Referenzwahn: Was ist das?

Der Referenzwahn hat ganz besondere Merkmale und kann große Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben.
Referenzwahn: Was ist das?

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2022

Psychotische Störungen verändern die Wahrnehmung der objektiven Realität. Die meisten denken in diesem Zusammenhang an Schizophrenie, doch es gibt auch andere Störungen, die zu Wahnvorstellungen führen. Deshalb ist auch der Referenzwahn zwar ein häufiges Symptom der schizophrenen Psychose, kann jedoch auch in anderen klinischen Kontexten auftreten. Wir gehen heute näher auf die Merkmale dieser Wahnvorstellung, ihre möglichen Ursachen und ihre Behandlung näher ein.

Was ist Referenzwahn?

Wir alle haben verschiedene Glaubenssysteme, die wie ein Filter wirken, der die Realität verarbeitet. Es ist, als würde man die Welt durch das Objektiv einer Kamera betrachten, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sie funktioniert. Unser Glaubenssystem ist nicht völlig objektiv, denn es gibt Faktoren wie kognitive Verzerrungen, die unsere Wahrnehmung beeinflussen.

Trotzdem basiert die Art und Weise, wie wir Informationen verarbeiten, immer noch auf der objektiven Realität. Wenn wir jedoch von Wahnvorstellungen sprechen, geht es um Überzeugungen, die die Wahrnehmung in pathologischer Weise verändern. Wahnvorstellungen basieren nicht auf der Realität und werden daher innerhalb der Kultur und der sozialen Gruppe des Patienten nicht geteilt. Bei Eifersuchtswahn glaubt beispielsweise die betroffene Person, dass ihr Partner untreu ist, obwohl es dafür keine Beweise gibt.

Patienten mit Referenzwahn glauben, dass Kommentare oder Verhaltensweisen anderer Menschen mit ihnen selbst zu tun haben. Sie sehen darin versteckte Botschaften, die sie persönlich nehmen und als negativ interpretieren. Referenzwahnvorstellungen können auch so weit gehen, dass Betroffene die Fernsehwerbung persönlich nehmen.

Referenzwahn ist ein häufiges Symptom von Schizophrenie oder anderen psychotischen Störungen. Er kann aber auch in Verbindung mit anderen, nicht psychotischen Erkrankungen einhergehen oder sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickeln. In dieser Situation haben wir es mit einer möglichen Wahnstörung zu tun, die auch andere Wahnvorstellungen hervorrufen kann.

Frau mit Referenzwahn

Ursachen

Wie bei den anderen psychischen Störungen gibt es keine eindeutige oder einzige Ursache, die diese Wahnvorstellungen erklären könnte. Verschiedene Faktoren, wie Funktionsstörungen in bestimmten Gehirnbereichen, welche die Selbstreferenz modulieren, können allerdings eine Erklärung geben.

Eine Studie von Menom et al. (2011) weist darauf hin, dass kortikale Mittellinienstrukturen, subkortikale Regionen, die Amygdala und das Striatum daran beteiligt sind. Die Arbeit der Autoren ergab, dass bei Referenzwahn eine erhöhte Aktivierung in diesen Hirnarealen vorliegt. Außerdem gibt es keinen Unterschied in der Aktivität, wenn Informationen empfangen werden, die die Person betreffen, und Informationen, die das nicht tun.

Mit anderen Worten: Das Gehirn dieser Menschen interpretiert, dass sich Kommentare, Nachrichten im Fernsehen oder Radio oder Aussagen von Fußgängern auf der Straße persönlich sind und mit ihnen zu tun haben. Auch wenn das Gegenteil bewiesen werden kann, sind sie durch ihre Wahnvorstellungen davon überzeugt.

Diese Patienten leiden häufig nicht nur an Schizophrenie, sondern auch an einer bipolaren Störung, schweren Depressionen oder Demenz.

Die genauen Ursachen der neurologischen Störung sind jedoch nicht ausreichend erforscht. Studien deuten darauf hin, dass Angehörige von Patienten mit einer psychotischen Störung ein größeres Risiko haben, auch selbst daran zu erkranken. Daher könnte man die Hypothese aufstellen, dass genetische Faktoren und neuropsychologische Probleme eine Rolle spielen.

Andererseits kann Stress das Risiko für psychotische Symptome erhöhen. Eine Studie von Turley et al. (2019) ergab, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen Stress und psychotischen Erfahrungen gibt.

Frau leidet an Referenzwahn

Intervention bei Referenzwahn

Die Intervention erfolgt meist auf mehreren Ebenen: Einerseits können Antipsychotika verschrieben werden, um die Häufigkeit der Wahnvorstellungen zu verringern.

Zusätzlich kann eine Psychotherapie den Patienten die notwendige Psychoedukation über die Symptome der Störung und deren Auswirkungen vermitteln. Außerdem kann die Therapie auch die Einhaltung der pharmakologischen Behandlung fördern und den Patienten Techniken zur Bewältigung des Wahns beibringen.

Ebenso ist es wichtig, in das soziale Umfeld des Patienten einzugreifen. Familienmitglieder und andere Schlüsselpersonen müssen über die Schwierigkeiten informiert werden. Sie können mit verschiedenen Strategien geschult werden, um die Wahnepisoden bestmöglich zu bewältigen.

Diese dreifache Intervention verbessert die Prognose für Menschen mit psychotischen Störungen. Mit der Zeit werden sie wahrscheinlich in der Lage sein, sich wieder in ihre Aktivitäten wie Arbeit oder Schule zu integrieren. Mit der richtigen Therapie ist auch das Risiko eines Rückfalls geringer.

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  • Menon, M., Schmitz, T. W., Anderson, A. K., Graff, A., Korostil, M., Mamo, D., … & Kapur, S. (2011). Exploring the neural correlates of delusions of reference. Biological psychiatry, 70(12), 1127-1133.
  • Turley, D., Drake, R., Killackey, E., & Yung, A. R. (2019). Perceived stress and psychosis: The effect of perceived stress on psychotic‐like experiences in a community sample of adolescents. Early intervention in psychiatry, 13(6), 1465-1469.