Nikola Tesla, das einsame Genie der Elektrotechnik

· 13. September 2017

Man sagt, dass Nikola Tesla ein Genie gewesen sei, das die Welt erleuchtete, und dass wir uns vorstellen könnten, wie unser Leben heute ohne sein Vermächtnis aussehen würde, wenn wir einfach das Licht ausmachen würden. Doch seine Person ist gleichzeitig auch ein Symbol für Einsamkeit und Unverständnis, die oftmals diese großartigen Köpfe umgeben, die in einer komplexen und faszinierenden Welt existieren.

Eines der berühmtesten Zitate von Tesla wurde von den Journalisten jener Zeit verewigt und verdeutlicht seine vehemente und stets eigensinnige Art zu sein: „Die Gegenwart gehört euch, aber die Zukunft gehört mir.“

Vielleicht hatte er damit recht. Viele sagen, dass unsere Welt ohne ihn eine unerforschte, schlafende Welt wäre, wie der Wald um das Dornröschenschloss. Eine verborgene Welt, ohne Radio, ohne Fernsehen, ohne riesige Industriekonzerne und ohne den unendlichen, ohrenbetäubenden Lärm unserer modernen Städte.

Tesla verdanken wir den Resonanztransformator, der die Ära des Radios einleitete. Darüber hinaus hat er das System erschaffen, welches elektrische Energie zu unseren Häusern leitet, sowie auch die Fernbedienung, die schnurlose Telegrafie, hat mit UV-Strahlung und Magnetresonanz gearbeitet. Ganz zu schweigen von dieser Technik, mit der er im Nachhinein scheiterte und die deshalb schon längst wieder vergessen wurde: der Wardenclyffe Tower, der jeden Menschen kabellos Energie mit Energie versorgen sollte.

„Wenn ich das Glück hätte, irgendeines meiner Ideale zu erreichen, würde das im Namen der Menschheit geschehen.“

Nikola Tesla

Für viele war dieser Vorausdenker serbischer Abstammung ein Sklave der menschlichen Missachtung, da er sich mit der Macht der Industrie dieser Zeit messen musst, wenn er versuchen wollte, sich dem einfacheren Volk anzubieten. Doch worüber selten gesprochen wird, ist die Persönlichkeit Teslas, über seine Psyche und dieses ganz eigene und persönliche Universum, das in diesem Genie steckte.

Wir möchten dich dazu einladen, zusammen mit uns etwas mehr über den Menschen Nikola Tesla zu erfahren.

Kreativität und Disziplin: der komplexe Verstand von Nikola Tesla

Es gibt diverse Bücher, die einen Einblick in dieses intime Universum von Nikola Tesla geben, wie Blitze  von Jean Echenoz oder Nikola Tesla: Persönlichkeit und Neurose  des Serben Zarko Trebjesanin (letzteres ist nicht in deutscher Sprache verfügbar). Er verfügte über einen sehr hohen Intelligenzquotienten und bestach durch seine Brillanz. Seine Genialität wurde durch seine eiserne Disziplin, die Tesla von Kindesbeinen an praktizierte, am Leben erhalten.

„Es gibt kein stärkeres Gefühl, als eine Erfindung zu betrachten, die funktioniert, und dieses Gefühl führt dazu, dass man alles vergisst; man vergisst sogar zu essen, zu schlafen…“

Nikola Tesla

Wenn in seinem Kopf eine Idee entstand, verfolgte er sie so lange, bis er sie umsetzen konnte oder verwarf. Es war bekannt, dass er wenig aß und schlief und dass er schon früh Kreativität mit strengen Regeln, vielen Arbeitsstunden und einem Fokus assoziierte, der für Gefühle keinen Platz ließ. Er widmete seine ganze Leidenschaft der Wissenschaft, bis er irgendwann an einen Punkt kam, an dem er an nichts anderes mehr als die Wissenschaft dachte und jegliche sozialen Kontakte vermied, da sie seiner Meinung nach dazu hätten führen können, dass er die Objektivität bei seiner kreativen Arbeit verlor.

Das bereute er später zweifellos und in einem Interview klagte er sich über seine Einsamkeit. Er gab zu, dass seine kreative Berufung viel mit Leidenschaft zu tun hätte, sein hungriger Verstand aber gleichzeitig sein größter Feind gewesen sei. Er hatte pausenlos zahlreiche Ideen und komplexe Projekte im Kopf, die ihn nicht mehr losließen, wie Blitze, deren Macht er sich ergeben musste.

Im Jahr 1885 ging Nikola Tesla nach New York. Er hatte nur ein Notizbuch voll mit Berechnungen, tausenden neuen Ideen und vielen Gedichten sowie vier Cent bei sich, doch er wusste ganz genau, was er erreichen wollte. Ein Jahr später hatte er bereits das Patent für den Wechselstrommotor an George Westinghouse verkauft und war am sogenannten Stromkrieg beteiligt, an dem auch sein Erzfeind Thomas Edison teilnahm.

Doch dieser Kopf, der voller Ideen war und dessen Gedanken nur um Elektrizität und Systeme kreisten, die auf unsichtbare Weise über Distanzen Verbindung schaffen könnten, konnte diese nicht alle in die Tat umsetzen, zumindest nicht so, wie er es sich vorstellte. Er traf auf zwei große Rivalen: ein festgefahrenes System und eine interessierte Politik, die nicht mit den „gefürchteten“ Ideen von Tesla harmonierten. Des Weiteren litt er unter einer Zwangsstörung, die ihn seiner Motivation und am Ende auch seiner Gesundheit beraubte.

Ein genialer, aber auch zwanghafter Verstand

Die letzten Jahre im Leben von Nikola Tesla waren besonders schwierig. Seine Zwangsstörung führte zu zwanghaften Routinen. Er lebte in Hotels, in denen er immer um 18 Handtücher bat. Wenn er zum Mittag oder Abend aß – was nicht oft der Fall war – verlangte er, dass 18 Servietten auf dem Tisch liegen sollten.

„Das Leben ist und wird auch zukünftig eine unmöglich zu lösende Gleichung sein, trotz all der Variablen, die wir bereits kennen.“

Nikola Tesla

Er mietete sich stets im Zimmer 207 ein, weil diese Nummer durch drei teilbar war. Seine außerordentliche Besessenheit für die Zahl 3 und für die Vorstellung, der ganzen Welt kostenlos und kabellos Energie zukommen zu lassen, machte seine Gesundheit und sein persönliches Gleichgewicht zunichte. Er erwartete so viel von sich selbst, dass seine Neurose ins Unermessliche stieg. Geräusche verursachten ihm Schmerzen und er wurde überempfindlich. Außerdem hatte er irgendwann kein Geld mehr, weil er nicht die Ambitionen eines Unternehmers besaß.

Er verkaufte alle seine Patente und verarmte. Er ließ eine Menge Arbeit und Dokumente einfach beiseitelegen, mit denen andere reich geworden wären. Heutzutage steht der Name Nikola Tesla wieder für Genialität und für dieses Licht, das er uns nicht nur durch seine Erfindungen zukommen ließ, sondern auch in Form dieser außergewöhnlichen Selbstlosigkeit eines Menschen, der sich niemals bereichern und nur im Sinne der Wissenschaft der Menschheit dienen wollte.

Wenn wir zu hohe Erwartungen haben, können
wir die kleinen Dinge im Leben nicht genießen

Für gewöhnlich wollen wir im Leben von allem immer
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