es uns jemand erzählt hat. Dennoch ist es, wie es ist: Das Leben ist sehr fordernd, unsere Probleme sind erdrückend und die Nächte sehr lang. Daher ist es häufig der Fall, dass Hausärzte Tavor wiederholt verschreiben, sodass heute ein Teil der Bevölkerung – besonders ältere Menschen – nicht mehr dazu in der Lage ist, den Tag und die Nacht ohne diese kleine Pille zu bewältigen.

Es wirkt natürlich, daran besteht kein Zweifel, und es erfüllt seinen Zweck: Angstzustände und Schlaflosigkeit können mit Tavor behandelt werden. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Tavor ein Psychopharmakon ist, das Nebenwirkungen hat und abhängig machen kann.

Schlafender Mann

Wie wirkt Tavor und wie wird es angewendet?

Tavor enthält den Wirkstoff Lorazepam. Dieser gehört der Gruppe der Benzodiazepine an und wirkt auf die sogenannten GABA-Rezeptoren im Gehirn. Was bedeutet das? Im Grunde genommen, dass er Einfluss auf Körper und Geist ausübt: Lorazepam verringert Angstzustände, wirkt beruhigend und hypnotisch, krampflösend und muskelentspannend.

Aus diesem Grund verschreiben Ärzte es nach der Diagnose folgender Erkrankungen:

  • Angstzuständen und Anspannung
  • Schlafstörungen
  • Depression, in Kombination mit anderen Psychopharmaka
  • Epilepsie
  • Sucht/Entzug

Was sollten wir vor der Einnahme von Tavor wissen?

Es gibt Menschen, die ihren Hausarzt mit diesem Ziel aufsuchen: Sie wollen ein Rezept für Tavor, um besser schlafen zu können, möchten dieselbe Behandlung wie ihr Arbeitskollege, ihre Schwester oder ihr Yogalehrer. Wir sollten, was die Welt der Psychopharmaka und unsere Gesundheit anbelangt, aber sehr vorsichtig sein.

Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Mensch anders tickt, jeder Körper auf andere Weise reagiert und jeder Organismus sich an gewisse Strategien besser anpasst als an andere. Tavor ist wirksam, nützlich und hilft uns – das können wir nicht abstreiten. Wir sollten jedoch zuerst andere Strategien ausprobieren, um mit Angstzuständen oder Schlaflosigkeit fertigzuwerden, bevor wir auf Medikamente zurückgreifen.

Deshalb ist es immer angebracht, vor der Einnahme dieses Arzneimittels an Folgendes zu denken:

  • Tavor enthält 1 mg Lorazepam pro Tablette, gehört zu den Benzodiazepinen und kann nach mehreren Wochen fortgeführter Einnahme zur Abhängigkeit führen.
  • Die Einnahmedauer sollte daher so kurz wie möglich ausfallen.
  • Das Pausieren der Behandlung sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
  • Wir sollten dieses Medikament immer vor dem Schlafengehen einnehmen. Wir sollten es nicht einnehmen, wenn wir irgendeiner Tätigkeit nachgehen müssen, die unsere Aufmerksamkeit erfordern, wie beispielsweise das Autofahren.
  • Wir sollten niemals mehr als die empfohlene Dosis einnehmen.
  • Es wird empfohlen, Tavor nicht einzunehmen, wenn wir an Schlafapnoe, anderen respiratorischen oder Leber- oder Nierenbeschwerden leiden.
  • Von der Einnahme während der Schwangerschaft und Stillzeit wird abgeraten.
Tabletten

Nebenwirkungen von Tavor

Wir haben es bereits mehrmals erwähnt, kann jede Behandlung mit Benzodiazepinen, die länger als zwölf Wochen andauert, in eine physische und psychische Abhängigkeit führen. Aus diesem Grund sollte im genannten Behandlungszeitraum auch das Absetzen des Medikaments vorgesehen sein.

Tavor schlagartig abzusetzen, das heißt, von heute auf morgen mit der Einnahme aufzuhören, wird möglicherweise dazu führen, dass wir stark störende und schwächende Symptome entwickeln, wie zum Beispiel Migräne, zunehmende Angstzustände, Verwirrung, Muskelschmerzen etc. Ein mittelschnelles Ausschleichen wird empfohlen; dabei müssen wir den Anweisungen unseres Arztes folgen.

Darüber hinaus dürfen wir auch nicht die Nebenwirkungen von Tavor vergessen, die sich vor allem bei langfristiger Einnahme zeigen. Auch wenn wir es beim Lorazepam mit einem relativ schwachen Wirkstoff zu tun haben, das unseren Alltag nicht übermäßig beeinträchtigt, machen sich unter Umständen dennoch Probleme bemerkbar:

  • Ermüdungserscheinungen
  • Apathie, schlechte Laune, fehlende Motivation
  • Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisstörungen
  • Muskelschwäche
  • Verschwommene Sicht
  • Mundtrockenheit
  • Angioödem
  • Niedriger Blutdruck
  • Impotenz oder fehlendes sexuelles Verlangen

Trotz der Tatsache, dass Tavor schon zu etwas so Normalem geworden ist und wir es bei vielen Familienmitgliedern und Freunden in Taschen, Hausapotheken und Nachttischchen finden, sollten wir immer daran denken, dass die Dauer der Einnahme beschränkt und diese von einem Arzt kontrolliert werden sollte. Die Probleme des Lebens können wir auf viele verschiedene Arten und Weisen lösen, und auch wenn uns Arzneimittel eine große Hilfe sind, sind sie auf lange Sicht nicht die einzige und oft nicht die beste Strategie.

 

  • Mencías Rodriguez, E. Mayero Franco, L. M. (2000). Manual de Toxicología Básica. Ediciones Díaz de Santos, S. A. (99-109).
  • Flórez, J., Armijo. J.A., Mediavilla, A (2008). Farmacología humana.  Masson S.A. 5ª Edición. (543-566)