Neuroplastizität und posttraumatischer Stress: Kann das Gehirn ein Trauma überwinden?

11 September, 2020
Die Plastizität des Gehirns beseitigt die Narben, die ein traumatisches Ereignis im Nervensystem hinterlassen hat. Die Neurowissenschaften bieten einige effektive Möglichkeiten, um posttraumatischen Stress zu überwinden. Lies weiter und erfahre mehr darüber!

Traumata sind die Ursachen für zahlreiche emotionale und psychische Probleme. Menschen verbringen häufig ihr gesamtes Leben im Schatten eines traumatischen Erlebnisses. Außerdem kann posttraumatischer Stress zu verschiedenen Verhaltensweisen führen, die bewirken, dass sich die Auswirkungen dieser Erfahrung auch auf nachfolgende Generationen übertragen. Aber glücklicherweise besteht eine Hoffnung auf Heilung. In unserem heutigen Artikel sprechen wir über den Zusammenhang zwischen Neuroplastizität und posttraumatischem Stress.

Der Begriff “Trauma” wird nicht immer richtig verstanden. Zu manchen Gelegenheiten wird die Bedeutung eines Traumas heruntergespielt, während dieser Begriff in anderen Situationen zu häufig benutzt wird. Zuerst einmal ist posttraumatischer Stress genau das, was dabei hilft, ein Trauma zu identifizieren. Darüber hinaus tritt er nicht immer nach den Erfahrungen auf, die von der Gesellschaft als extrem und verheerend angesehen werden.

Was ein Erlebnis zu einem traumatischen Erlebnis macht, sind die Auswirkungen, die es auf einen Menschen hat und hier insbesondere die maladaptiven Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen. Manchmal entsteht ein Trauma infolge eines schmerzhaften Ereignisses wie beispielsweise dem tragischen Tod eines geliebten Menschen.

Allerdings kann ein Trauma auch aus Situationen entstehen, die für Außenstehende gar nicht so ernsthaft und dramatisch aussehen. Wenn du beispielsweise siehst, wie deine Mutter einen fremden Mann küsst, könnte das eine traumatische Erfahrung für dich sein, insbesondere dann, wenn du dies als kleines Kind erlebst.

“Angststörungen, Albträume und ein Nervenzusammenbruch, es gibt nur so viele Traumata, die ein Mensch aushalten kann, bis er auf die Straße geht und anfängt zu schreien.”

-Cate Blanchett als Jasmine in Blue Jasmine-

posttraumatischer Stress - Frau

Trauma

Daher wird ein Trauma nicht durch die offensichtliche Schwere oder Natur eines Ereignisses definiert. Stattdessen sind es die emotionalen Auswirkungen, die es auf einen Menschen hat. Manchmal kann ein bestimmtes Erlebnis ein Trauma hervorrufen. Darüber hinaus kann es auch als Folge einer Reihe zusammenhängender Ereignisse auftreten.

Der Hauptpunkt ist, dass traumatische Umstände einen emotionalen Schock verursachen. Der traumatisierte Mensch hat dann nicht die kognitiven oder emotionalen Instrumente zur Verfügung, um die Situation zu verstehen und zu verarbeiten. Das ist eine sehr beunruhigende und verwirrende Situation.

Der Grund dafür ist, dass traumatische Situationen überraschend auftreten. Das Nervensystem ist nicht darauf vorbereitet, mit diesen Ereignissen umzugehen. Infolgedessen gelingt es ihm auch nicht, organisiert und angemessen darauf zu reagieren.

Posttraumatische Belastungsstörung

Jedes Trauma führt zu einem Phänomen, das als posttraumatische Belastungsstörung bekannt ist. Allerdings hängt die Manifestation und die Intensität dieser Störung von mehreren Faktoren ab: der Schwere des Erlebnisses, dem psychischen Zustand der Person zum Zeitpunkt des Ereignisses, dem Kontext, in dem es stattfindet und ob es einmal oder wiederholt auftritt.

Die typischen Konsequenzen, die posttraumatischer Stress nach sich zieht, manifestieren sich auf vier Arten:

  • Erinnerungen an das traumatische Erlebnis. Wiederkehrende Erinnerungen, Albträume, Vorahnungen und Erregungszustände, wenn der Betroffene durch etwas an das Ereignis erinnert wird.
  • Vermeidung. Die Betroffenen vermeiden das Thema und alles, was mit diesem Erlebnis in Verbindung stehen könnte.
  • Veränderungen des mentalen Zustandes. Völliges Vergessen oder Unterdrücken all dessen, was geschehen ist, Entfremdung von der Realität, Apathie, Pessimismus und die Unfähigkeit, positive Emotionen zu empfinden.
  • Angst und Reaktivität. Schlaflosigkeit, Probleme, Wut zu kontrollieren, Konzentrationsstörungen, Nervosität, permanente Angst und Hypervigilanz.

Neuroplastizität und posttraumatischer Stress

Allerdings wirkt sich ein Trauma nicht nur auf deine psychische Gesundheit aus. Es löst auch eine Art Zurücksetzung oder Rekalibrierung deines Nervensystems aus. Das Gehirn eines traumatisierten Menschen verändert sich. Sein Alarmsystem schaltet sich ein und bleibt so lange in einem übermäßigen Alarmzustand, bis es direkt angesprochen wird. In manchen Fällen wird es überhaupt nicht mehr ausgeschaltet.

Daher hinterlässt posttraumatischer Stress Spuren im Gehirn. Fortschritte in den Neurowissenschaften haben gezeigt, dass das Gehirn eine unglaubliche Plastizität aufweist. Mit anderen Worten, es verändert sich als Reaktion auf bestimmte Reize. Daher glauben Experten auf diesem Gebiet, dass andere Erfahrungen dazu beitragen können, das Gehirn wieder in seinen normalen Zustand zurückzuversetzen. Genau wie die traumatische Erfahrung das Gehirn zuvor verändert hat.

Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, sich als Reaktion auf seine Erfahrung zu verändern. Daher konzentrieren sich heutzutage einige Therapien zur Überwindung der posttraumatischen Belastungsstörung auf Interventionen, die darauf abzielen, das zentrale Nervensystem zu verändern.

posttraumatischer Stress - ein blau erleuchtetes Gehirn

Neuroplastizität und posttraumatischer Stress: Therapien

Einer der bedeutendsten Experten auf diesem Gebiet ist der niederländische Traumaforscher Bessel van der Kolk. Er glaubt, dass Yoga, Drama-Therapie, Neurofeedback-Therapie, experimentelles Psychodrama und therapeutische Massagen den Betroffenen bei der Überwindung posttraumatischer Belastungsstörungen helfen können.

Ein weiterer Experte auf diesem Gebiet, der klinische Psychologe und Traumaexperte Alain Brunet, rät zu einer vierteiligen Behandlung für posttraumatischen Stress. Der erste Schritt besteht in der Erinnerung an das Ereignis (häufig bei gleichzeitiger Sedierung). Anschließend muss der Patient darüber schreiben und das Geschriebene laut vorlesen. Der Patient sollte dies einmal wöchentlich über einen Zeitraum von fünf Wochen durchführen.

Obwohl es vielleicht schwer vorstellbar ist, sind sich viele traumatisierte Menschen ihres Traumas gar nicht bewusst. Oder sie wollen einfach nicht daran denken, weil es sie nach wie vor überwältigt. Der einzige Grund, warum andere Menschen ihr Leiden erkennen, sind die Manifestationen der posttraumatischen Belastungsstörung.

Jetzt wissen wir, dass die Betroffenen nicht mehr nur einfach lernen müssen, für den Rest ihres Lebens mit diesen Erlebnissen zu leben. Die Neurowissenschaften haben diesen Menschen einen Ausweg aus ihrem dunklen Labyrinth aufgezeigt.

Carvajal, C. (2002). Trastorno por estrés postraumático: aspectos clínicos. Revista chilena de neuro-psiquiatría, 40, 20-34.