René Descartes: Ich träume, also bin ich

Der französische Denker lädt uns auch heute noch zur Reflexion über unsere Wirklichkeit ein, fordert uns jedoch gleichzeitig dazu auf, kritisch darüber nachzudenken und methodisch zu zweifeln, um die wahre Natur der Welt zu verstehen.
René Descartes: Ich träume, also bin ich
Gema Sánchez Cuevas

Geschrieben und geprüft von der Psychologe Gema Sánchez Cuevas.

Letzte Aktualisierung: 29. Oktober 2023

Der französische Philosoph René Descartes leistete herausragende Beiträge zur Philosophie, Mathematik und Wissenschaft. Er ist nicht nur für seinen Satz “Cogito ergo sum” (Ich denke, also bin ich) bekannt, sondern gilt auch als der erste Denker der abendländischen Philosophie, der Kriterien zur Unterscheidung von Traum und Realität entwickelte. Wie können wir wissen, dass unsere Realität kein Traum ist?

Platon hatte sich bereits im antiken Griechenland die Frage gestellt, ob unsere Träume Realität und unsere Realität ein Traum sein könnte. René Descartes definierte jedoch als erster abendländischer Denker die Unterscheidungskriterien von Traum und Wirklichkeit.

René Descartes und seine Theorie über Traum und Wirklichkeit

Der französische Philosoph beschrieb seine Theorie über Traum und Wirklichkeit in seinem Werk Meditationen¹, das 1641 veröffentlicht wurde. Darin beschäftigt er sich mit Fragen über die Existenz, die Wahrheit, das Wissen und die Wirklichkeit. Er versucht, sichere und wahre Erkenntnisse zu finden, die als Grundlage dienen, um unfehlbares, wissenschaftliches Wissen aufzubauen.

Cogito ergo sum

René Descartes stellt die Realität infrage, da wir uns sowohl im Traum als auch in der Wirklichkeit reale und irrationale Dinge vorstellen können. Wie können wir also Traum und Wachsein unterscheiden? Die Gedanken des Philosophen: Träume mögen zwar unwahrscheinliche Geschichten widerspiegeln, doch trotzdem müssen diese der Realität entnommen sein. Sie müssen also eine Ähnlichkeit mit realen Dingen haben.

Träume sind wie gemalte Bilder, die nur in Anlehnung an die Realität entstehen können.

Descartes wendete seinen radikalen Zweifel auf alles an (hyperbolisch). Seine eigenen Erfahrungen mit Träumen lehrten ihn, dass die Körperwahrnehmung eine Illusion sein kann. Er zweifelte an allem in der Welt, auch an mathematischen Wahrheiten, bis er schließlich eine unzweifelhafte Gewissheit fand, auf der alle anderen Überzeugungen aufbauen: Cogito ergo sum. Solange ich denke, existiere ich, daran besteht kein Zweifel.

Descartes: Traum oder Wirklichkeit?

Der Traum und die Existenz

René Descartes geht davon aus, dass die Wirklichkeit ein subjektives Konstrukt unseres Gehirns ist, das wir selbst erschaffen. Es gibt also keine allgemeingültige Wirklichkeit, sondern so viele subjektive Realitäten, wie es Menschen gibt. Wenn wir sind, weil wir denken, und wir denken, dass wir träumen, könnte der Traum Realität sein. Unsere Gedanken könnten jedoch auch ein Traum sein. Wir können Gewöhnliches im Traum oder im Wachzustand erleben, da wir jedoch diese beiden Zustände nicht unterscheiden können, können wir auch unseren Sinnen nicht trauen.

Was also unterscheidet den Traum von der Realität? Descartes beschreibt den Wachzustand als kohärent: Wir entwickeln zusammenhängende Gedankengänge. Träume hingegen sind nicht zusammenhängend. In seinem Werk Meditationen kommt Descartes zu einem einfachen Schluss: Wach- und Traumzustände unterscheiden sich dadurch, dass Träume nicht real sind.

Der Traum ist subjektiv, so wie unsere Realität.

Das Problem der Existenz stellt die Unmöglichkeit dar, zu wissen, ob wir in einem Traum leben oder nicht. Wir haben schon immer geträumt, die Realität und die Welt um uns herum könnten also einen ewigen Traum darstellen. Wenn wir aufwachen, würden wir aufhören zu existieren und alles verlieren, was wir zu wissen glauben. Beunruhigend, nicht wahr?

“Du existierst nur als fiktives Wesen; du bist, armer Augusto, nur ein Produkt meiner Fantasie und derjenigen meiner Leser, die den Bericht über deine angeblichen Abenteuer und Missgeschicke lesen, den ich geschrieben habe.”

Miguel de Unamuno

Die Traumhypothese von Descartes erschüttert nicht nur die wissenschaftlichen Kenntnisse, sondern die Existenz als solche.

Der Traum als moralisches Problem

Das descartianische Verständnis von Traum und Wirklichkeit macht den Stand der damaligen Wissenschaft deutlich. Es regt zu einer tiefen philosophischen Reflexion über die Wahrheit und die Existenz an. Wir können jedoch auch eine moralische Komponente beobachten, denn Descartes Gedanken zielen darauf ab, das menschliche Leben und die Natur zu beherrschen.

Die Vernunft hat den Wunsch, die Wahrheit zu finden, die Moral müsste in diesem Sinne dem Grad der Gewissheit entsprechen, die wir über die Dinge haben. Je wahrer unser Wissen über die Welt ist, desto mehr Kontrolle haben wir über unser Leben. Und wenn wir unsere Leben gut meistern, können wir auch die Natur beherrschen, die uns hilft, unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse zu erweitern. Auf diese Weise lernen wir die Welt besser kennen und können sie besser verwalten.

“Das Wort Philosophie bedeutet das Studium der Weisheit, und mit Weisheit ist nicht nur Klugheit im Handeln gemeint, sondern ein vollkommenes Wissen über alle Dinge, das der Mensch sowohl für die Führung seines Lebens als auch für die Erhaltung aller Künste erlangen kann.”

Descartes

Descartes und seine Theorie der Träume

Träume spielten in den philosophischen Gedanken des Franzosen Descartes eine entscheidende Rolle: Er nutzte sie als Instrument zur Erforschung der Natur der Realität und Wahrheit. Er nimmt eine kritische Haltung gegenüber der Definition von Traum und Wirklichkeit ein und versuchte, solide und sichere Erkenntnisse, die auf Vernunft und eindeutige Beweise aufbauen, zu erlangen.

Der französische Denker lädt uns auch heute noch zur Reflexion über unsere Wirklichkeit ein, fordert uns jedoch gleichzeitig dazu auf, kritisch darüber nachzudenken und methodisch zu zweifeln, um die wahre Natur der Welt zu verstehen.

Literaturempfehlung

  1. Meditationen, René Descartes, Meiner 2009

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