Psychologische Unterstützung für Patienten mit Epilepsie

13 August, 2020
Psychologische Unterstützung und Begleitung kann Patienten, die an Epilepsie leiden, dabei helfen, die Häufigkeit der Anfälle zu reduzieren. Dadurch wird sich auch ihre Lebensqualität wesentlich verbessern. Wir erklären dir heute, welche Möglichkeiten es gibt.

Epilepsie ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Eine vorübergehende Störung der Neuronen stört das Gleichgewicht zwischen exzitatorischen und inhibitorischen Neuronen. Aus diesem Grund erleiden viele Nervenzellen gleichzeitig eine starke Entladung.

Abhängig von der jeweiligen Beteiligung des Gehirns gibt es verschiedene Arten von Anfällen, die auftreten können. Sie können entweder das gesamte Gehirn betreffen oder nur bestimmte Bereiche. Eine Krise oder ein Anfall kann in einem Teil des Gehirns entstehen und sich dann auf die restlichen Areale ausweiten.

Wenn ein Anfall nur unter ganz bestimmten Umständen wie beispielsweise einer Vergiftung, Sauerstoffmangel oder Fieber auftritt, dann spricht man nicht von Epilepsie. Bei dieser Erkrankung treten wiederholt und konsistent epileptische Anfälle auf.

Die Hälfte aller Epilepsie-Fälle treten in der Kindheit auf und mehr als zwei Drittel der Epileptiker hatten ihren ersten Anfall vor ihrem 20. Lebensjahr.

Epilepsie - mechanisches Gehirn

Die Ursachen von Epilepsie und verschiedene Arten von Anfällen

Epilepsie kann aufgrund einer Prädisposition des Gehirns oder durch eine spätere Gehirnschädigung ausgelöst werden. Viele Hirnschädigungen treten während der Geburt oder in der frühen Kindheit auf. Darüber hinaus können unter anderem auch Infektionen, Verletzungen, Gehirntumore, Hirnblutungen, Vergiftungen und eine schlechte Vaskularisierung Hirnschädigungen verursachen.

Dennoch haben die meisten Epileptiker keine anhaltende Hirnverletzung, sie leiden vielmehr unter sich wiederholenden Anfällen, die teilweise durch Medikamente kontrolliert werden können.

Wie manifestieren sich die unterschiedlichen epileptischen Anfälle?

Das klinische Ausmaß dieser Anfälle hängt von der Art der Epilepsie ab und kann sich daher auf unterschiedliche Art und Weise manifestieren.

  • Der Patient unterbricht schlagartig seine momentane Aktivität und scheint für einige Sekunden mit leerem Blick zu erstarren. Anschließend fährt er mit dem fort, was er vorher getan hat.
  • Außerdem können die Patienten Muskelkrämpfe erleiden.
  • Plötzlich fallen sie in einen Zustand der Verwirrung und können ihre Bewegungen nicht mehr kontrollieren.
  • Darüber hinaus kommt es vor, dass Patienten stürzen oder bewusstlos werden. Ihr Körper wird steif und sie haben Krampfanfälle im Kopf und den Gliedmaßen.

Außerdem kann es bei epileptischen Anfällen zu stereotypen Bewegungen, Klopfen, Blinzeln, Speichelfluss, Erbrechen, Atembeschwerden, Einnässen usw. kommen.

Normalerweise dauern diese Anfälle nicht lange an und sie enden so unvermittelt, wie sie begonnen haben. Dennoch verlieren epileptische Patienten die Kontrolle über einige physiologische Funktionen, während sie einen Anfall erleiden.

Epilepsie - Gehirn mit Labyrinth

Die Behandlung von Epilepsie

Die meisten Epilepsien lassen sich gut mit Medikamenten behandeln. Obwohl häufig bereits ein einziges Medikament große Wirkung zeigt, gibt es auch Fälle, in denen zwei oder mehr benötigt werden. Darüber hinaus ist in den meisten Fällen eine lebenslange medikamentöse Behandlung erforderlich.

Wenn die Anfälle anhalten oder sich verschlimmern und eine Resistenz gegen die Medikamente besteht, ist ein operativer Eingriff eine weitere Option für die betroffenen Patienten.

Psychologische Unterstützung und Betreuung von Epilepsie-Patienten

Eine eindeutige Diagnose ermöglicht den epileptischen Patienten und ihren Familien, besser mit dieser Realität fertig zu werden. Wenn die Betroffenen ihre Epilepsie verstehen und die notwendige Unterstützung erhalten, gehen sie in der Regel besser mit ihren Anfällen und den damit verbundenen Emotionen um. Außerdem können sie sich dann auch besser für ihre Interessen und Bedürfnisse einsetzen.

Daher besteht der erste wichtige Schritt darin, dass die Betroffenen mehr über die Epilepsie lernen und erfahren. Selbsthilfegruppen oder Gespräche mit einem Spezialisten sind großartige Möglichkeiten, um mehr Informationen und Verständnis zu erhalten.

Einige Menschen suchen einen Therapeuten oder einen Psychologen auf, um psychologische Unterstützung zu bekommen. Es ist sehr wichtig, dass der Epileptiker ein Netzwerk aus Menschen um sich hat, denen er vertraut und die ihm die notwendige Unterstützung bieten können.

Darüber hinaus gibt es auch weniger offensichtliche, aber dennoch gleichermaßen bedeutsame Probleme. Beispielsweise die Akzeptanz der Diagnose, der Umgang mit den damit verbundenen Emotionen, Hygiene, familiäre Probleme, berufliche Entwicklung usw.

Daher sollten Patienten auch aktiv mit in die Behandlung ihrer Epilepsie einbezogen werden. Die Kontrolle über die Krankheit übernehmen, der Umgang mit ihren Emotionen, verstehen, was einen Anfall auslösen könnte und wenn möglich, derartige Umstände verhindern. Schließlich müssen sie eine Interventionsmethode finden, die ihnen dabei helfen kann, die Anfälle zu kontrollieren, wenn dies möglich ist.

Ein unterstützendes Netzwerk verschiedener medizinischer Experten in der Kindheit

Um Kinder mit Epilepsie besser behandeln zu können, musst du die neurologischen und emotionalen Faktoren verstehen, die ihre Symptome auslösen könnten. Allerdings ist dies eine schwierige Aufgabe, da die Grenzen undeutlich und fließend sind.

Ein Neuropädiater, also ein Kinderneurologe, der mit einem Neuropsychologen zusammenarbeitet, kann eine neuropsychologische Bewertung der Fähigkeiten und Probleme eines Kindes vornehmen. Darüber hinaus werden die Experten diese Bewertung dann mit anderen kognitiven Störungen abgleichen. So wirst du eine Vorstellung davon bekommen, welche andere Störung die Anfälle möglicherweise verursachen könnte.

Die Kommunikation zwischen den Ärzten und der Familie des Epilepsie-Patienten

Psychologen befragen Kinder und Jugendliche, um ihre Erfahrungen mit der Krankheit und den sich daraus ergebenden Konsequenzen zu verstehen. Denn die Kinder könnten diese Erfahrungen als demütigend und traurig empfinden. Daher versuchen die Spezialisten, die Dinge aus ihrer Perspektive zu betrachten.

Jede medizinische Fachperson muss dem Kind beibringen, selber zu bewerten und zu erkennen, was einen Anfall auslösen könnte. Die Eltern epileptischer Kinder kennen normalerweise die möglichen Anzeichen und Situationen und sollten daher ihren engsten Verwandten mitteilen, wie sie sich im Falle eines Anfalls verhalten sollten.

Epilepsie - Gehirn eines Jungen

Umgang mit Emotionen aufgrund der Epilepsie-Erkrankung

Viele Epileptiker beobachten, dass ihre Emotionen und Gefühle die Häufigkeit der Anfälle beeinflussen. Daher könnten sie das Auftreten der Anfälle reduzieren, indem sie einen besseren Umgang mit ihren Emotionen erlernen.

Es ist durchaus möglich, eine innere Haltung zu verändern. Beispielsweise sollten sich Patienten mit Epilepsie auf die Dinge konzentrieren, die sie tun können, anstatt auf jene, die sie nicht tun können. Auch der richtige Umgang mit Stress könnte einen Anfall verhindern. Darüber hinaus sind auch Entspannungstechniken wie Yoga oder Tagebuch schreiben sehr hilfreich.

Andere wichtige Maßnahmen, die Patienten ergreifen können, um Anfällen vorzubeugen, sind folgende:

  • Eine gute Schlafhygiene.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität, um Hyperventilation zu vermeiden.
  • Die Einhaltung eines geregelten Ernährungsplanes.
  • Außerdem ist auch eine ausgewogene Ernährung sehr hilfreich.
  • Darüber hinaus sollten Epileptiker auf Kaffee, Zucker, Alkohol und Drogen verzichten.
  • Und natürlich ist auch die Einnahme der verordneten Medikamente eine wichtige Maßnahme.

Wie solltest du dich bei einem epileptischen Anfall verhalten?

Während eines Anfalls können die Betroffenen jederzeit seltsam, unerreichbar und unverständlich werden. Auch die Eltern fühlen sich oftmals hilflos und unfähig, ihren Kindern zu helfen. Daher ist es sehr wichtig, dass du die Krankheit verstehst, um auftretende Ängste zu vermeiden.

Während eines generalisierten tonisch-klonischen Anfalls solltest du:

  • Ruhig bleiben.
  • Den Patienten an einen Ort bringen, an dem er sich nicht selber verletzen kann.
  • Ein Kissen oder Kleidungsstücke unter seinem Kopf positionieren.
  • Ihm die Brille abnehmen.
  • Dem Patienten die Atmung erleichtern. Daher solltest du die Kleidung lockern, insbesondere am Hals.
  • Die Dauer des Anfalls festhalten.

Wenn die Krämpfe enden, ist es wichtig, dass du:

  • Den Betroffenen auf die Seite legst (vorzugsweise auf die linke Seite).
  • Seine Atemwege reinigst, um Speichel oder Erbrochenes zu beseitigen.
  • Außerdem solltest du so lange bei dem Patienten bleiben, bis er nicht mehr desorientiert ist.
  • Wenn erforderlich, sorge dafür, dass er zur Ruhe kommt und sich erholt.