Resistenz in der Therapie: der richtige Umgang damit

30. September 2019
Der Erfolg einer Therapie hängt zu einem wesentlichen Teil von der Bereitschaft des Patienten ab, seine Hausaufgaben zu erledigen. Wenn er sich dazu entscheidet, dies nicht zu tun, dann vermuten viele Therapeuten, dass der Klient sich gar nicht verändern will. In unserem heutigen Artikel sprechen wir über Resistenz in der Therapie und wie dieses Thema gelöst werden kann.

Resistenz in einer Therapie bezieht sich auf Einstellungen, Verhaltensweisen oder Denkmuster des Patienten, die den therapeutischen Prozess verzögern oder verhindern können.

Üblicherweise tritt sie zu Beginn der Evaluationsphase auf, da der Klient die Behandlung in Frage stellen könnte. Außerdem kann es passieren, dass er sich weigert, offen zu sprechen oder die Fragen des Therapeuten angemessen zu beantworten.

Es ist ebenso möglich, dass der Patient die Fragen nur sehr oberflächlich beantwortet und nur wenige Informationen über sich preisgibt. Darüber hinaus könnte es sein, dass der Patient dem Therapeuten widerspricht oder nicht von seiner Kompetenz überzeugt ist, besonders, wenn der Therapeut jünger ist als der Patient.

Oftmals entsteht Resistenz in der Therapie auch durch unpassende Interventionen während der Motivationsphase. Diese Phase ist sehr entscheidend im therapeutischen Prozess. Viele Therapeuten übertragen dem Patienten die gesamte Verantwortung, was ein Hinweis auf Passivität und eine gewisse Sturheit sein könnte. All das kann sich sehr nachteilig auf den gesamten Therapieerfolg auswirken.

Umgang mit Resistenz ist der Alltag eines Therapeuten

Jeder Therapeut kann natürlich die Therapie beenden, wenn er der Auffassung ist, dass diese keinen Nutzen für den Patienten erbringen wird. Allerdings ist die Schlussfolgerung, dass ein Klient, der Widerstand leistet, grundsätzlich therapieresistent ist oder keine Veränderung anstrebt, absolut falsch.

Betrachten wir dieses Problem aus dem Blickwinkel der Motivationstherapie. Das Motivationsinterview dient dazu, den therapeutischen Prozess an die verschiedenen Veränderungsphasen des Klienten anzupassen. Dadurch wird deutlich, dass die Resistenz des Betroffenen das Problem des Therapeuten und nicht des Patienten ist.

Daher sollte der Therapeut nicht sofort zu der Überzeugung gelangen, dass der Klient eine Behandlung grundsätzlich ablehnt oder überhaupt nicht an sich arbeiten will. Vielmehr ist dieser Widerstand die Gelegenheit für den Therapeuten, zu reflektieren und zu ergründen, was den Widerstand des Patienten hervorgerufen haben könnte. Es könnte auch sein, dass die gewählte Therapieform nicht geeignet ist.

Um zu vermeiden, dass diese Resistenz sich weiter festigt, ist es sehr empfehlenswert, dass der Therapeut dieses Thema mit dem Klienten in der nachfolgenden Sitzung bespricht. Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sind unbedingt notwendig, damit sich eine gute therapeutische Beziehung entwickeln kann. Außerdem können Lösungen nur durch ein offenes Gespräch gefunden werden.

Resistenz - Therapie

Ein möglicher Grund für Resistenz in der Therapie: das Alter des Therapeuten

Widerstände in der Therapie treten weitaus häufiger auf, als du das vielleicht vermuten würdest. Oftmals stellt der Patient die Professionalität und die Fachkenntnisse des Therapeuten in Frage. Die Gründe hierfür können vielfältig sein: er hat kein graues Haar, einen vollen Schnurrbart, ein Gesicht voller Falten oder er trägt keinen Anzug.

Ein nebensächlich scheinender Kommentar zu Beginn der Behandlung kann im späteren Verlauf einen Widerstand verursachen. Dann beginnt der Patient, den Therapeuten grundsätzlich in Frage zu stellen. Vielleicht nimmt er an, der Therapeut würde nicht über die nötigen Methodenkenntnisse oder Informationen verfügen, um eine angemessene Unterstützung bieten zu können. Außerdem kann es vorkommen, dass der Patient glaubt, der Therapeut wäre zu jung, um seine Probleme zu verstehen.

Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass Altersunterschiede meistens nur zu Beginn der Therapie ein Problem für den Patienten darstellen. Der Grund hierfür ist der, dass ältere Patienten oft annehmen, dass der jüngere Therapeut sich nicht genügend in ihre Problemstellungen einfühlen kann.

Dennoch ist es auch in diesem Fall unbedingt erforderlich, dass der Psychologe dieses Thema umgehend anspricht. Wenn er die richtige Strategie wählt, kann er die Bedenken des Patienten ausräumen. So kann sich aus einer anfangs aussichtslos erscheinenden therapeutischen Beziehung eine gute und erfolgreiche Therapie entwickeln.

Labrador hat in seinem Handbuch Schwierige Situationen in der Therapie (Difficult Situations in Therapy, 2011) einige wichtige Strategien genannt. Beispielsweise solltest du die Probleme des Patienten ausräumen und ihn nach seinen Widerständen und Fähigkeiten befragen, von denen er glaubt, sie nicht zu haben. Außerdem rät er Patienten, sich auf die Vorteile zu konzentrieren, die sie durch einen jungen Therapeuten haben.

Resistenz auflösen durch regelmäßige Aufzeichnungen

Während der Evaluation und ebenso während der Intervention selbst besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Patient seine Hausaufgaben nicht erledigt. Oftmals wird er auch nicht die grundlegenden Aufgaben, wie das Schreiben eines Tagebuches oder das Führen von Aufzeichnungen ausführen. Allerdings sind genau diese Aufzeichnungen sehr wichtig, um eine funktionale Analyse durchzuführen und einen Behandlungsplan zu erstellen.

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass du den Patienten dazu motivieren kannst, zu jeder Sitzung seine Aufzeichnungen mitzubringen. Nachfolgend nennen wir dir einige der Strategien, wie du dieses Ziel erreichen kannst:

  • Gehe nicht automatisch davon aus, dass dein Patient deine Erklärungen dazu verstanden hat, wie genau er seine Aufzeichnungen anfertigen soll. Vielleicht hast du die Aufgabe nicht gut genug erklärt oder deine Wortwahl war nicht passend für den Patienten. Daher solltest du die Aufgabenstellung erneut erklären, um sicherzustellen, dass der Klient den Sinn verstanden hat.
  • Betone die Wichtigkeit dieser Aufgabe. Erkläre dem Patienten, dass die Aufzeichnungen nicht nur für dich als Therapeuten hilfreich sind, sondern, dass sie auch für den Klienten selber eine wertvolle Unterstützung darstellen. Darüber hinaus solltest du erwähnen, dass das Fehlen dieser Aufzeichnungen den Erfolg der Therapie beeinträchtigen kann.
  • Wenn du dem Patienten diese Aufgabe stellst, dann solltest du dies auf angemessene Weise tun. Versuche nicht zu sagen „Sie müssen diese Aufzeichnungen anfertigen und sie dann bei der nächsten Sitzung dabeihaben.“ Besser ist es, wenn du den Patienten motivierst, indem du ihm verdeutlichst, dass ihr gemeinsam an dem Prozess arbeitet.
  • Stelle sicher, dass du dem Patienten die passenden Unterlagen zur Verfügung stellst. Bedenke, dass der Bildungsstand und das soziokulturelle Niveau deiner Klienten sehr unterschiedlich sein kann. Wir neigen dazu, anzunehmen, dass der Gebrauch von Stift und Papier völlig selbstverständlich sind. Aber das muss nicht für jeden gleichermaßen der Fall sein.

Wie kannst du deinen Patienten zusätzlich motivieren?

Manchen Menschen ist es nicht möglich, ihre Schreibunterlagen überallhin mitzunehmen. Andere schreiben vielleicht nicht gerne und sie fühlen sich so unwohl damit, dass sie es aus Angst davor gar nicht erst versuchen wollen. Es gibt auch Menschen, die so vergesslich sind, dass sie während des Tages keinen Gedanken an die Aufzeichnungen verlieren. Wenn sie dann abends damit beginnen, haben sie möglicherweise einen Großteil schon wieder vergessen.

Aus diesen Gründen solltest du unvoreingenommen und flexibel bleiben. Gib deinen Patienten erforderlichenfalls die Möglichkeit, die Aufzeichnungen auf andere Weise anzufertigen. Inzwischen gibt es zahlreiche technische Möglichkeiten, Notizen anzufertigen.

Ermutige deine Klienten dazu, ihre Notizen in ihr Smartphone zu schreiben. Außerdem könnten sie diese auch aufnehmen oder Apps wie Mentalcheck oder Self-Monitoring benutzen. Diese Alternativen können deine Patienten motivieren, ihre Aufzeichnungen regelmäßig vorzunehmen. Dadurch wird sich auch die Qualität der Therapiesitzungen deutlich steigern lassen.

  • Biete Hilfestellung an. Wenn ein Patient regelmäßig seine Aufzeichnungen vergisst, dann könntest du ihn mit einer Textnachricht daran erinnern. Während der Sitzung kannst du dann gemeinsam mit dem Patienten besprechen, wie er sich besser erinnern kann. Schlage beispielsweise vor, eine Erinnerung im Smartphone einzurichten. Eine andere Möglichkeit sind kleine Notizen an Orten, die der Patient während des Tages häufig aufsucht.
Resistenz - Gespräch

Die Ultima Ratio: knüpfe die nächste Sitzung an eine Bedingung

Resistenz in der Therapie kann sehr hartnäckig sein. Manche Patienten erledigen trotz all deiner Bemühungen keine der vereinbarten Aufgabenstellungen. Oftmals gibt es hierfür keine ersichtlichen Gründe.

Wenn du dich in einer solchen Situation befindest, dann kannst du versuchen, den Patienten direkt mit dieser Situation zu konfrontieren. Sage ihm, dass du nur dann eine weitere Sitzung mit ihm durchführen wirst, wenn er seine vervollständigten Aufzeichnungen zur nächsten Sitzung mitbringt.

Zu diesem Zweck wirst du den Patienten am Tag vor dem Termin anrufen und ihn fragen, ob er die Aufzeichnungen vervollständigt hat. Wenn der Patient diese Frage verneint, dann wirst du den vereinbarten Termin absagen. Dies wiederholst du so lange, bis der Patient die Aufzeichnungen erledigt.

Dieses Vorgehen solltest du aber nur als allerletzte Maßnahme wählen. Die Aufzeichnungen des Patienten sind essentiell in der therapeutischen Arbeit, darüber besteht kein Zweifel. Allerdings solltest du stets bedenken, dass viele Patienten aufgrund ihrer Erkrankung deine Behandlung benötigen. Eine Verschiebung ihrer Sitzung würde ihnen daher eher schaden als helfen.

Letztendlich sollte es immer dein Ziel sein, deinen Patienten die für sie beste, effektivste und geeignetste therapeutische Hilfe zu bieten. Wenn es also irgendeine Möglichkeit gibt, dass du die Aufgabenstellungen anpassen oder ganz verwerfen kannst, ersetze sie durch andere Methoden, um das Therapieziel zu erreichen. Daher solltest du dir stets Alternativen überlegen, um auf die Bedürfnisse deiner Patienten angemessen eingehen zu können.

  • Labrador, F. (2011). Situaciones difíciles en terapia. Madrid: Pirámide.