Hyperrationalisierung: Wenn Zweifel uns blockieren

9. Juli 2019
Zweifel führen dazu, dass wir uns unentschlossen fühlen, doch in vielen Fällen auch weise und vorsichtig. Auf der anderen Seite könnte man von der Hyperrationalisierung auch als Produkt der Ausbeutung der Logik und der Ablehnung der Intuition sprechen.

Die Hyperrationalisierung ist eine Art des pathologischen Zweifels, die eine Person blockiert. Bei dieser ist es üblich, dass sie außerordentlich logisch, rational und fern jeglicher Spontanität auftritt. Auf der anderen Seite bringt dieser Zustand auch eine enorme Unannehmlichkeit für die betroffene Person mit sich.

In der Tat spielen die Emotionen und die Intuition bei vielen Entscheidungen, die wir treffen, eine wichtige Rolle. Sich nicht um diese Elemente zu kümmern, die ein Teil von uns sind, ist wie einen wichtigen Teil unserer Natur zu ignorieren. Eine Verzweiflung, die einem nicht immer sofort in den Sinn kommen würde.

Wenn der Zweifel blockiert

Zweifel führen dazu, dass wir uns unentschlossen fühlen, doch in vielen Fällen auch weise und vorsichtig. Auf der anderen Seite könnte man von der Hyperrationalisierung auch als Produkt der Ausbeutung der Logik und der Ablehnung der Intuition sprechen. Der Mensch kann an einer Entscheidung zweifeln; er kann glauben oder nicht glauben, tun oder nicht tun. Wenn eine Person dabei ist zu hyperrationalisieren, verwickelt sie sich normalerweise in Zweifel, bis sie endgültig darin gefangen ist.

Wir sind rationale Wesen, doch genauso sind wir emotionale Wesen. Wenn wir uns also zu sehr auf unsere Logik verlassen, sind wir letzten Endes nicht mehr voll funktionsfähig. Somit erzeugt die Hyperrationalisierung also Angst und verstärkt unbeabsichtigt unsere Leidenschaft für die Logik; dieselbe, die uns ertrinken lässt.

Das Profil einer Frau, die Zweifel hat - Hyperrationalisierung

Was ist die Hyperrationalität?

Die Vernunft ist kein natürliches Element; in vielen Fällen ist sie noch nicht einmal real, sondern nur eine Illusion. Viele der Entscheidungen, die wir mit Vernunft zu treffen glauben, sind nur das verborgene Produkt der Meinung unserer Emotionen.

Die Hyperrationalität ist nichts anderes als das Vertrauen in diese Illusion, die besonders dann auftritt, wenn wir eine Ära durchlaufen, die wie eine Wüste von Erfolgen und guten Entscheidungen erscheint. Wir fühlen uns betrogen von dem, was wir nicht kontrollieren können und wir halten an dem fest, was wir kontrollieren wollen. Auf diese Art und Weise können wir vorgeben, uns logisch zu verhalten, wenn es jedoch aufgrund der Menge an fehlenden Informationen gar nicht möglich ist, in dieser Situation logisch zu sein.

Hyperrationalisierung bei Zwangsstörungen

Die Erklärungen, die im Zusammenhang mit Zwangsstörungen (Obsessive Compulsive Disorder, OCD) behandelt werden, sind vielfältig, so wie zum Beispiel ein „unvollendetes Gefühl“ oder „nicht ganz korrekte Erfahrungen“. Diese sind inspiriert von den klassischen Beschreibungen von Janet (1903).

Das Gefühl „unvollendet zu sein“ würde sich auf ein inneres Gefühl der Unvollkommenheit beziehen. Daher ist es mit der Wahrnehmung verbunden, dass Handlungen oder Absichten nicht vollständig erreicht wurden (Pitman, 1987).

Dieses Gefühl der Unvollkommenheit wird jedoch nicht nur von Menschen erfahren, die an Zwangsstörungen leiden. Studien, die mit dem NJRE-Q-Fragebogen durchgeführt wurden, haben ergeben, dass diese Empfindungen in der nichtklinischen Bevölkerung, insbesondere bei 99 % der Studenten in der Stichprobe, äußerst häufig auftreten.

Diese Erfahrungen des „sich unvollkommen Fühlens“ können als allgemeine Tendenz angesehen werden, Zweifel zum Ausdruck zu bringen oder auch die eigene Erfahrung in Frage zu stellen (Tallis, 1995). Angesichts der psychologischen Forschung wird häufig die „Skala der Unentschlossenheit“ (Indecisiveness Scale, IS, Frost und Shows, 1993) verwendet.

„Wie fühlst du dich, wenn du eine Entscheidung treffen musst? Wenn uns die Vernunft blockiert, können uns Fragen, die mit unserem emotionalem Teil in Verbindung stehen, dabei helfen, bessere Entscheidungen treffen zu können.“

Fensterscheibe, auf die ein Fragezeichen gezeichnet wurde - Hyperrationalisierung

Hyperrationalisierung: Keine Fehler akzeptieren

Eines der Hauptmerkmale der Hyperrationalisierung ist die Schwierigkeit, Fehler akzeptieren zu können. Das heißt, man muss sich erst einmal der Tatsache stellen, dass im Leben auch Fehler gemacht werden dürfen. Menschen, die dazu neigen zu hyperrationalisieren, sind dazu jedoch nicht in der Lage.

In manchen Situationen verbergen großartige detaillierte Erklärungen und überwältigende Worte den Wunsch, Intelligenz zu zeigen. Wir müssen uns daran erinnern, dass der Mensch nicht nur ein Gehirn zum Denken hat, vielmehr verfügen wir über ein System, das aus Ideen, Empfindungen und Emotionen besteht.

Es dauert ungefähr 6 Jahre, um die Strukturen des Haupthirns zu bilden. Das bedeutet, dass die Entscheidungen, die in den ersten Lebensjahren getroffen werden, im Wesentlichen von unserem intuitivsten und emotionalsten Teil bestimmt werden. Die Logik erscheint zu dieser Zeit nur in sehr geringen Dosen, verglichen mit dem Protagonismus der sensorischen und assoziativen Rezeptoren.

Das Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman erklärt sehr gut das Ergebnis der jahrzehntelangen Forschung zur Dichotomie des Denkens. Zusammenfassend spricht der Autor hierbei von zwei unterschiedlichen Denkweisen:

  • System 1: ist eine schnelle, instinktive, automatische, unbewusste, stereotype und emotionale Denkweise.
  • System 2: ist eine langsamere Denkweise, die Anstrengungen erfordert, nicht wiederholend, bewusst, überlegt und logisch auftritt.

Im Gegensatz zur Hyperrationalisierung erklärt Daniel Kahneman seine Analyse dieser zwei verschiedenen Arten, auf die der Verstand Gedanken erzeugen kann. Die Evolution hat es dem Menschen ermöglicht, seine Fähigkeit zur Vernunft zu entwickeln. Unser emotionaler Teil hat jedoch seine Nützlichkeit auch nicht verloren. Stell dir nur vor, du müsstest alles Stehen und Liegen lassen, wenn ein Feuer ausbricht, um eine Liste der Vor- und Nachteile deiner bevorstehenden Handlungen zu erstellen.

  • Álvarez, M. P. (2008). Desenredamiento auto-reflexivo y activación conductual: claves para la terapia. Prolepsis., 17-43.
  • Carrasco, A., & Belloch, A. (2013). Algo no está bien: una nueva lectura de la duda obsesiva. Psicología Conductual, 21(2), 341-36
  • Kahneman, D. (2012). Pensar rápido, pensar despacio. Debate.
  • Pérez-Álvarez, M. (2008). La hiperreflexividad como condicion de los trastornos mentales: una perspectiva clinica e historica. Psicothema20(2), 181-188.