Selbstwahrnehmung: Akzeptiere deinen Körper

· 1. November 2016

Wir wollen uns nicht im Spiegel anschauen, wollen keine Fotos von uns machen und benutzen sogar Bildbearbeitungsprogramme am Computer, um „das Hässliche“ an unserem Körper zumindest auf den Bildern zu entfernen. Die Mode, der Druck der Gesellschaft, Vergleiche mit anderen – all das sind unsere insgeheimen Feinde, die uns extrem schaden und uns nach und nach die wenige Eigenliebe nehmen, die wir für unseren Körper aufbringen können.

Unser Körper, der die Hülle ist, in der wir stecken und in der wir durch die Außenwelt wandeln, ist neben unseren Gefühlen und Gedanken ein weiterer wichtiger Teil von uns, die allesamt unsere Person ausmachen, die sich von allen anderen unterscheidet. Was heutzutage als „schön“ gilt und die fälschliche Wahrnehmung dessen, was gesund ist, führt dazu, dass wir unseren Körper hassen.

Den Körper verstehen

Um mit unserem Körper respektvoll umgehen zu können, sollten wir damit beginnen, ihn zu verstehen. Er ist kein Übel, das möchte, dass es dir schlecht geht, sondern er ist perfekt, so wie er ist, und in seiner Komplexität kannst du einen großartigen Verbündeten finden, vor allen Dingen wenn du seine Signale richtig interpretieren kannst.

Wenn wir uns nicht gut um unseren Körper kümmern, kann er nicht dieses Schutzschild sein, das uns vor Angriffen von außen bewahrt. Oftmals sind wir selbst diejenigen, die diesem so besonderen Freund schaden, wenn wir uns ungesund ernähren, es mit Diäten übertreiben oder uns nicht ausreichend sportlich betätigen.

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Dieser Körper, den du so sehr verabscheust und nicht im Spiegel betrachten magst, den du in der Dunkelheit verstecken willst, wenn du mit deinem Partner intim wirst, oder den du unter gewissen Kleidungsstücken verbergen möchtest, wird dich für den Rest deines Lebens begleiten. Du hast die Macht darüber, ihn zu verändern oder zu verschönern, aber das hat oftmals nichts mit dem zu tun, was du wirklich willst.

Der Körper und die Mode

Die Kommunikationsmedien, die Werbung und die Gesellschaft haben so viel Macht, dass es ihnen gelingt, dass eine Frau aufhört zu essen, um wie ein Modell auszusehen oder dass ein Mann ins Fitnessstudio rennt und Gewichte hebt, um so attraktiv wie Hollywood-Schauspieler auszusehen.

Doch die Bedeutung von „schön“ (was sich auf den Körper bezieht) ist etwas sehr Relatives und verändert sich im Laufe der Zeit. Beispielsweise war eine Frau mit Rundungen in der Renaissance schön, während die mollige Frau von heute Übergröße hat. In der arabischen Kultur möchten Männer keine zu schlanke Frau heiraten. Und wir könnten hier noch viele weitere Beispiele aufzählen.

Abgesehen davon, was die Mode vorschreibt, ist es eine Tatsache, dass der Körper die beste Hülle ist, die wir haben. Natürlich würden wir alle gern etwas an uns ändern, aber deswegen müssen wir ihn nicht verachten.

Gefällt dir dein Körper?

Die meisten Menschen haben etwas an ihrem Körper auszusetzen. Dünne Menschen möchten etwas korpulenter sein, andere hingegen wollen zierlicher sein, große Menschen haben es satt, die Welt von so hoch oben zu betrachten, und kleine Menschen haben das Gefühl, dass sie nicht ernst genommen werden.

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Falls du auf die oben gestellte Frage mit „Nein“  geantwortet hast, dann weißt du, dass du zu dem Großteil der Weltbevölkerung gehörst, die das so sieht, und ich möchte dich dazu einladen, dir weitere Fragen zu stellen: Warum gefällst du dir nicht? Was genau an deinem Körper macht dich so unglücklich? Auf welche Art und Weise kannst du das ändern? Gibt es etwas, dass dir an deinem Aussehen gefällt?

Um diese gewissen Stellen an deinem Körper zu ändern, solltest du darüber nachdenken, ob eine Veränderung tatsächlich notwendig ist. Finde heraus, wieso du diese Veränderung wünschst. Ist es, weil dir diese Stelle an sich nicht gefällt oder weil sie bei anderen schöner ist? Wenn der Wunsch, etwas zu verändern, konkret wird, solltest du auf jeden Fall einen Spezialisten aufsuchen und dich beraten lassen.

Beginne, deinen Körper zu akzeptieren

Akzeptieren soll nicht heißen, mit verschränkten Armen dazusitzen und überhaupt gar nichts zu verändern. Es bedeutet, gleich morgens damit anzufangen, dich zu lieben und die Schönheit zu verstehen, die du versteckst und die du auch ausstrahlst. Eine Übung, die dir dabei helfen kann, ist, dich vor den Spiegel zu setzen – wenn möglich ohne Kleidung – und jeden Zentimeter genau zu analysieren und dich dabei auf das zu konzentrieren, was du siehst und welche Gefühle das bei dir auslöst.

Es ist gut möglich, dass du zu Beginn eine gewisse Ablehnung verspürst, doch nach den ersten paar Minuten, wirst du dich daran gewöhnen. Lasse deinen Blick über dein Haar, dein Gesicht, deinen Oberkörper, deine Beine schweifen. Finde heraus, was dir am besten an dir gefällt: deine Nase, deine Schultern oder deine Augen…

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Danach begibst du dich auf die Suche nach den Körperstellen, die dir nicht gefallen. Aber dieses Mal schlage ich dir vor, eine andere Haltung einzunehmen, als dich zu kritisieren: Akzeptiere dich. In der Theorie erscheint das sehr leicht, doch in der Praxis sieht das noch einmal ganz anders aus.

Lassen dich deine Augen nun klar sehen? Lässt dich dein Verstand dich richtig einschätzen? Siehst du nun, dass du eine Nase hast, die es dir erlaubt, zu atmen? Beine, die dich durch die Welt tragen? Eine Haut, die dich Berührungen empfinden lässt? Ein Herz, das schlägt? Du solltest eine gerechte und angemessene Wahrnehmung deines Körpers finden und nicht über ihn urteilen, nur weil die Werbung dir etwas anderes über Schönheit erzählen will.

Neben einer veränderten Selbstwahrnehmung kannst du deinen Körper auch lieben lernen, indem du dem Beachtung schenkst, was er tut. Das bedeutet, dass du mit ihm zusammen in der Dusche stehen solltest. Treibe mit ihm Sport und fühle, wie dein Herzschlag beschleunigt oder wie du beim Laufen das Gefühl von Freiheit erfährst.

Zu guter Letzt möchte ich dir noch sagen, dass du nicht alle jene Personen vergessen solltest, die sich wünschen würden, so einen Körper wie du zu haben – und ja, natürlich gibt es die wirklich! Akzeptiere deine Figur, deine Unregelmäßigkeiten, deine Rundungen und deine Größe. Sei nicht nur einfach die Hülle, die dich umgibt, sei auch deine Gedanken, deine Vorstellungen und Gefühle.

„Für mich ist die Skulptur der Körper. Mein Körper ist die Skulptur.“

Louise Bourgeois

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