Sexsucht: Wie du dich aus dem Verlangen befreien kannst

Menschen mit einer zwanghaften Sexualverhaltensstörung leiden stark und benötigen eine Therapie, um diese Suchterkrankung zu überwinden.
Sexsucht: Wie du dich aus dem Verlangen befreien kannst

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 29. November 2022

Das unkontrollierbare Verlangen nach sexuellen Aktivitäten gehört wie die Kauf- oder Spielsucht zu den Verhaltenssüchten. Der maßlose, zwanghafte sexuelle Drang beeinträchtigt wie jede andere Sucht familiäre, soziale und berufliche Beziehungen. Was tun, um die Sexsucht oder Hypersexualität zu überwinden?

Im Jahr 2018 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Schritt nach vorne gemacht und die Sexsucht unter dem Begriff der zwanghaften sexuellen Verhaltensstörung eingestuft. 

Frau im Bett leidet an Sexsucht
Wenn ein Verhalten wie Sex zu einem zwingenden Bedürfnis wird, liegt ein Suchtproblem vor.

Zwanghaftes Sexualverhalten (ZS)

Was tust du, wenn du Durst hast? Stell dir vor, du bist durstig und kannst 24 Stunden lang nichts trinken. Und wenn du schon seit Stunden durstig bist und ein volles Glas vor dir steht? So geht es Menschen mit Sexsucht. Diese Patienten haben ein sehr intensives und wiederholtes sexuelles Verlangen. Die Diagnose erfolgt, wenn dieser zwanghafte Drang nach Sex nach einem meist schleichenden Beginn sechs Monate oder länger anhält.

Das Leben der Betroffenen dreht sich um dieses starke sexuelle Bedürfnis: Sie versuchen zwar, ihrem Trieb zu widerstehen, aber sie erreichen diese Kontrolle nicht. Deshalb folgen Unzufriedenheit sowie Scham- und Schuldgefühle. 

Sexsucht tritt bei Männern häufiger auf, insgesamt leiden rund 1 bis 6 Prozent der Bevölkerung daran. Diese Suchtkrankheit ist noch nicht ausreichend erforscht, doch wir wissen, dass sie oft mit Störungen wie Depressionen, Ängsten, anderen Süchten und Persönlichkeitsstörungen zusammenhängt. Zu den häufigsten Symptomen des zwanghaften Sexualverhaltens zählen Masturbation, anhaltende Promiskuität und Pornografieabhängigkeit.

Zu den häufigen Auswirkungen der Sexsucht zählen sexuell übertragbare Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften.

Sexsucht: Was tun?

Hallberg empfahl 2019 eine kognitive Verhaltenstherapie zur Behandlung des zwanghaften Sexualverhaltens. Dabei sind folgende Punkte besonders wichtig:

  • Psychoedukation: Betroffene müssen möglichst gut über ihre Suchtkrankheit und über die Möglichkeiten der kognitiven Verhaltenstherapie informiert werden. Auch eine Funktionsanalyse ist vorteilhaft, um den Gründen des krankhaften Verhaltens näherzukommen.
  • Motivierende Intervention: Dies ist wichtig, um den Abbruch der Psychotherapie zu vermeiden.
  • Verhaltensaktivierung: Diese Methode kann unter anderem depressive Symptome verbessern.
  • Dysfunktionale Gedanken: Betroffene müssen lernen, wie dysfunktionale Gedanken und Überzeugungen ihr Verhalten beeinflussen.
  • Kognitive Diskussionen und Verhaltensexperimente zwischen den Sitzungen: Während dieses Prozesses werden den Patienten Problemlösungstechniken beigebracht.
  • Zwischenmenschliche Verhaltensaktivierung: Ein Kompetenztraining kann Betroffenen helfen, ihre Durchsetzungsfähigkeit zu stärken, Konflikte auf gesündere Weise zu bewältigen und sich vermehrt für zwischenmenschliche Ziele einzusetzen.

Nach der Therapie ist ein Erhaltungsprogramm wichtig, um Rückfälle zu verhindern.

Die Behandlung nach der Methode von Hallberg besteht aus 7 wöchentlichen Sitzungen mit einer Dauer von 150 Minuten. Ergebnisse zeigten, dass damit das zwanghafte Sexualverhalten und auch depressive Symptome reduziert werden können. Die positiven Ergebnisse dieser Behandlungsform sind außerdem auch nach Monaten noch zu beobachten.

“Es ist nicht der Sex, der uns Vergnügen bereitet, sondern der Liebhaber.”

Piercy

Mann mit Sexsucht in der Therapie
Die kognitive Verhaltenstherapie kommt bei Sexsucht am häufigsten zum Einsatz.

Andere Behandlungsmethoden

Es gibt nur wenige Maßnahmen, die speziell für die Behandlung von hypersexuellem Verhalten entwickelt wurden. Es lohnt sich jedoch, folgende zwei Methoden zu erwähnen:

Das ESTEEM-Protokoll (Effective Skills to Empower Effective Men) umfasst eine Intervention mit 10 Sitzungen in einem Zeitraum von 12 Wochen. Die Ergebnisse zeigen Verbesserungen bei allen untersuchten klinischen Variablen, einschließlich einer Verringerung des hypersexuellen Verhaltens.

Die meditationsbasierte Intervention mit MAT (Meditation Awareness Training) nach Gordon, Shonin und Griffiths ist bei zwanghaftem Sexualverhalten ebenfalls vorteilhaft. In ihrer Studie verwendeten die erwähnten Autoren diese Therapieform bei einem 30-jährigen Mann. Die Ergebnisse zeigten eine deutliche Verbesserung des Sexualverhaltens. Außerdem konnte der Mann den Konsum von Internetpornografie sowie seine Ausgaben für sexuelle Begegnungen reduzieren.

Außerdem wurde die Wirksamkeit von Arzneimitteln untersucht. Am häufigsten kommen selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zum Einsatz, entweder als Monotherapie (Einzelbehandlung) oder in Kombination mit Topiramat, Naltrexon oder Lamotrigin.

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