Peter Pan – Die Geschichte des Jungen, der nicht erwachsen werden wollte

· 12. Oktober 2018

Peter Pan  ist ein bekanntes britisches Theaterstück von James M. Barrie. Barrie schrieb es für kleine Kinder und es debütierte 1904 in London. Es hat eine lange Geschichte. Bevor Peter Pan seinen Weg ins Theater fand, erschien die Figur in einem Roman von Barrie. In dieser ersten Version lebte er in London und alle Kinder waren Halbvögel, weshalb sie fliegen konnten.

Barrie überarbeitete seinen Roman und fügte neue Dinge hinzu, die wir im Theaterstück erstmals sehen konnten. Unter den Neuheiten ist der Feenstaub, der zum Fliegen verwendet wird, wohl eine der bekanntesten. Er musste ihn wegen einiger Unfälle, die sich in der Stadt ereigneten, mit einbeziehen. Diese Unfälle involvierten Kinder, die dachten, sie könnten fliegen.

Barrie wurde von den Kensington Gardens im Hyde Park inspiriert. Hier verbrachte er viel Zeit. Wenn wir nach London reisen und den Hyde Park besuchen, finden wir dort auch eine Statue von Peter Pan. Diese Statue steht nicht zufällig da, sondern wurde vom Autor des Stücks an dieser Stelle selbst aufgestellt, im Jahre 1912. Er übergab sie als Geschenk an die Kinder von London und platzierte sie dort, wo Peter Pan in der ersten Version des Stücks landete. Außerdem beschloss Barrie, die Rechte an dem Stück dem Great Ormond Street Children’s Hospital in London zu übertragen.

Ohne Zweifel scheint das Vermächtnis von Peter Pan unendlich. Da es unzählige Theater- und Filmadaptionen gibt, werden wir uns heute auf die sinnbildlichste konzentrieren. Das ist die Disney-Version von 1953.

Nimmerland

„Zweiter Stern rechts und geradeaus bis zum Morgen.“

Peter Pan

Nimmerland ist eine abgelegene Insel. Man kann nur über den höchsten Himmels hierhergelangen. Danach muss man „am zweiten Stern rechts abbiegen und den ganzen Weg bis zum Morgen fliegen“. Es ist ein Ort, an dem es keine Gesetze gibt und die Kinder, die dort leben, haben keinerlei Verantwortungen. Sie verbringen ihre Zeit mit Spielen und Spaß.

Diese Insel mag uns an die Vergnügungsinsel von Pinocchio erinnern. In beiden Filmen wollen die Kinder, die auf der jeweiligen Insel leben, keine Verantwortung übernehmen oder erwachsen werden. Sie sind abgelegene Orte, die von Erwachsenen nicht betreten werden dürfen und wo die Kinder tun können, was sie wollen. Im Gegensatz zu Pinocchio werden die Kinder, die im Nimmerland leben, „die verlorenen Jungs“ genannt. Sie sind diejenigen, die niemand für sich beansprucht hat.

Nimmerland

Auf der Insel leben magische Kreaturen wie Feen und Meerjungfrauen, aber auch Indianer und Piraten. Je mehr Zeit sie im Nimmerland verbringen, desto schwieriger wird es für sie, zu gehen. Es wird auch schwieriger, ihre Erinnerungen und ihr Leben zurückzubekommen.

Man kann Nimmerland als einen idyllischen Ort verstehen, an dem alles möglich ist, als einen Ort voller Abenteuer und Spaß. Trotzdem ist Nimmerland auch eine Falle. Die Kinder können dort nicht erwachsen werden. Sie reifen nie und haben daher nur ein Kurzzeitgedächtnis.

Wendy: Vernunft und Reife

Wendy lebt mit ihrer Familie in London, bis Peter Pan eines Nachts in ihrem Haus auftaucht. Er bringt Wendy und ihre Brüder nach Nimmerland. Am Anfang geht es Wendy genau wie den anderen und sie genießt Nimmerland. Sie ist begeistert von der Idee, fliegen und Nimmerland besuchen zu können. Deshalb nimmt sie die Einladung von Peter Pan an.

Peter und die verlorenen Jungs sehen Wendy als Mutterfigur. Sie kümmert sich um sie und erzählt ihnen Geschichten. Im Nimmerland gibt es keine Mädchen und es fehlt ihnen jede Art von Schutz oder mütterlicher Gestalt. Deshalb übernimmt Wendy diese Rolle.

Aufschauende Kinder

Nach und nach wird sie sich der Bedeutung des Erwachsenwerdens für ihre eigene Entwicklung bewusst und akzeptiert sie. Sie wird eine Art Mutter für die verlorenen Jungs. Schließlich überzeugt sie sich selbst, dass sie erwachsen werden muss.

Wendy ist eine weibliche Figur, der Gegenpol zu Peter Pan. Sie ist ein verantwortungsbewusstes Mädchen, das sich um ihre jüngeren Brüder kümmert. Sie strebt danach, eine erwachsene Frau zu werden. Wendy denkt rational und ergänzt Peter Pan.

„Wenn du wüsstest, wie wunderbar die Liebe einer Mutter ist, hättest du keine Angst.“

Wendy

Peter Pan – der Junge, der nicht erwachsen werden wollte

Peter Pan ist der Protagonist des Films. Er ist ein Junge, der in Nimmerland lebt und nicht an seine Vergangenheit erinnert. Zudem ist er der Anführer der verlorenen Jungs. Er spielt diese Rolle, denn auch in einer Welt ohne Regeln ist ein Anführer gefragt. Abgesehen davon ist Peter Pan der Auserwählte, um Nimmerland zu retten. Er wird immer von den verlorenen Jungs und von Tinkerbell begleitet, einer kleinen Fee, die sehr eifersüchtig und besitzergreifend ist.

In Wirklichkeit ist Peter Pan aber ein Junge, der Angst davor hat, erwachsen zu werden. Er hat Angst, sich seinen Problemen zu stellen und zu reifen. Peter wirkt sehr mutig, wenn er über Captain Hook lacht. Er verspottet ihn und macht ihn verrückt. Aber er ist nicht mutig genug, sich der realen Welt und der Zeit zu stellen.

Fantasie

Als er den Jungs verrät, dass ihre Gedanken sie fliegen lassen können, zeigt das seine Führungsqualitäten und starke Überzeugung. Er sagt ihnen, dass sie nur an sich selbst glauben müssen, daran, dass es möglich sei. Auf diese Weise und mit Hilfe des Feenstaubs würden sie wie Peter Pan fliegen können.

Die Menschheit scheint schon immer vogelgleich fliegen zu wollen, vielleicht, weil sie es für etwas Unmögliches und fast Göttliches hält. Als Kinder ist einer unserer größten Wünsche das Fliegen und Peter Pan kann seiner Fantasie freien Lauf lassen und fliegen, was ihn glücklich macht.

Das Konzept des Fliegens ist eng mit Fantasie und Freiheit verbunden. Wegen der Intervention von Erwachsenen werden diese jedoch manchmal begrenzt; Peter Pan und die verlorenen Jungs unterliegen keiner solchen Intervention und scheinen deshalb frei zu sein.

Peters Schatten

Peter Pan hat eine sehr charismatische Persönlichkeit. Aber er erweist sich auch als ein Junge, der zu unvorsichtig und zerstreut ist und sogar seinen eigenen Schatten verliert. Dieser Verlust seines Schattens bedeutet einen Identitätsverlust. Er zeigt, dass er ein Problem damit hat, sich selbst zu akzeptieren.

Unser Schatten ist wie ein Spiegel, in dem wir uns selbst erkennen. Er ist etwas, das an uns gebunden ist und uns gehört. Aber Peter Pan verliert ihn ständig. Das heißt, er verliert sich immer wieder selbst. Er versteckt sich vor seinem Schatten und flieht vor dem, was er am meisten fürchtet: dem Erwachsenwerden.

Dieses Werk hat einer Vielzahl von Interpretationen und einem endlosen Angebot an Adaptionen Platz gemacht. Aber es hat auch als Vorlage für das sogenannte Peter-Pan-Syndrom gedient. Menschen mit dieser Erkrankung wollen nicht erwachsen werden oder reifen. Außerdem gibt es das Wendy-Syndrom. Betroffen sind Menschen, die davon besessen sind, anderen zu gefallen, und die eine tief sitzende Angst vor Ablehnung haben. Ohne Zweifel ist Peter Pan eines der sinnbildlichsten Stücke des Vereinigten Königreichs.

„Ich bin jung, ich bin froh, ich bin ein kleiner Vogel, der aus dem Ei entschlüpft ist.“

Peter Pan