Perfektion als Schönheitsideal: Wie viel Körperkult ist zu viel?

Die Antwort auf das vermeintlich perfekte Schönheitsideal ist Selbstakzeptanz und ein starkes Selbstwertgefühl. Das Umdenken der Gesellschaft ist in diesem Zusammenhang grundlegend.  
Perfektion als Schönheitsideal: Wie viel Körperkult ist zu viel?

Letzte Aktualisierung: 16. Juli 2021

In den Medien und in sozialen Netzwerken werden uns bezüglich des perfekten Körpers Ideale vorgelebt, die nicht leicht zu erreichen und in vielen Fällen unrealistisch sind. Zusätzlich sind oft nicht gesund und haben negative Folgen, die sich auf das Selbstbild auswirken und sogar zu verschiedenen Krankheiten führen können. Wir gehen deshalb heute der Frage nach, wie das Schönheitsideal entsteht und wie wir damit sinnvoll umgehen können.

Das Schönheitsideal in den Medien und in sozialen Netzwerken

Medien und soziale Netzwerke haben einen großen Einfluss auf die Selbstwahrnehmung des eigenen Körpers. Vermeintliche Vorbilder leben Ideale vor, die in der Realität kaum umsetzbar sind und ihr nicht entsprechen.

Die sozialen Medien

Manipulierte Fotos stellen ein viel verwendetes Beispiel dar. So ist in sozialen Netzwerken kaum ein Bild zu finden, das nicht bearbeitet wurde. Viele Fotos haben nichts mehr mit dem Original gemeinsam.

Influencer spielen in diesem Kontext eine bedeutende Rolle. Sie sind unter anderem auf Instagram, aber auch auf YouTube sehr präsent und erfreuen sich großer Beliebtheit. Oftmals liegen die Hauptthemen im Bereich Beauty und Körperkult, doch in vielen Fällen wird den Anhängern ein völlig falsches Bild vermittelt.

Im Mittelpunkt steht häufig der vermeintlich perfekte, schlanke Körper. Doch auch andere “Schönheitsmakel” wie Pickel oder Falten werden wegretuschiert oder schlechtgemacht.

Andere Medien

Nicht nur in den sozialen Netzwerken, auch in der Werbung werden entsprechende Schönheitsideale transportiert, wobei Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen werden. Oft machen Prominente für Produkte Werbung, mit denen sie überhaupt nichts zu tun haben. Es gibt dafür unendlich viele Beispiele.

Außerdem entsprechen die meisten Persönlichkeiten, von Moderatoren bis hin zu Schauspielern, dem von Medien verbreiteten Schönheitsideal  – zumindest wenn wir ausschließlich das öffentlich transportierte Bild betrachten.

Schönheitsideal einer Frau

Die seelischen und verhaltensbedingten Folgen

Das omnipräsente Schönheitsideal kann dafür verantwortlich sein, dass sich vor allem jüngere Menschen, aber auch Erwachsene zu sehr daran orientieren, was verschiedene Probleme verursachen kann. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass optikbetonte soziale Netzwerke dieses Schönheitsideal fordern, um eine gewisse Reichweite zu erlangen.

Krankheiten durch „Magerwahn“

Gerade junge Menschen sind in den sozialen Medien aktiv und verfolgen dieses Ziel. Manche sind nicht mehr in der Lage, die Online-Welt von der Realität zu unterscheiden. In der Folge versuchen sie alles, um in ihrem Alltag immer so auszusehen, wie es ihre Schönheitsideale vorleben.

Es besteht also die reale Gefahr, dass Betroffene den Schlankheitswahn zu ernst nehmen und dadurch Krankheiten wie Bulimie oder Anorexie entwickeln. Viele haben lebenslang damit zu kämpfen: Ihr Leben verändert sich radikal und der Alltag wird von diesen Essstörungen geprägt.

Zusätzliche Risiken entstehen durch verschiedene Trends, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Ein Beispiel dafür ist der “Skinny Check“ auf TikTok. Diese Herausforderung besteht darin, dass weibliche Teenager und auch jüngere Mädchen Fotos und Videos unter dem Motto “je schlanker, desto besser” posten. Wir sehen also, dass das Verhalten von Gleichaltrigen ebenfalls sehr schädlich sein kann und in diesen Fällen die Selbstwahrnehmung verzerrt. 

Das falsche Schönheitsideal und seine Konsequenzen

Der Vergleich des Selbstbildes mit den verbreiteten Schönheitsidealen kann außerdem auch weitreichende psychische Probleme zur Folge haben. Weder die Selbstwahrnehmung noch die vermeintlichen Vorbilder entsprechen der Realität. Dies führt zu Minderwertigkeitsgedanken und einem geringen Selbstwertgefühl, was sich im Alltag auf allen Ebenen sehr negativ auswirkt. Es kann unter anderem zu depressiven Verstimmungen oder sogar zu einer Depression kommen.

Der richtige Umgang mit dem Körperkult im Alltag

Um entsprechenden Problemen vorzubeugen und sie gar nicht erst entstehen zu lassen, schlagen wir verschiedene Strategien vor. Es gibt Wege, mit dem Thema Körperkult vernünftig und sinnvoll umzugehen.

Ein klarer Blick auf die Realität

Der erste Schritt kann darin bestehen, sich den Unterschied zwischen der Realität und der Online-Welt bewusst zu machen. Im Erwachsenenalter ist dies einfacher, doch Kinder und Jugendliche benötigen die Unterstützung ihrer Eltern.

Es lohnt sich, bereits frühzeitig über dieses Thema mit ihnen zu sprechen und ihnen zu helfen, ein starkes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Wenn dennoch Probleme wie Magersucht oder unangemessene Selbstzweifel auftreten, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Form eines Psychotherapeuten oder Psychiaters hinzuzuziehen.

Ich glaube, dass glückliche Mädchen die schönsten Mädchen sind. (Audrey Hepburn)

Essstörungen und Schönheitsideal

Fitness und gesunder Lebensstil ohne Schlankheitswahn

Natürlich ist es sinnvoll, den eigenen Körper fit zu halten und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Der Grund: Das Gegenteil des Schlankheitswahns, also Adipositas, kann ebenfalls zu gesundheitlichen Problemen führen. Starkes Übergewicht tritt in Deutschland nicht selten auf.

Bei der Umsetzung im Alltag spielen Maß und Mitte eine wichtige Rolle. Zusätzlich ist das umfangreiche Wissen über einen gesunden Lebensstil die Grundlage, um Probleme zu vermeiden. In diesem Sinne sind

  • die passende Ernährung,
  • angemessener Sport und
  • das Vermeiden von zu viel Stress und zu wenig Schlaf grundlegend.

Zu einer gesunden Ernährung gehören auch ein ausreichendes Maß an Vitaminen und Eiweiß sowie der Verzicht auf zu viel Fett und Zucker.

Zucker kann zwar durch Süßstoff ersetzt werden, allerdings ist noch nicht abschließend geklärt, ob dies tatsächlich Vorteile für das Gewicht beziehungsweise für die Gesundheit hat. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Abnehmen damit leichter fällt, da künstliche Süßstoffe kalorienärmer sind.

Bei der Ernährung ist zudem Ausgewogenheit wichtig. Fast Food und andere hochkalorische Speisen sollten nicht zum Alltag gehören. Trotzdem kannst du dir gelegentlich ohne jede Bedenken deine Lieblingsmahlzeit gönnen. Selbst ausgetüftelte Trainings- und Ernährungsprogramme sehen oftmals sogenannte Cheat-Days vor, an denen auch Fast Food oder an anderen Tagen “verbotene” Speisen erlaubt sind.

Zusätzlich ist ausreichend Sport ein wichtiger Faktor für einen gesunden Lebensstil. Dieser wirkt sich nicht nur auf den Körper sehr positiv aus, sondern bringt auch Geist und Seele in Einklang. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass gesunde Figur nicht durch wenig Essen oder ständiges Fasten, sondern durch die richtige Ernährung und ausreichend Sport erzielt werden sollte.

Schönheit beginnt in dem Moment, in dem du beschließt, du selbst zu sein. (Coco Chanel)

Der Gegentrend zum klassischen Schönheitsideal: Body Positivity

Neben den verschiedenen Möglichkeiten zum gesunden Umgang mit dem Körperkult zeichnet sich auch ein Trend ab, der in sozialen Netzwerken zu einem Phänomen wurde. Wir sprechen von einer Bewegung, die sich gegen den krank machenden Schlankheitswahn richtet: die sogenannte Body Positivity.

Der Kern der Idee liegt darin, den eigenen Körper zu akzeptieren und ein positives Selbstbild zu entwickeln. Dabei spielt der Respekt vor dem eigenen Körper eine bedeutende Rolle. Niemand ist wegen seines Aussehens weniger wert und niemand hat das Recht, dies zum Ausdruck zu bringen. Es geht dabei im Allgemeinen um Selbstakzeptanz und die Abschaffung unrealistischer Schönheitsideale mit diskriminierender Wirkung. Umfassendere Ziele dieser Bewegung sind Diversität und soziale Gerechtigkeit. Das Umdenken der Gesellschaft wird in diesem Zusammenhang gefordert.

Wir sollten uns alle darüber bewusst werden, dass jeder Mensch und jeder Körper einzigartig ist. Body Positivity schließt also auch Individualität mit ein, anstatt sich an ein einheitliches Schönheitsideal zu halten, das völlig unrealistisch ist. Einige Promis haben sich dieser Bewegung bereits angeschlossen, unter anderem Will Smith und Demi Lovato.

Abschließende Bemerkung zum Thema Schönheitsideal

Übertriebene Schönheitsideale und Körperkult können schwerwiegende Konsequenzen haben. Dazu zählen ein verzerrtes Selbstbild, Depression und Magersucht. Aus diesen Gründen ist es wichtig, mit Maß und Mitte einen gesunden Lebensstil zu pflegen und ein Bewusstsein für die gesunden Grenzen des Schlankseins zu entwickeln. Falls dies aus eigener Kraft nicht gelingt, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

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