Nichts gehört dir: Das Leben ist nur geliehen – genieße es, solange du es hast

16. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
EIne Hand versucht, den Horizont zu berühren

Wir verstehen Abhängigkeit als eine sehr starke Bindung. Sie bestimmt, wie sich unsere Persönlichkeit entwickelt, wie wir das Leben sehen und wie wir uns mit jedem und allem um uns herum identifizieren. In dieser Verbundenheit liegt jedoch ein Trugschluss verborgen, denn nichts davon gehört uns.

Manche Arten der Abhängigkeit sind wichtig und gar erforderlich. Eine Bindung an eine starke Bezugsperson in unseren ersten Lebensjahren ist für eine angemessene kognitive und emotionale Entwicklung notwendig. Auf der anderen Seite erfüllt es uns mit Angst und Zweifel, wenn die Verbindung zu anderen Personen unsicher und zerbrechlich ist. Im Grunde genommen basieren alle unsere Beziehungen im Leben auf solchen Abhängigkeiten – auch wenn manche davon vielleicht schädlich für uns sind.

Manche Beziehungen machen uns beispielsweise Angst, wenn wir über ihr mögliches Ende nachdenken. Um dieses Gefühl der Angst zu vermeiden, müssen wir uns stets daran erinnern, dass alles, was uns das Leben gibt, nur eine Leihgabe ist. Dankbar zu sein, ist der erste Schritt, um sichere Bindungen zu den Menschen um uns herum aufrechtzuerhalten. Das gleiche Prinzip gilt nicht nur bei Familie und Partnern, sondern auch bei der Arbeit, im Urlaub und in jeder Situation, in der du dich befinden kannst.

Eine Person breitet die Arme vor dem Meer und der untergehenden Sonne ausNichts gehört dir: Das Leben ist nur geliehen

Beziehungen zu führen, in denen wir uns sicher fühlen, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine hohe Kunst, welche Willen und Übung erfordert. Wenn lediglich die Gewohnheit eine Beziehung aufrechterhält und es nichts gibt, was der Beziehung Bedeutung verleihen würde, dann handelt es sich um eine unsichere Verbindung. In diesem Fall wäre es besser für unsere mentale Gesundheit, diese Beziehung zu beenden.

Wenn wir nicht lernen, zu gehen, wenn wir nicht loslassen können, wird auch das negative Konsequenzen haben. Wenn die Verbundenheit zu stark für uns ist und wir an unseren Träumen, Fantasien und Illusionen festhängen, wird das Leid unserer Traurigkeit unerbittlich wachsen. Buddha wies in einem seiner berühmten Zitate darauf hin, dass der Ursprung des Leidens gerade in den Abhängigkeiten liege.

Allerdings sind nicht alle Abhängigkeiten schlecht und es gibt einige gesunde und nützliche Bindungen. Eine sichere Verbindung basiert darauf, zu wissen, wie wir das genießen können, was wir gerade erleben. Wenn wir uns einmal genau ansehen, was uns leiden lässt, verstehen wir, dass es nicht die Sache selbst ist, die uns Schmerzen bereitet, sondern die Art und Weise, wie wir daran festhalten.

Unser Problem mit jeglicher Bindung ist, dass wir alles als beständig wahrnehmen. Um unsere Ziele zu erreichen, setzen wir auf Aggression und Wettstreit. Diese sind vermeintlich effektive Werkzeuge, aber sie führen dazu, dass wir uns auf dem Weg selbst zerstören. Um dies zu vermeiden, muss man verstehen, dass nichts von Dauer ist. Das Leben ist nur eine Leihgabe an dich.

Ein Vogelschwarm über Meer und WolkenAbhängigkeit vs. Unabhängigkeit

Schon unser kultureller Hintergrund gibt uns vor, in Abhängigkeit von anderen zu leben: Eltern, Kinder, Paare. Seit wir junge Menschen waren, wurde uns die Idee einer romantischen Liebe eingeflößt. In dieser Art von Liebe können und sollen die beiden Partner nicht getrennt voneinander leben. Diese Abhängigkeit in romantischen Beziehungen kann jedoch sehr schädlich sein. Sie kann unter Umständen sogar dazu führen, dass wir emotional völlig unfähig werden.

Die Abhängigkeit für sich genommen ist, wie jedes andere Konstrukt auch, weder gut noch schlecht. Bis zu einem gewissen Grad ist sie in unserem Leben immer präsent. Sie ist etwas, was wir vor der Welt und vor uns selbst nicht verstecken müssen. Ein solches Verständnis würde uns erlauben, gesündere Beziehungen zu erkennen und einzugehen.

Heutzutage neigt man jedoch dazu, Abhängigkeit mit einer gewissen Verachtung zu betrachten, als ob sie grundsätzlich ein Zeichen von Schwäche sei. Aber wenn wir kurz innehalten und darüber nachdenken, sind fast alle Aspekte unseres Lebens das Ergebnis der Bemühungen anderer Leute. Unsere für kostbar und großartig empfundene Unabhängigkeit könnte mehr eine Illusion oder eine Fantasie sein als eine wirklich greifbare Tatsache. Um ein erfülltes Leben zu genießen, brauchen wir Freunde, gute Gesundheit und materielle Güter. Interessanterweise sind dies alles Bereiche, in denen wir auf andere angewiesen sind.

Unser Bedürfnis nach anderen ist paradox. Zur gleichen Zeit, da der Zeitgeist auf absolute Unabhängigkeit und Individualität getrimmt ist, sehnen wir uns auch nach Intimität und exklusiver Verbindung mit einer ganz speziellen und geliebten Person. Das Geheimnis liegt also genau auf dieser Grenze, zu lieben, aber nicht zu brauchen. Also denke daran: Nichts gehört dir. Das Leben ist nur eine Leihgabe an dich. Genieße, was du hast!

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