Nicht jeder, der geht, kommt zurück, und nicht jeder der ankommt, bleibt

· 18. Mai 2016

Ich habe gelernt, dass in diesem Leben nichts so bleibt, wie es ist: Wir alle sind kurze Zeit Reisende in einer Welt voller Gelegenheiten, und wir nehmen uns die, die uns am besten gefallen. Ich habe auch gelernt, zu verlassen und gehen zu lassen, mich nicht an das festzuklammern, was wehtut und der authentischen Zuneigung und Liebe meine Priorität zu geben.

Wir alle haben in bestimmten Momenten gelernt, dass das Leben wehtut. Und es ist schmerzhaft, weil es uns dazu zwingt, Veränderungen zu erleben, die wir nicht erwartet haben, Bindungen zu brechen, Menschen zu verlieren und den Geschmack der Trauer in all seinen Schattierungen zu kosten, und auch zu verstehen, dass stark sein manchmal auch bedeutet, unsere Schwächen zu kennen.

Das eEnzige, was wirklich in diesem Leben erhalten bleibt, sind die Emotionen: Die Liebe, welche die von dir geliebten Menschen mit sich nehmen, wenn sie dich verlassen, oder jene, die du bis zum heutigen Tag von demjenigen in deinem Gedächtnis trägst, der zum ersten Mal einen Platz in deinem Herzen gefunden hat.

Die Liebe, die authentisch ist, ist die, die wirklich andauert und uns bereichert. Wir reden von dieser aufrichtigen Zuneigung zwischen Eltern und ihren Kindern, zwischen Geschwistern, der Liebe, die wir für jemanden empfinden, obwohl unsere Beziehung bereits vorbei ist, wir jedoch die Person an der tiefsten Stelle unseres Gedächtnisses als eine wertvolle Erinnerung behalten.

Positive Emotionen sind diejenigen, die uns stärken, die uns von innen aufbauen und uns Kraft, Atem und Schutz geben. Lieben heißt leben, heißt sich entwickeln und heißt lernen. Jedoch bleibt das Rad des Lebens nie still stehen und es kann sein, dass der, der uns verlässt, nie mehr zurückkehrt. Und der, der ankommt, wird vielleicht nicht  bleiben. Man muss lernen, über Verlust in all seinen Ausdrucksformen hinwegzukommen.

Das, was du geliebt hast, wird immer bleiben

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Im Verlauf unseres Lebens sollten wir uns stets vornehmen, mit einem leichten Rucksack, frei von Bitterkeit, Hass und Frust, weiterzulaufen und nur positive Emotionen einzupacken: Angenehme Erinnerungen, Erlebnisse, Hoffnungen, Bescheidenheit und die Liebe in all ihren Formen.

Es gibt jemanden, der ein großes Licht in unsere Welt trägt, der, außer dass er uns diesen Funken gebracht hat, noch weiter bleibt, um unseren Alltag zu erleuchten.

Jeder Verlust, wie er auch sei, zwingt uns dazu, mit Trauer umgehen zu müssen. Vielleicht haben wir einen uns wichtigen Menschen verloren, vielleicht ist unsere Beziehung kaputtgegangen. Was auch immer der Ursprung ist, am Ende dieses Prozesses innerer Heilung sollten in uns stets positive Emotionen bestehen bleiben.

Die Liebe als Schlüssel zur inneren Heilung

Nehmen wir ein Beispiel: Jemand taucht plötzlich in unserem Leben auf, verändert es, lässt uns die Authentizität der Liebe, der Leidenschaft spüren und es entsteht ein Gefühl der Komplizenschaft. Jedoch ist diese Liebe nicht von Dauer. Aus welchem Grund auch immer geht sie zu Ende.

  • Am wahrscheinlichsten spüren wir aufgrund dieses unterbrochenen Verhältnisses als erstes Wut, danach Trauer, Trostlosigkeit und möglicherweise mündet diese Anhäufung an Gefühlen schließlich in Frustration.
  • Jede negative Emotion wird tiefe Veränderungen in unserem Charakter und unserer persönlichen Ausgeglichenheit herbeiführen. Es wird uns weniger vertrauensvoll und unsicherer machen. Es ist auch möglich, dass du anfängst, zu denken, besser nicht mehr zu lieben, um nicht zu leiden.

Du musst jedoch verstehen, dass, wenn du die Tür deines Herzens wegen etwas, was nicht geblieben ist, verschließt, du dann im Prinzip negierst, weiter zu leben. Die Bitterkeit macht uns zu Sklaven der Vergangenheit und hindert uns daran, in unserer Gegenwart voranzukommen.

Der Schlüssel zu all dem liegt darin, mit dem Verlust umgehen zu können, ihn zu akzeptieren. Uns bleibt all das Erlebte, all das Erfahrene. Es bleiben dir die gefühlte Liebe und die schönen Momente, es bleibt dir dieses gute Kapitel und all dies erlaubt es dir, deine Wunden zu heilen, um dir erneut die Möglichkeit zu geben, glücklich zu sein.

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Was man verliert, bleibt in unserem Herzen

Wir haben verstanden, dass es im Verlauf des Prozesses der Trauer notwendig ist, die guten Momente zu erhalten: Aus der erlebten Liebe diesen warmen Wind machen, der uns in den Momenten der Kälte und der Trostlosigkeit erwärmt. Man sollte sich auch daran erinnern, dass alles, was wir physisch verlieren, weiterhin in unserem Herzen erhalten bleibt.

Das Leben zeigt uns, dass, so stark wir auch eine Person umarmen, es unmöglich ist, sie für immer an unserer Seite zu halten, manchmal wird unser eigenes Leben ganz launisch und nimmt sie uns weg, ohne dass wir verstehen, warum.

Es ist nicht einfach, einen Verlust zu akzeptieren, dass der, der einmal mit uns war, für immer von uns gegangen ist, dass wer zurückgekommen ist, nun wieder gehen will. Das Leben bedeutet auch, sich Abschieden zu stellen, und leider geschehen nicht alle davon an einem Bahnhof mit einer letzten Umarmung.

  • Es ist nötig, die fehlende Dauerhaftigkeit der Dinge anzunehmen und zu lernen, diesen Moment zu genießen, dass Hier und Jetzt in der größtmöglichen Fülle.
  • Wer schon nicht mehr an deiner Seite ist, hat dir ohne Zweifel durch seine Begleitung ein großes Geschenk gemacht, durch seine Zuneigung, durch diese gemeinsam gegangenen Schritte, durch die vielen gemeinsam verbrachten Momente. All das ist ein Erbe, was du in deinem Gedächtnis und deinem Herzen mit einem leichten Lächeln erhalten kannst.

Dein Herz und deine Erinnerung haben eine unerwartete Grenze, um in großen Mengen erlebte Zuneigung und erfahrene Liebe zu speichern. Es ist der Schatz des Lebens, den wir jeden Tag pflegen sollten, der uns immer begleiten wird, wenn wir das wollen, auch wenn er schon nicht mehr an unserer Seite ist.

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Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Anna Dittman, Frank Ezh