Nikotin: Wie wirkt es sich auf das Gehirn aus?

· 4. Mai 2019

Lange Zeit hat man ignoriert, dass Nikotin genauso süchtig machen kann wie andere Drogen, die für ihr hohes Suchtpotenzial bekannt sind. Wissenschaftler wissen aber schon länger, dass diese Substanz dazu in der Lage ist, eine ähnliche Abhängigkeit wie harte Drogen, wie beispielsweise Kokain oder Amphetamine, hervorzurufen.

Nikotin besitzt die Fähigkeit, die Funktion des Gehirns zu beeinträchtigen. Durch komplexe Mechanismen bewirkt Nikotin, dass das Belohnungssystem umstrukturiert wird. Das bedeutet, dass es ein Gefühl von Freude erzeugt, von dem das Gehirn langsam abhängig wird. Es wird ein Punkt erreicht, ab dem der Organismus diese Substanz braucht bzw. die Chemie im Gehirn aus dem Gleichgewicht gerät, wenn kein weiteres Nikotin kommt. Nun muss der Raucher kämpfen, wenn er aufhören will. Das ist eine schwierige Entscheidung und ein schwieriger Prozess, aber es ist nicht unmöglich.

Nachfolgend möchten wir die Wirkung von Nikotin auf das Gehirn von Rauchern veranschaulichen.

„Passe auf deinen Körper auf. Es ist der einzige Ort, an dem du leben musst.“

Jim Rohn

Nikotin und Gehirn – eine enge Freundschaft

Wenn ein Mensch Nikotin konsumiert, werden Acetylcholinozeptoren im Gehirn aktiviert. Dies resultiert in einer Dopaminausschüttung. Dopamin wiederum ist ein Neurotransmitter, der in Verbindung mit unserer Motivation und Freude steht. Kurz gesagt, Rauchen erzeugt ein Gefühl von Wohlbefinden, das vom Gehirn chemisch motiviert wird.

Der Körper transportiert Nikotin sehr schnell zum Gehirn. Man schätzt, dass es nur 10 bis 15 Sekunden dauert, bis es von der Lunge über die Blutbahn ins Gehirn gelangt. Studien zeigen, dass eine gerauchte Substanz ein größeres Suchtpotenzial hat als eine, die oral eingenommen wird, gerade weil dadurch so schnell ein Gefühl von Wohlbefinden erzeugt wird.

Das Gehirn besitzt „sein eigenes Nikotin“, das sogenannte Acetylcholin. Es hat auch sein ganz eigenes Marihuana, Morphium, Heroin etc. Das bedeutet, dass das Gehirn die Wirkung dieser Substanzen entfalten kann, ohne dass sie konsumiert werden müssten. Das ist der Fall, wenn wir glückliche Erfahrungen machen, wie z. B. wenn wir ein gewünschtes Ergebnis erzielen, wenn wir lachen, ein Ziel erreichen usw. Aber wenn wir die entsprechenden Rezeptoren auf künstliche Weise aktivieren, indem wir eine chemische Substanz einnehmen, besteht die Gefahr, süchtig zu werden.

Mann mit vernebeltem Kopf

Nikotinabhängigkeit

Sobald Nikotin oder eine ähnliche Substanz konsumiert wird, vermittelt das Gehirn einen Zustand des Wohlbefindens. Wenn das häufig vorkommt, ist das Gehirn immer weniger dazu in der Lage, freudige Gefühle zu erzeugen, die nicht mit dem Konsum der Substanz verbunden sind. Mit anderen Worten, es wird immer schwieriger, die gleiche Zufriedenheit mit natürlichen Mitteln zu erreichen, etwa indem wir lachen.

Parallel dazu findet eine Reaktion statt, durch die das Gehirn beginnt, sich relativ häufig nach diesem Wohlbefinden zu „sehnen“. Es ist nicht nur das Bedürfnis, Zufriedenheit zu erfahren, sondern es entsteht auch ein sehr unangenehmes Gefühl von Unmut, ein Zustand geprägt von Unruhe, Nervosität und Angst, der dazu führt, dass man bald wieder Nikotin konsumieren will.

Das Gehirn ist konditioniert, sodass es sich nach diesem Wohlbefinden sehnt und es einfordert. Genau das führt zu einem regelmäßigen und uneingeschränkten Nikotinkonsum. Dieser Prozess wird nicht induziert, wenn das Gehirn auf natürliche Weise ein Gefühl von Freude erzeugt.

Die schädlichen Auswirkungen des Nikotinkonsums

Die Zigarettenproduktion ist Sache großer multinationaler Konzerne. Sie haben keine Mühen gescheut, das Verbraucherverhalten zu untersuchen und diese Sucht noch zu fördern. Sie justieren den Nikotingehalt in jeder Zigarette, sodass das Suchtpotenzial weiterhin aufrechterhalten wird. Sie produzieren Packungen mit 20 Zigaretten, weil man herausgefunden hat, dass eine größere Anzahl von Zigaretten pro Tag Unbehagen erzeugt. Alles ist bis ins kleinste Detail gut durchdacht.

Gehirn löst sich in Rauch auf

Nikotin lässt das Gehirn außerdem schneller altern. Es verringert die Fähigkeit, Probleme zu lösen, Entscheidungen zu treffen, zu lernen und Impulse zu kontrollieren. Diese Substanz führt zu einer Reduktion des orbitalen Kortex im Gehirn. Das Rauchen von Zigaretten schwächt diesen Bereich auf direktem Wege, was weiterhin dazu führt, dass der Nikotinkonsument potenziell anfälliger für weitere Abhängigkeiten wird.

Es ist keinesfalls einfach, mit dem Rauchen aufzuhören, gerade wegen all dem, was wir in diesem Artikel erklärt haben. Um nicht länger ein Raucher zu sein, bedarf es deshalb nicht nur eines starken Willens, sondern auch einer effektiven Strategie. Am besten ist es, es ganz zu lassen und nicht erst allmählich damit aufzuhören. Gleichzeitig sollte dann aber auch ein System, bestehend aus Reizen und Verstärkungen geschaffen werden, die helfen, weiterhin rauchfrei zu leben.

  • Lborra, R. R., Pozo, M. C. C., & Pérez, V. M. S. (1994). Efectos cognitivos de la nicotina y el tabaco en sujetos humanos. Psicothema, 6(1), 5-20.