Schuldzuweisung als Strategie

28 Oktober, 2020
Schuldzuweisung als Strategie und Mittel, um die Verantwortung für deine eigenen Fehler und die sich daraus ergebenden Konsequenzen auf andere abzuwälzen, ist niemals eine gute Idee. Denn letztendlich führt dies nur zu unechten Beziehungen mit anderen Menschen, die sich hinderlich auf dein persönliches Wachstum auswirken.

Normalerweise ist die Schuldzuweisung ein Verhalten, das häufig bei Kindern beobachtet werden kann. Das liegt daran, dass sie aufgrund ihres kognitiven und moralischen Entwicklungsstandes noch nicht dazu in der Lage sind, zu erkennen, dass es wichtig ist, die Verantwortung für ihre eigenen Handlungen zu übernehmen. Daher neigen sie häufig dazu, eine Bestrafung zu vermeiden, wenn sie etwas getan haben, das sie nicht hätten tun dürfen. Leider gibt es auch viele unreife Erwachsene, die sich in verschiedenen Situationen weiterhin auf diese Weise verhalten.

Die Schuldzuweisung mag zunächst eine Gewohnheit sein, aus der sich dann allmählich eine Strategie entwickelt. Hauptsächlich bei Menschen mit einem hohen Grad an Narzissmus und bei jenen, denen es an Autonomie mangelt.

Dieses Verhalten tritt auf, wenn die Entwicklung von Emotionen und Werten an einem gewissen Punkt stehengeblieben ist. Denn jeder Mensch, der sich auf diese Weise verhält, hat offensichtlich Probleme und innere Konflikte und überträgt die damit verbundenen Schmerzen auf andere.

Am häufigsten verbergen sich hinter diesem Verhaltensmuster Ängste, unterdrückte Wut und Traurigkeit. Allerdings werden diese Gefühle weiterhin bestehen bleiben und können sich sogar noch intensivieren, wenn die Betroffenen keine gesünderen Strategien in ihren Beziehungen mit anderen erlernen und anwenden. Wie du siehst, ist Schuldzuweisung eine sehr ineffektive Strategie. Darüber hinaus vergrößert sie lediglich die bereits bestehenden Probleme und Schwierigkeiten.

Schuldzuweisung - Frau schreit Mann an

Die Gründe für Schuldzuweisungen

Grundsätzlich gibt es zwei Hauptgründe, warum Menschen die Strategie der Schuldzuweisung anwenden, um dadurch ihre Konflikte zu bewältigen. Der erste Grund ist Narzissmus und der zweite ist ein Mangel an Autonomie. Obwohl du vermuten könntest, dass sich diese beiden Merkmale gegenseitig ausschließen, ist dies aber nicht der Fall. Tatsächlich treten sie oftmals gemeinsam auf.

Darüber hinaus kommt es sehr häufig vor, dass diese Menschen einen extrem ausgeprägten Narzissmus entwickeln. Sie tun dies, um dadurch ihr Minderwertigkeitsgefühl zu kompensieren. Dies ist eine paradoxe Situation. Denn einerseits ist dieser Mensch davon überzeugt, dass er oder sie geliebt und anerkannt werden sollte.

Aber andererseits unternimmt diese Person nicht das, was erforderlich wäre, um diese Liebe oder Anerkennung auch zu erhalten. Dennoch stört sich diese Person sehr daran, dass sie sie nicht bekommt. Das ist dann auch der Punkt, an dem sich solche Menschen dazu entscheiden, andere für alles verantwortlich zu machen, was sie selber nicht erreichen.

Der zweite Grund für die Anwendung dieser Strategie ist mangelnde Autonomie. Wie bei einem Kind sind diese Menschen sehr abhängig von Autoritätspersonen und haben große Angst vor Bestrafung. Dann beschuldigen sie andere, um eine negative Erfahrung zu vermeiden. Allerdings führt ein derartiges Verhalten nur dazu, dass sich ihre Abhängigkeit noch vergrößert. Und das wiederum verhindert, dass sie mehr Verantwortungsbewusstsein entwickeln.

Warum andere für die eigenen Fehler verantwortlich machen?

Auf den ersten Blick scheint Schuldzuweisung eine erfolgreiche Strategie zu sein. Denn zunächst einmal trägt sie dazu bei, dass das Ego der Person, die sie anwendet, intakt bleibt. Das liegt daran, dass eine Person, die einen Fehler begeht und diesen als solchen anerkennt, dadurch implizit auch erklärt, dass sie nicht perfekt ist. Und daher nicht immer recht hat. Für einen Menschen, dem es an Demut mangelt, wäre dies eine Wunde, die sein Ego nicht tolerieren könnte.

Allerdings ist das Unvermögen, die eigenen Fehler als solche zu akzeptieren, nicht das Resultat übermäßiger Selbstliebe, sondern vielmehr die Folge großer Unsicherheit. Manche Menschen glauben, dass sie ihren Wert verlieren oder ihre Fähigkeiten und Verdienste infrage gestellt würden, wenn sie einen Fehler begehen. Wenn du aber souverän und zufrieden mit dir selber bist, wirst du deine Fehler als etwas Normales betrachten und auch als etwas, aus dem du lernen kannst.

Darüber hinaus gibt es jene Situationen, in denen ein Mensch andere beschuldigt, weil dies die einzige Möglichkeit ist, zu vermeiden, die Konsequenzen des eigenen Verhaltens tragen zu müssen. Aufgrund der Schuldzuweisung muss dieser Mensch dann auch seine eigenen Fehler nicht korrigieren. Allerdings ist dies ganz offensichtlich eine sehr kindische Art und Weise, sich der eigenen Verantwortung und Schuld zu entziehen. Wer so handelt, versteckt sich vor sich selbst. Außerdem verpasst er eine weitere Gelegenheit, aus den eigenen Fehlern zu lernen, stärker zu werden und daran zu wachsen.

Schuldzuweisung - niedergeschlagener Mann

Schuldzuweisung als Strategie und was du dadurch verlieren kannst

Jeder Mensch, der andere systematisch für die eigenen Fehler, Schmerzen und Unzulänglichkeiten verantwortlich macht, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch anderen. Zuerst einmal beeinträchtigt ein derartiges Verhalten die Authentizität und Offenheit in jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Denn unter solchen Umständen wird es sehr schwer, gesunde Bindungen aufzubauen. Daher entstehen hauptsächlich toxische Beziehungen.

Allerdings ist der Aufbau echter und aufrichtiger Beziehungen mit anderen Menschen eines der Merkmale, um dem Leben mehr Sinn zu verleihen. Diese Bindungen geben Sicherheit, stärken die Identität und machen dich mutiger. Die künstlichen Bande, die durch Manipulation entstehen, erzeugen nur ein Gefühl der Einsamkeit in unserer zunehmend als bedrohlich empfundenen Welt.

Darüber hinaus verwehrt sich jeder, der sich weigert, Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen, die Möglichkeit, persönlich zu wachsen und wird daher auch nicht aus seinen Fehlern lernen können. Diese Stagnation beeinflusst die Emotionen und führt zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität. Letztendlich nährt all das nur eine schädliche und beinahe paranoide Haltung.

Demut ist das Gegenmittel gegen die Neigung, stets andere Menschen für alles verantwortlich zu machen und zu beschuldigen. Wenn du aber lernst, Verantwortung für die Folgen deiner Handlungen und deiner Fehler zu übernehmen, stärkt und fördert dies deine Entwicklung als Individuum.

Regard, J. (2008). La manipulación: un manual de autodefensa. Grupo Planeta (GBS).